Fernkälteprojekt mit Isarwasser Flussgekühlte Büroräume

Bei der sommerlichen Hitze mal eben in die erfrischend kühle Isar springen, davon träumt so mancher Büroarbeiter. Im Rahmen eines neuen Projekts soll das kalte Flusswasser nun auch in die Münchner Altstadt geleitet werden - und Klimaanlagen überflüssig machen.

Von Michael Tibudd

Die Stadtwerke (SWM) wollen in Zukunft weite Teile der Altstadt mit Fernkälte versorgen. Diese soll insbesondere zur Kühlung von Büro- und Geschäftshäusern dienen, um so den hohen Strombedarf zu vermeiden, den Klimaanlagen mit sich bringen. Die SWM zapfen dafür den Stadtbach an, der unterhalb der Sonnenstraße und des Stachus fließt und kaltes Wasser aus der Isar führt.

Isar-Klimaanlage: Die umweltfreundliche Kühltechnik soll zunächst in der Hofstatt eingesetzt werden.

(Foto: Robert Haas)

Durch das Fernkälte-System sollen die Immobilien auf eigene Klimaanlagen verzichten und somit ihren Platz anderweitig nutzen können. Erster Großabnehmer ist die Hofstatt, das Büro-, Einkaufs- und Wohnareal auf dem früheren Gelände der Süddeutschen Zeitung.

Die Nachfrage nach Kälte ist enorm gestiegen", sagt Stephan Schwarz, Technischer Geschäftsführer der SWM. Gekühlte Räume im Sommer sind heutzutage Standard in Einkaufs- und Büroräumen, weswegen der Strombedarf heute im Sommer 20 Prozent über dem im Winter liegt. Die Entscheidung, speziell für die Hofstatt als Hauptnutzer eine Fernkälte-Versorgung aufzubauen, fiel dabei schon vor vier Jahren. Damals überprüften die Stadtwerke gerade die Gegebenheiten am Stachus, dessen Untergeschoss vor der Erneuerung stand.

Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) als Investor entwickelte zu der Zeit das Konzept für die Gebäudetechnik der Hofstatt. Die LBBW verzichtete schließlich auf den Bau einer eigenen Kälteversorgung und sicherte den Stadtwerken die Abnahme von Kälte zu - woraufhin die Stadtwerke mit dem Bau des Netzes begannen.

Das Ergebnis besteht nun aus mehreren Teilen: Am Stachus gibt es eine Art Kältezentrale. Hier wird dem Stadtbach über Wärmetauscher Kälte entnommen. Das Wasser des Bachs umfließt dabei einen getrennten Wasserkreislauf der Stadtwerke, der dadurch abgekühlt wird. Über eine Leitung wird dieses Wasser bis zur Hofstatt am Beginn der Sendlinger Straße transportiert.

Im dortigen Komplex wiederum wartet ein weiterer Wärmetauscher, der die Kälte aus dem SWM-Kreislauf entzieht und damit die Leitungen der Hofstatt-Gebäude kühlt. Das SWM-Wasser fließt wieder zurück zum Stachus und wird dort vom Stadtbach erneut abgekühlt.

Die Stadtwerke sehen diese "Fernkälte-Insel" lediglich als Auftakt einer größerflächigen Versorgung der Altstadt mit Fernkälte. "Wir suchen nach weiteren Abnehmern und weiterem Kälte-Potenzial", sagt Technik-Chef Schwarz. Neben der Hofstatt als Hauptabnehmer seien aber auch jetzt schon mehrere kleinere Kunden ans Kältenetz angeschlossen - im Moment könne die Nachfrage gar nicht bedient werden.

Auch deswegen schwebt Schwarz ein "Kältering innerhalb des Altstadtrings" vor. Auch im Schlachthofviertel, wo der Kühlbedarf hoch ist, sieht er Potenzial. SWM-Techniker untersuchen deswegen, wo in der Stadt geeignete Kältequellen sind und wie sich Leitungen verlegen ließen. Ein Großabnehmer im Münchner Norden indes bezieht schon seit acht Jahren Kälte nach genau diesem Prinzip - Das Forschungs- und Innovationszentrum FIZ von BMW wird aus Grundwasser gekühlt.

Warum ein Fernkälte-Anschluss aus Sicht des Kunden interessant ist, erklärt Alexander Kurbasik, Projektleiter für die Hofstatt bei der LBBW. "Wir sparen uns viel aufwendige Klimatechnik", sagt Kurbasik. Das sei zum einen umweltfreundlich, zum anderen aber auch wirtschaftlich, weil sich der Platz in dieser teuren Lage somit anders nutzen lasse als mit Kühlanlagen. So habe man auf einer Dachfläche, die üblicherweise für Rückkühler von Klimaanlagen gebraucht werden ("die sind laut und hässlich") nun einen gläsernen Konferenzraum mit Blick über die Altstadt bauen können.

Knapp die Hälfte der acht Megawatt Kälteleistung der Anlage am Stachus ist nun für die Hofstatt vorgesehen, wenn diese im Frühjahr 2013 fertig wird, die anderen vier Megawatt verteilen sich auf kleinere Annehmer. Insgesamt sollen sich so in der Innenstadt 1000 Tonnen CO2 im Jahr sparen lassen.