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Film über Fans des TSV 1860 München:"Es konnte kein Happy-End geben"

Der TSV 1860 kommt ins Kino: Fan Hubert Pöllmann hat ein Männerdrama über Fußball, Frauen und das ganz besondere Lebensgefühl der Löwen gedreht.

Anna Fischhaber

Die Frau weg, der TSV 1860 vor der Pleite - das Leben von Hubert Pöllmann war schon einfacher. Doch als Sechzig-Fan ist er Niederlagen gewöhnt. Und so hat er statt zu verzweifeln einen neuen Spielfilm gedreht - seinen inzwischen sechsten. In "Männer am Wochenende. Von Frauen und Löwen" hat er seine Krise fiktional verarbeitet, mit sich selbst in der Hauptrolle. Reality-Kino könnte man das auch nennen. Mit seinen vielen Laiendarstellern wirkt der Film bisweilen ein wenig holprig und doch ist er immer ganz nah dran am Lebensgefühl eines echten Blauen.

sueddeutsche.de: Herr Pöllmann, Stadionbesuch oder ein Nachmittag mit der Frau, was ist wichtiger?

Hubert Pöllmann: Echte Löwenfans führen nur eine Beziehung, die zu ihrem Verein. Für sie sind die Wochenenden immer ausgelastet, das geht Freitagnachmittag los und endet dann Sonntagnacht irgendwo vor dem Fernseher. Als Blauer bist du 24 Stunden am Tag Löwe und musst dich fast gewaltsam ablenken, dass du noch zu etwas anderem kommst. Zum Arbeiten zum Beispiel. Oder eben dazu, einen Nachmittag mit einer Frau zu verbringen.

sueddeutsche.de: Der Film ist teilweise autobiografisch - wie kam es dazu?

Pöllmann: Nach meiner Scheidung wollte ich eigentlich einen Film über Frauen drehen. Aber dann ist mir Münchens große Liebe dazwischen gekommen, der TSV 1860 und seine fürchterliche Existenzkrise. Jetzt geht es um Frauen und Fußball. Weil: Jeden Konflikt kann man in zehn Minuten so weit treiben, dass nur noch die Scheidung möglich ist.

sueddeutsche.de: In ihrem Film hat man das Gefühl, das Leben eines Blauen ist trist: Die Frau will ihn verlassen, der Bruder ist ein Messie. Sind Löwenfans so?

Pöllmann: Ich sehe "Männer am Wochenende" als Durchhaltefilm: Der Mann ist Löwenfan, er ist Kummer gewöhnt. Viele Löwenfans, die ich kennengelernt habe, haben schlecht bezahlte Aushilfsjobs, aber sie lassen sich nicht hängen. Und das vermittelt der Film: Auch wenn es mir scheiße geht, gebe ich nicht auf. Der Protagonist weiß, es gibt immer für alles einen Ausweg. Und wenn das der Umzug in die versiffte Wohnung vom Messie-Bruder ist.

sueddeutsche.de: Waren einige Anhänger des TSV 1860 nicht trotzdem sauer, dass der Protagonist so eine gescheiterte Existenz ist?

Pöllmann: Wieso sollten sie? Sie kommen ja nicht schlecht weg. In erster Linie habe ich meine eigene Geschichte erzählt. Natürlich habe ich für die Szenen im Fanblock gezielt nach Blauen gesucht und die waren zunächst sehr misstrauisch, weil sie mich nicht kannten. Bei der Premiere waren sie dann alle da, die kritischen Löwenfans. Die ganze Fanprominenz. Und sie alle haben mir bestätigt, dass der Film ein Lebensgefühl ausdrückt.

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