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Fasangarten:"Quengeln ist kein Freiheitskampf"

Der Kampf gegen erklärte Feinde ist oft leichter als der gegen falsche Freunde. Vermutlich waren vergleichbare Sorgen im Spiel, die dazu führten, dass es am Sonntag vor dem Friedhof am Perlacher Forst zur Demonstration von "Querdenken 089" eine Gegendemonstration gab. Etwa 30 Bürgerinnen und Bürger protestierten auf diese Weise gegen eine Vereinnahmung der Widerstandsbewegung "Weiße Rose" durch die Corona-Leugner. Laut Mitteilung des SPD-Ortsvereins Obergiesing-Fasangarten hatten die sogenannten Querdenker eine Kundgebung mit 300 Personen angemeldet, die die Behörden auf 100 Teilnehmende beschränkten. Anwesend waren schließlich etwa 25 "Querdenker". Sie hielten nach Angaben der SPD eine Lesung aus dem Buch "Die sanfte Gewalt - Erinnerungen an Inge Aicher-Scholl" und erklärten in Reden ihre Selbstidentifikation mit den Mitgliedern der Weißen Rose um Hans und Sophie Scholl, die auf dem Friedhof begraben liegen. Die Gegendemonstranten sollen ihrerseits ihren Protest mit Plakaten bekundet haben, auf denen Texte standen wie "Geschmacklos", "Naziopfer nicht vereinnahmen" oder "Quengeln ist kein Freiheitskampf". Unter den Protestierenden waren sowohl Mitglieder von SPD und Jusos, Bündnis 90/Die Grünen als auch weitere Bürgerinnen und Bürger.

Die Weiße Rose war die Widerstandsgruppe gegen das NS-Regime um die Geschwister Scholl und Christoph Probst, die 1942/1943 Flugblätter gegen die nationalsozialistische Diktatur verteilten und am 22. Februar 1943 deswegen in Stadelheim hingerichtet wurden.

© SZ vom 03.11.2020 / gru
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