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Fettes Brot in München:"Rap ist nicht zum Lachen"

extra 31.10.

"Wenn ich eine Party schmeiße, kannste kommen. Die ander'n Gäste gibt es gar nicht, strenggenommen": Fettes Brot.

Krawallig und tanzbar, aber letztlich nur Krach-Pop: Fettes Brot spielen bei ihrem Auftritt in München viele Songs von ihrem neuem Album "3 Is Ne Party", zu viele. Doch sie stehen auch zu ihrem Frühwerk und liefern eine mitreißende Show. Trotzdem wäre man zum Konzert besser eine halbe Stunde zu spät gekommen.

Es gibt Konzerte, zu denen sollte man zu spät kommen. Wer pünktlich ist, muss möglicherweise Folgendes ertragen: Ein Großteil der Bühne ist mit schwarzem Tuch abgehängt, davor steht ein DJ-Pult, umgeben von zwei neonfarbenen Lavalampen. Der Typ, der in diesem Szenario vor sich hinrappt, trägt blaue Bermuda-Shorts und ein rosa Shirt über der mühsam verborgenen Plauze. Er spielt Songs, die "Whatsapper", "#Geilon" oder "Roflcopter" heißen. Und die schon im Titel andeuten, warum man besser eine halbe Stunde später gekommen wäre.

Dann nämlich hätte man MC Fitti verpasst - eine Art Möchtegern-J.B.O. ("Wir sind die Champignons") des deutschen HipHop. Für Fettes Brot dagegen wäre man gerade rechtzeitig im Münchner Zenith eingetroffen.

Texte zwischen musikalischer Fassade und ironischer Erzählung

Bei den Konzerten einer der mittlerweile dienstältesten deutschen Hip-Hop-Bands geht es hauptsächlich um Ironie. Das wird bei Fettes Brot in der Regel schon mit dem ersten Song klar: "Wackelige Angelegenheit", heißt er dieses Mal. Ein Lied über Menschen, die sich mit, nun ja, ihren eigenen kleinen Unzulänglichkeiten oder Pechsträhnen arrangieren müssen. Ehe das dann nahtlos in "Kannste kommen" übergeht, die Geschichte einer nicht existenten Party, die als Vorwand für eine Verabredung herhalten muss: "Wenn ich eine Party schmeiße, kannste kommen. Die ander'n Gäste gibt es gar nicht, strenggenommen."

Texte irgendwo zwischen musikalischer Fassade und ironischer Erzählung. Wie damals, 1998, als die Konzerte noch mit den Worten "Hey Fans! Autogramme gibt's später!" und dem Lied "Können diese Augen lügen?" begannen. Oder 2005, als die Hamburger auf einer stockfinsteren Bühne starteten und in die Dunkelheit die ersten Zeilen von "Wie immer" brüllten, ehe die Scheinwerfer angingen: "Was, du willst heute nicht kommen? Erzähl' davon später bloß nichts deinen Kindern!"

Beide Songs haben es nicht mehr ins aktuelle Repertoire geschafft. Wohl auch, weil bei einem Portfolio von mittlerweile deutlich mehr als hundert Titeln jede neue Tour immer mehr zum Promo-Vehikel für das aktuelle Album wird - und überwiegend die Lieder von diesem auszustellen hat.

So ist es schade, dass die eigentlich großartig ausgewogene Dramaturgie ausgerechnet hier ins Stocken gerät. Etwas arg banale Party-Songs wie "Toten Manns Disco", "Josephine #Schreibaby" oder "Dynamit & Farben" sorgen für seltene Durchhänger. Sie sind zu sehr austauschbarer Krach-Pop, zwar krawallig und tanzbar, aber das Konzert verträgt nicht mehrere von ihnen in Folge. Doch offenbar wollten die Brote jedes Stück des aktuellen Albums "3 Is Ne Party" irgendwie in der Show unterbringen.