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Filmkunsttipp:Martin Margiela - Mythos der Mode

Mode in Museen auszustellen stieß vor einigen Jahren noch auf Unverständnis und galt als avantgardistisch. Martin Margiela machte es anders als seine Kollegen in der Fashionwelt und galt schon bald mit seinem Label als Erneuerer und Visionär.

Von Josef Grübl

Als das Münchner Haus der Kunst vor zehn Jahren Martin Margiela eine Ausstellung widmete, erschien das Konzept, Mode im Museum zu zeigen, ungewohnt: Einige Besucher waren dann auch irritiert ob der ausgestellten Stücke, die zwar anders aussahen als in Bekleidungsgeschäften, aber trotzdem eindeutig als Kleider, Jacken oder Stiefel zu identifizieren waren. Ein aus Soldatensocken zusammengestückelter Pullover? Ein Daunendeckenmantel? Oder eine Bluse aus alten Damenhandschuhen? Das war avantgardistisch und dekonstruktivistisch - und seiner Zeit nicht nur im Museum voraus, wo Modeausstellungen heute regelmäßig für volle Häuser sorgen, siehe Jean-Paul Gaultier, siehe Thierry Mugler. Der Belgier Margiela gründete 1988 gemeinsam mit Jenny Meirens das Label Maison Martin Margiela und machte von Beginn an vieles anders als seine Kollegen; schon bald galt er als Erneuerer und Visionär der Fashionwelt. Seine Entwürfe gingen an die Grenze des Tragbaren, er stülpte das Innere nach außen, an vier von außen sichtbaren Fadenstichen kann man die Kleidungsstücke erkennen.

Margiela zeigte sich nie öffentlich, im Jahr 2009 zog er sich aus seinem Unternehmen zurück. Der Münchner Reiner Holzemer (der zuletzt einen Film über Dries Van Noten machte) konnte ihn trotzdem vor die Kamera locken, gleichzeitig respektiert er dessen Wunsch nach Anonymität. In der sehenswerten Doku Martin Margiela - Mythos der Mode sieht man seine Hände und hört seine Stimme, der Rest ist Imagination. Ob er denn in Sachen Mode alles gesagt habe, wird der Designer am Ende gefragt. Seine Antwort: "Nein."

Martin Margiela - Mythos der Mode, D 2019, Regie: Reiner Holzemer

© SZ vom 14.10.2020

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