Feiern am Isarstrand:Saubären am Isarufer

Aber sind die Zustände an der Isar wirklich so dramatisch, wie es nun auch in einer Online-Petition heißt? "Wir sehen eine erhebliche Gefahr für dieses Schutzgebiet und wunderschöne Stück Natur mitten in unserer Stadt", schreiben die Initiatoren. Denn "Vermüllung und Rücksichtslosigkeit" nähmen immer mehr zu. Knapp 220 Münchner haben in den vergangenen Tagen die Online-Petition der SPD Harlaching unterzeichnet. Nicht gerade viel, angesichts Zehntausender Menschen, die an sonnigen Wochenenden die Isarufer in München bevölkern.

Wie viele es genau sind, weiß auch Peter Schaller nicht zu sagen. Der Abteilungsleiter für Wasserbau im städtischen Baureferat ist am Mittwochfrüh an den Flaucher gekommen und betrachtet die nächtlichen Hinterlassenschaften am Kiesstrand. "Ein paar Wenige verderben das Bild", sagt er. Die große Mehrheit der Münchner nehme den Müll wieder mit nach Hause oder werfe ihn in einen der 80 Gitterboxen oder die großen Container. "Dieses Angebot wird sehr gut angenommen", teilt auch die Pressestelle des Baureferats mit. Den sommerlichen Ansturm der Münchner "verträgt die Isar als Fluss und als Ökosystem" - wenn man die Belastung über das Jahr verteilt betrachte, sagt Schaller.

Dilemma um den Naturschutz

Er gebe Oberbürgermeister Reiter natürlich Recht, an die Vernunft der Menschen zu appellieren, keinen Müll zu hinterlassen. Aber er sei auch zuversichtlich, dass sich die Situation am Flaucher verbessern werde. Dafür sei bereits das Personal aufgestockt worden, das die Feiernden vor allem aufklären soll. In diesen Tagen werden auch weitere Schilder aufgestellt, damit auch wirklich jeder kapiert, dass Lagerfeuer auch in Grillzonen verboten sind. Die Müllproblematik sieht Schaller nicht als "neue Situation". Durch den extrem heißen und sonnigen Sommer seien eben auch mehr Menschen am Fluss. Für den Ingenieur ist die renaturierte Isar deshalb vor allem "ein Erfolgsmodell", gerade weil sie von so vielen Münchnern als Freizeitgelände angenommen wird.

Genau das ist das Dilemma. Die naturnah umgestaltete Isar wird von den Münchnern so sehr geliebt, dass die einen am liebsten Tag und Nacht dort verbringen würden. Die anderen sehen in dem Fluss ein äußerst schützenswertes Biotop, das möglichst in Ruhe gelassen werden sollte. Das ist auch tatsächlich für Teile der sogenannten Inneren Isar auf Höhe des Deutschen Museums so gedacht. Als das Baureferat vor einigen Monaten dort Gehölze auslichtete, protestierten Naturschützer, weil sie befürchteten, dass der dort ansässige Biber vertrieben worden sei - was natürlich nicht der Fall war.

Das Gebiet zwischen Flaucher und Großhesseloher Brücke hingegen ist extra als Grillzone ausgewiesen. "Man müsste überlegen, ob man das Grillen dort generell verbieten sollte", sagt Michael B., der nahe der Brudermühlbrücke wohnt und das sommerliche Spektakel an der Isar fast täglich mitbekommt. "Vielleicht ist das aber auch nur eine Modeerscheinung." Neu ist das Müllthema wahrlich nicht. Seit vielen Jahren ist der Flaucher als Grill- und Partyzone beliebt. Relativ neu ist hingegen die Wut, die sich nun an den "Saubären" entzündet hat.

Ein Schild an der Isar, das mit dem Spruch "Scherben bringen nix! Strandmüll tut weh!" für ein sauberes Flussufer wirbt, hat ein Unbekannter mit einem Kommentar versehen: "Stimmt, Ignoranz nervt, aber sie sagen auch, dass Eure Wut nichts bringt." Aber den Müll am Kiesstrand selbst aufzuräumen, würde wenigstens gegen die Wut helfen.

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