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Schwimmen in der Isar:Pack das Badeverbot ein

BIG JUMP Badeaktion in der Isar in München 2014

Protest gegen das Badeverbot in der Isar: Nun könnte es bald gelockert werden.

(Foto: Florian Peljak)

Baden in der Isar? Nicht ganz ungefährlich. Trotzdem will der Stadtrat den Fluss für Schwimmer, Kanuten und Surfer bald freigeben. Vorher muss aber noch geklärt werden, wer haftet, wenn doch einmal etwas passiert.

Von Thomas Anlauf

Das strikte Badeverbot in der innerstädtischen Isar könnte bereits im kommenden Jahr deutlich gelockert werden. Der Münchner Stadtrat soll in seiner letzten Vollversammlung vor der Sommerpause am Mittwoch beschließen, ein Rechtsgutachten erstellen zu lassen, das eine Liberalisierung der Münchner Badeverordnung zur Folge haben soll.

Bislang scheitert eine Badeerlaubnis zwischen Reichenbach- und Max-Joseph-Brücke vor allem an der Haftungsfrage: Die Versicherung der Stadt will nämlich im renaturierten Bereich des Flusses bei Unfällen nicht zahlen, weil die Isar dort "von Menschenhand zurückgebaut wurde", wie Umweltreferent Joachim Lorenz betont. Das 119 000 Euro teure Rechtsgutachten soll eine Verhandlungsbasis mit der Versicherung sein. Lorenz hofft, dass bis Ende Mai 2015, wenn er in Ruhestand geht, die Badeverordnung gelockert werden kann. "Das habe ich mir von meinen Mitarbeitern zum Abschied gewünscht", sagt der Grünen-Politiker.

Kanuten hoffen auf Lockerung des Verbots

Die Badeverordnung stammt noch aus dem Jahr 1976 und sieht ein generelles Badeverbot "außerhalb der Badeanstalten in fließenden oberirdischen Gewässern" der Stadt vor. Ausgenommen sind mehrere Abschnitte am Ostufer der Isar vor allem im Süden der Stadt. Seit einigen Jahren fordern Stadträte, aber auch Vereine wie Isarlust oder Isarallianz eine Lockerung der strikten Bestimmungen. Dazu zählt auch das Verbot, nördlich der Thalkirchner Brücke mit dem Kanu auf der Isar unterwegs zu sein.

Rolf Renner, Sprecher der Isarallianz und zugleich Ressortleiter beim Bayerischen Kanu-Verband, wünscht sich die Freigabe der Isar für ausgebildete Kanuten zumindest bis zur Kleinen Isar nördlich der Reichenbachbrücke. "Man kann nicht jeden die Isar hinunterfahren lassen", räumt Renner ein. Denn man müsse schon die Strömungen und die Problemstellen des Flusses lesen können. Allerdings seien "die Schwierigkeiten in der Isar durch die Renaturierung geringer geworden", sagte er am Donnerstagabend bei einer Podiumsdiskussion des Vereins Isarlust. Renner plädiert für eine Art Erlaubnisschein zum Befahren der städtischen Isar, den nur diejenigen erhalten sollen, die sich im Kanu sicher fortbewegen können. Umweltreferent Lorenz hält das allerdings für nicht praktikabel: "Das müsste dauerhaft überwacht werden, und ich kann mir nicht vorstellen, wie das zu machen ist."

Ähnlich utopisch sei es, städtische Bademeister abzustellen, um über die Badenden an der innerstädtischen Isar zu wachen. "Dazu wären die Stadtwerke nie und nimmer bereit, weil es nicht kontrollierbar ist und sich die Isar tagtäglich verändert", so Lorenz. Benjamin David, Vorsitzender des Vereins Isarlust und der Urbanauten, kann sich jedoch vorstellen, dass Ehrenamtliche die Arbeit am Flussufer übernehmen könnten. Die Urbanauten hatten am vergangenen Sonntag Retter der Wasserwacht dafür gewinnen können, bei einer genehmigten dreistündigen Aktion in dem eigentlich zum Baden gesperrten Bereich nördlich der Reichenbachbrücke als Bademeister zu fungieren.

Surfer wollen Isarwelle nutzen

Auch die etwa 2000 Münchner Flusssurfer haben Wünsche an die Stadt. Nachdem das Eisbachsurfen mittlerweile von der Stadt legalisiert worden ist - sie hatte vor einigen Jahren einen Grundstückstausch mit dem Freistaat gemacht und so die Haftung über den Bereich der Eisbachwelle am Haus der Kunst übernommen - wollen die Surfer nun auch auf der Isar eine Welle reiten.

Wolfrik Fischer, Sprecher der Interessengemeinschaft Surfen in München (IGSM), hat die Vision von einer Isarwelle an der Wittelsbacherbrücke, die allerdings nur von erfahrenen Surfern benutzt werden soll. Denn das Hauptproblem an der Isar sei generell, dass viele Menschen den Fluss unterschätzen. "Man muss die Menschen erst mal an die Isar hinführen", so Fischer. Für die Wittelsbacher-Welle müsste zunächst eine Machbarkeitsstudie erstellt werden, um zu sehen, ob der Einbau eines Hindernisses im Flussbett überhaupt sinnvoll ist.

Isarallianz-Sprecher Renner fordert von den Isarnutzern insgesamt mehr Eigenverantwortung ein. "Ich würde mir von der Stadt und der Versicherung mehr Toleranz erwarten", so Renner. Die Menschen müssten wieder lernen, besser auf sich selbst aufzupassen. Dafür plädiert auch Umweltreferent Lorenz, er räumt jedoch ein, dass die Stadt an der Isar "für 1,4 Millionen Münchner zuständig" sei. Und so lange Menschen die Stadt verklagen, sobald ihnen etwas in der Natur zustoße, müsse es eben Badeverbote geben, so Lorenz.

© SZ vom 26.07.2014/cmy
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