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Flussbad in der Isar:Treib gut!

Die "Kalvebod Waves" sind ein beliebtes Hafenbad in Kopenhagen.

(Foto: Henning Stuben)
  • Die CSU-Fraktion im Rathaus hat eine Machbarkeitsstudie für ein Isarbad in der Innenstadt gefordert.
  • Der Verein "Isarlust" fordert das seit geraumer Zeit und hat deshalb am Donnerstag eine Runde Experten einfliegen lassen - aus Zürich, Berlin, Kopenhagen und sogar New York.
  • Josef Schmid (CSU) könne sich ein Flussbad auf Höhe des Deutschen Museums gut vorstellen, bei dem nicht einmal Eintritt verlangt werden müsste.

Von Thomas Anlauf

Josef Schmid kann sich genüsslich zurücklehnen. Am Donnerstagabend fläzt der CSU-Politiker in einem hölzernen Liegestuhl am Kulturstrand, eine Flasche dunkler Brause in der Hand und hört sich Geschichten über Fluss- und Seebäder an. Einige klingen visionär oder fast versponnen, andere, wie die aus Zürich, so selbstverständlich, dass Schmid sich später fragt: Warum hat München eigentlich noch kein Flussbad?

Der zweite Bürgermeister kann an diesem Abend deshalb so entspannt sein, weil seine CSU-Fraktion zwei Tage zuvor eine Machbarkeitsstudie für ein Isarbad in der Innenstadt gefordert hatte. Die Münchner CSU - die mit dem neuen urbanen Lebensgefühl. Und Schmid wird an diesem Abend sogar liebevoll als "unser Isar-Bürgermeister" bezeichnet.

Flussbäder gibt es bereits in Zürich, Berlin und New York

Dabei ist die Idee eines Flussbades in der Isar keineswegs neu. Der Verein "Isarlust" fordert das seit geraumer Zeit und hat deshalb am Donnerstag eine Runde Experten einfliegen lassen - aus Zürich, Berlin, Kopenhagen und sogar New York. Patrick Müller, Flussbäderchef der Stadt Zürich, ermunterte Münchens Stadträte, es den Schweizern nachzutun. Insbesondere der Isar-Abschnitt auf Höhe des Deutschen Museums biete "eine optimale Voraussetzung" für ein Flussbad.

In Zürich haben Flussbäder eine lange Tradition. Die größte Stadt der Schweiz hat zwölf See- und Freibäder, sieben Hallenbäder und fünf Flussbäder. Die "Badis", wie die Zürcher ihre Bäder nennen, stünden für ein besonderes Lebensgefühl in der Stadt. Jedes Flussbad habe seinen eigenen Charakter, es gibt ein Frauenbad im Jugendstil mit Blick aufs Großmünster und ein Männerbad aus dem Jahr 1864. Mit dem "Badi" am Oberen Letten sei sogar aus einem "Unort eine Oase in der Stadt" geschaffen worden, sagt Müller. Wo sich einst die Zürcher Drogenszene aufhielt, genießen heute täglich Tausende den Fluss. Umfragen ergeben, dass Schwimmen die am häufigste betriebene Sportart in der Stadt sei. 47 Prozent der Zürcher gehen mindestens ein Mal pro Woche schwimmen.

Schwimmer in Kopenhagen könne man "kaum noch stoppen"

Auch in Kopenhagen hat die Stadtverwaltung gute Erfahrung mit Naturbädern gemacht. 2003 wurde im Hafen ein erstes Bad eröffnet, es wurde schnell zur Attraktion. Wie in Zürich ist der Eintritt kostenlos, bei Baukosten von lediglich 650 000 Euro kein Problem. Vor zwei Jahren entstanden am anderen Hafenufer die "Kalvebod Waves", eine Art Uferpromenade zum Laufen, Kajakfahren oder Sonnen. Auch wenn die Konstruktion eigentlich gar nicht als Badegelände gedacht gewesen sei, "schwimmen die meisten Besucher im Hafen", sagt Lars Hjorth Baerentzen von der Danish Foundation for Culture and Sport Facilities. Früher war das mal ein tristes Industriegelände. Aber heute könne man die Schwimmer "kaum noch stoppen", sagt Baerentzen.

Davon kann Archie Lee Coates IV nur träumen. "New York City ist umgeben von Wasser, aber man kann darin nicht baden", sagt er. Hudson und East River sind schlicht zu dreckig. Vor fünf Jahren startete er mit einem kleinen Team ein ziemlich verrückt klingendes Projekt: Vier jeweils 50 Meter lange Becken, die im East River schwimmen sollen, fungieren nicht nur als Swimmingpools, sondern gleichzeitig als Filteranlagen. Denn die Pools sollen mit gereinigtem Flusswasser gespeist werden. Mittlerweile sind die Tüftler bereits über die Testphase für das +pool-Projekt hinaus. Es funktioniert. Spätestens im Jahr 2018 soll das Flussbad in Form eines riesigen Plus eröffnet werden.

Ein Flussbad von 850 Metern Länge in Berlin

Der Berliner Architekt Tim Edler hat mit der Spree ähnliche Probleme zu lösen. Mit seinem Verein "Flussbad Berlin" und einer vier Millionen Euro starken Unterstützung von Bund und Stadt Berlin will er ein Großprojekt in Gang setzen: Die Kleine Spree soll auf Höhe des Auswärtigen Amts eine Filteranlage erhalten, dahinter könnte auf 850 Metern Länge ein Flussbad entstehen. Der Schwimmbadbereich würde lediglich aus zwei Freitreppen am Lustgarten bestehen, der Eintritt wäre kostenlos.

Die vier Beispiele beeindrucken Josef Schmid sichtlich. "So ein Flussbad geht ja offenbar relativ billig her", sagt er später in einer Podiumsdiskussion. Man müsste keine Becken bauen, bräuchte kein Chlor. Er könne sich ein Flussbad auf Höhe des Deutschen Museums gut vorstellen, bei dem nicht einmal Eintritt verlangt werden müsste. Dabei gehe es mit Sicherheit nicht darum, an der Isar "den nächsten Ballermann zu etablieren" und verspricht "ganz viel Bürgerbeteiligung" bei der Planung. Der Kopenhagener Bäderbauer Baerentzen ist überzeugt davon, dass ein Flussbad in München "ein Erfolg wird: Ihr solltet einfach eines bauen". Und Tim Edler meint: "Es wäre eine Sünde, wenn Ihr daran nicht weiter arbeitet." Schmid nickt, grinst und verspricht, bei der Münchner Flussbad-Eröffnung den Bademeister zu spielen.

© SZ vom 11.07.2015/lime

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