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Foodtrucks in München:Snack 'n' Roll

Schmuddelige Imbissbuden? Sind von gestern. Durch München fahren immer mehr Foodtrucks. Aber statt Pommes rot-weiß gibt es hier Gourmet-Hotdogs, glutenfreie Sandwiches oder Steinzeitessen.

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Quelle: Margot Dott/oh

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In den USA sind sogenannte Food-Trucks ganz einfach mobile Imbissbuden, die aber oftmals sehr stylish gestaltet sind und abgefahrene Gerichte servieren. Nudeln mit Käsesoße zwischen zwei Sandwichscheiben? Gibt es alles. Auch in Deutschland gibt es immer mehr Foodtrucks, die zwar auch von Standort zu Standort tingeln, um mittags hungrige Büromenschen satt zu machen. Aber anders als herkömmliche Imbissbuden brutzeln sie keine Currywurst oder Schaschlik mit Pommes, sondern versuchen, sich mit innovativen Rezepten und Konzepten vom Einheitsbrei abzuheben. Am Wochenende trafen sich Anbieter aus ganz Deutschland auf dem Nürnberger Messegelände zum größten Food-Truck-Roundup des Landes. Roundup - das klingt nicht nur ein wenig interessanter als Imbisswagen-Versammlung, auch das Angebot war ein Querschnitt der Weltküche.

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Quelle: OH

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Dass aufwendige Sandwiches und anderes Fingerfood zunehmend angesagt ist, zeigt zum Beispiel das erst kürzlich erschienene Kochbuch "Auf die Hand" des Kochs und SZ-Autors Stevan Paul, der Rezepte auf der ganzen Welt gesammelt hat. In München hat sich im vergangenen Jahr eine kleine, aber feine Food-Truck-Szene etabliert, die den Begriff Fastfood völlig neu definiert. Einige Anbieter haben sich zum "Food-Truck-Circle" zusammengeschlossen, der im Advent vor dem Amerikahaus einen kleinen Streetfood-Markt veranstaltet hatte. Und vor gut einer Woche überrannten die Münchner den Streetfood-Markt "Hall of Taste" im ehemaligen Heizkraftwerk in der Maxvorstadt. Eine Neuauflage letzterer Veranstaltung ist in Planung wie die Veranstalter auf Facebook verlauten lassen. Und auch eine Smartphone-App "Foodtrucks" gibt es bereits, mittels der sich die Standorte von Foodtrucks in Deutschland abrufen lassen. Eine Auswahl an Münchner Foodtrucks:

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Quelle: OH

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Die Intolerante Isi

Menschen, die an einer Lebensmittelallergie leiden, müssen immer auf die Zusammensetzung von Lebensmitteln achten. Isabella Hener verträgt wie sehr viele Menschen keine Laktose. Da der Milchzucker aber in vielen Fertigprodukten enthalten ist, kamen für die Mediendesignerin solche schon mal nicht für ihre Ernährung in Frage. Auch in Restaurants sei es ihr passiert, dass sie auf vermeintlich laktosefreie Gerichte Beschwerden bekommen habe, weil das Personal schlicht nicht gewusst habe, dass Milch im Essen war. Vergangenes Jahr beschloss Hener dann, ihren eigenen Laden aufzumachen, speziell für Menschen mit Lebensmittelunverträglichkeiten. In ihrem Foodtruck "Die intolerante Isi" verkauft sie zum Beispiel glutenfreie Sandwiches, Whoopie Pies und wechselnde warme Gerichte und Smoothies. Auf ihrem Blog veröffentlicht sie überdies viel versprechende Rezepte. Die Entscheidung, komplett die Branche zu wechseln, traf Isabell Hener nach reiflicher Überlegung. Dann besorgte sie sich über die InterCrowdfunding-Plattform Startnext.de Geldgeber, dann ging die intolerante Isi, die sich ansonsten als ziemlich tolerant bezeichnet, auf Tour.

