Forstenried Der letzte seiner Art

Der Derzbachhof, den Forstenriedern auch als Feichtbauernhof bekannt, ist um das Jahr 1751 herum erbaut worden.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Experten gilt der Derzbachhof als wertvolles Zeugnis bäuerlicher Baukultur - allerdings ist er vom Verfall bedroht. Möglicherweise glückt es aber dem Unternehmer Stefan Höglmaier, das Anwesen zu erhalten

Von Jürgen Wolfram, Forstenried

Es könnte die Rettung sein für das pittoreske Baudenkmal im Herzen von Forstenried: Das Bauunternehmen Euroboden will den Derzbachhof erwerben. Geschäftsführer Stefan Höglmaier bestätigt, Übernahmeverhandlungen mit den Eigentümern, einer Erbengemeinschaft, anzustreben. "Es ist ein Trauerspiel, wie das erhaltenswerte Anwesen verkommt", sagte Höglmaier nach einer Ortsbesichtigung der SZ. Der Aufgabe, den Hof vor dem Verfall zu bewahren, würde er sich gern annehmen. Der Bauunternehmer hat Erfahrung mit komplizierten Sanierungen: An der Kolbergerstraße 31 im Herzogpark verhalf er einer Doppelvilla, die Graf Hermann zu Castell-Rüdenhausen im Jahr 1908 errichten ließ, zu neuem Glanz Und im alten Dorfkern von Riem renovierte Höglmaiers Firma im vergangenen Jahr das historische Schusterbauernhaus, ein Hof aus dem 18. Jahrhundert und ebenfalls ein bedeutsames Baudenkmal.

Die Bewahrung dieses letzten Zeugnisses bäuerlicher Baukultur im Stadtteil Alt-Riem hat Höglmaier und dem Architekten Peter Haimerl viel Anerkennung von Ortshistorikern und Baufachleuten eingebracht. Als Euroboden es kaufte, war es noch stärker verfallen als der Derzbachhof heute. Höglmaier und Haimerl schafften am Stockerweg zwei Wohnungen mit jeweils 150 Quadratmetern Fläche und einen großen hölzernen Funktionsanbau für Fahrräder, Mülltonnen sowie einer Sitzecke. Die historische Bausubstanz des Gebäudes wurde soweit als möglich geschont, ein ehemaliger Stall in eine Wohnküche umgewandelt; darüber liegt ein modernes Badezimmer. Trotz aller Eingriffe blieb das Schmuckstück als Schusterbauernhaus gut erkennbar.

Höglmaier glaubt, eine Renovierung mit sinnvollen, ortskernverträglichen Ergänzungselementen wäre auch an der Forstenrieder Allee 179 möglich. Für den 1751 erbauten Derzbachhof, in Forstenried auch bekannt als Feichtbauernhof, stehen ohnehin gerade Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen an. Sie sollen die hölzerne Trägerkonstruktion besser schützen. Die Denkmalschutzbehörden machen seit längerem Druck, um weiteren Verlusten der Bausubstanz vorzubeugen. Denn beim Derzbachhof handle es sich um ein "einzigartiges und besonders wertvolles Baudenkmal". Eben darauf hat auch der Bezirksausschuss wiederholt hingewiesen und Sanierungsmaßnahmen angemahnt. In den vergangenen Jahren diente das historische Bauernhaus bestenfalls noch als Kulisse für Ortsteilfeste.

Es sieht ganz so aus, als schaue Höglmaier mit seiner Leidenschaft für die Restaurierung historischer Gemäuer zur rechten Zeit am rechten Ort vorbei. Allerdings hat er bereits mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Diese haben mit Bau und Planung noch gar nichts zu tun, vielmehr gestaltet sich die Kontaktaufnahme mit einzelnen Derzbachhof-Eigentümern holprig. Dieser Tage erst ist ein Brief des Euroboden-Chefs mit seiner Offerte ungeöffnet zurückgekommen - Adressat unbekannt.