Infos: www.die-intolerante-isi.de

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Quelle: OH

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Grillin' me softly

"Unser Ziel ist es die Imbisskultur Münchens neu zu gestalten", sagen die Macher des Food-Trucks "Grillin' me softly". Als kulinarisches Vorbild haben sich die beiden US-Amerikaner Florian Villegas und Sascha Lopez die Straßenküchen- und Deli-Szene New Yorks ausgesucht, die von unterschiedlichen Kulturen geprägt wird. Konkret bedeutet das: Fleisch von Freilandrindern aus dem US-Bundesstaat Nebraska, unbehandelte Salate und Gemüse aus der Region - das Ganze raffiniert kombiniert. So besteht zum Beispiel das "Upper East Sandwich" aus Babyspinat, frischem Granatapfel, Honig-Walnüssen, gegrilltem Ziegenkäse auf Baguette und gegrilltem Rind oder Huhn. Als exotisches Dessert reichen die mobilen Wirte "Hawaiian Banana Bread", das aus frischen Bananen, Walnüssen, Buttermilch und Zimt gebacken wird. Und weil es auch in einem Food-Truck gar nicht hip genug zugehen kann, trinkt man bei Grillin' me softly "Vitamin Water" aus New York.

Infos: www.grillin.me

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Quelle: OH

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Chivito - The King of Sandwich

Chivitos sind hierzulande nahezu unbekannt - ein Umstand, den Mario Frank, Markus Bauer und Edwin Schellenberg unbedingt ändern wollen. Der Chivito ist ein Nationalgericht von Uruguay. Er ist eine üppige Kalorienbombe mit einem ordentlichen Batzen Fleisch, Speck, Zwiebeln, Salat und Saucen. Weil aber auch ein traditioneller Snack durchaus variiert werden darf, haben die drei Unternehmer (Schellenberg stammt aus Uruguay) auch leichtere Varianten mit Putenfleisch oder Portobellopilz im Angebot. Das Brot kommt von einer Biobäckerei und auch die übrigen Zutaten, betont Mario Frank, stammen durchweg aus biologischer Erzeugung. Dazu gibt es zum Beispiel Bio-Heulimonade oder Bio-Apfel-Waldmeisterlimonade.

Infos: www.kingofsandwich.de

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Quelle: OH

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Salsa Verde

Christian Selig ist schon weit herumgekommen. Als Student weilte er unter anderem in Kalifornien, wo er auch die dortige Food-Truck-Kultur kennenlernte. Und weil er gerne ein gastronomisches Projekt auf die Beine stellen wollte, reifte in ihm die Idee, zu Hause in Deutschland zusammen mit Partnern einen Food-Truck zu eröffnen - und zwar mit mexikanischer Küche. "Meine Frau ist Mexikanerin", erzählt Selig. Da lag die Wahl nicht fern. Dennoch sollte es etwas anderes sein, eine authentische mexikanische Küche, die nichts mit den hierzulande bekannten Tex-Mex-Klassikern wie Burritos oder Chicken Wings zu tun hat. Stattdessen setzt das Team von Salsa Verde auf langsam geschmortes oder mariniertes Fleisch, frische Salate und würzige Eintöpfe oder Suppen - manche Gerichte basieren auf Rezepten aus der Familie seiner Frau. Aber so einfach war es mit der mexikanischen Küche dann doch nicht. "Man kann nicht einfach Rezepte nachkochen", erzählt Christian Selig. "Man muss die Küche auch verstehen." Auf Reisen nach Mexiko aber auch nach Texas erforschte er die dortige Kochkultur. Auch er setzt auf Zutaten aus der Region. Manche Zutaten, etwa spezielle Chilis für die Saucen, importiert er aber aus Mexiko - der Authentizität zuliebe.

Infos: www.salsa-verde-streetfood.de

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Quelle: OH

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Isardogs

Ein Hotdog ist im Prinzip nichts Kompliziertes: Warmes Würstchen rein in die Semmel, Senf oder Ketchup drauf - vielleicht noch Röstzwiebeln - und fertig ist der schnelle Snack. Den Münchner Jungunternehmern Christian Daurer, Manuel Moser und Melissa Pirouzkar war das nicht genug. "Wir wollten mal einen richtig guten Hotdog", erzählt Christian Daurer. Und weil er und seine Kompagnons sich ohnehin in der Gastronomie selbständig machen wollten, ein Restaurant aber zu teuer gewesen wäre, entstand die Idee mit dem Foodtruck und den Hotdogs. Freilich nicht irgendwelche: Es sollten schon besondere Kreationen sein, Gourmet-Hotdogs - und so haben die Gründer die Saucen für ihre Snacks vom mehrfach ausgezeichneten Bocuse-Schüler Patrick Coudert entwerfen lassen. Fast ein Jahr hat die Umsetzung gedauert. Ein Wagen musste her, die Rezepte sollten etwas Einzigartiges sein: Ein Metzger aus der Region stellt die Würste her, eine Münchner Bäckerei die Brötchen. Seit Dezember nun sind die Isardogs mit ihrem Stand unterwegs, an dem sie Hotdogs mit so wohlklingenden Namen wie "Sissi und Franz" (eine Variation mit Senf und Sauerkrauf), "Mr Myagi" (mit Wasabi) oder "Mrs Schickeria" (mit Guacamole) anbieten.

Infos: www.isardogs.com

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Quelle: Markus Hannich/oh

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Pizza Innovazione

Irgendwann hatte Gerd Hartmann die Schnauze voll von lauwarmer labbriger Lieferpizza. Es war im Jahr 2010, als dem BWL-Studenten die Idee vom Pizza-Truck kam. Das Geschäftsmodell machte er kurzerhand zum Thema seiner Abschlussarbeit, dann beschloss Hartmann, seine Idee zu realisieren. Er tat sich mit Leon Foris zusammen, einem Fahrzeugtechnik-Ingenieur, der den Pizza-Truck entwarf, sowie mit Bence Cöres, einem studierten Maschinenbauer, der dafür sorgt, dass die Technik des mobilen Pizzaofens funktioniert. Aber auch Hartmann musste vor dem Start seines Ladens feststellen, dass es von der Idee zur Umsetzung ein langer Weg ist. Das Wichtigste überhaupt bei dem Geschäftsmodell: "Die Pizza sollte besser sein, als andere", erzählt Hartmann. Also experimentierte er. Doch erste Versuche, das Handwerk des Pizzabäckers zu erlernen, scheiterten. Bis er von einem Erasmus-Kumpel den Tipp bekam, doch in Italien selbst herauszufinden, was eine gute Pizza ausmacht. Als er endlich zufrieden war, besorgten sich die Leute von Pizza-Innovazione ihr Geld über Schwarmfinanzierung, indem sie Genussscheine ausgaben. Seit September nun liefert das Team aus. Dabei wird während der Fahrt der Ofen angeheizt, gebacken wird dann frisch vor Ort. Vor allem in den Außenbezirken der Stadt, in denen es nicht so eine hohe Pizzerien-Dichte wie im Zentrum gibt, ist der Dienst gefragt.

Infos: www.pizza-innovazione.de

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Quelle: OH

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The Cave

Wenn von Paleo-Food oder Steinzeitessen die Rede ist, wissen viele erst mal nicht, was genau bei dieser sehr speziellen Art Küche auf den Teller kommen soll. Allein schon, weil die Steinzeitklassiker wie gegrilltes Mammut rein rohstofftechnisch nicht mehr gehen. Wenn man aber mal nicht mit Klischees witzelt und sich ernsthaft damit befasst, steht hinter dem Begriff eine Kost, die vor allem nährstoffreich und gesund sein soll. Es darf schon Fleisch sein, Lebensmittel mit relativ wenig Nährstoffgehalt vermeiden aber Menschen, die sich dieser Küchen-Ideologie gemäß ernähren. Sie meiden Getreide, Hülsenfrüchte, Zucker und Milchprodukte. Und trotzdem gibt es leckere Kreationen wie Pulled Pork in der Süßkartoffel-Waffel aus geschmortem Schweinefleisch mit Apfel- Coleslaw, Barbecue- Sauce und Guacamole - ein Gericht von Melina Lehr. Die Crossfit-Trainerin hat schon vor längerer Zeit auf "paleo" umgestellt und war, wie sie sagt, "genervt, weil es so etwas nirgendwo gab". Also gründete sie "The Cave". Ob den Steinzeitmenschen ein Schokoladen- Blaubeer-Cupcake mit Schokoladen-Meringue-Frosting wohl geschmeckt hätte? Man darf es annehmen.

Infos: www.thecavemunich.de

© SZ.de/ahem

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