bedeckt München 23°
vgwortpixel

Fasangarten:Angst vor der Autolawine

Geparkt wird schon: Die Bewohner befürchten, dass der Verkehr zunehmen wird, sobald die Europäische Schule den Betrieb aufnimmt.

(Foto: Robert Haas)

Die Bürgerinitiative Amisiedlung pocht darauf, dass der Erweiterungsbau der Europäischen Schule im Perlacher Forst die Verkehrsprobleme im Viertel nicht weiter verschärft, sondern nur vom Norden aus erschlossen wird

So richtig anfreunden konnte sich die Bürgerinitiative (BI) Amisiedlung eigentlich nie mit dem Erweiterungsbau der Europäischen Schule München (ESM) im Perlacher Forst. Außer negativen Begleiterscheinungen hätten die Bewohner nichts von dem Projekt zu erwarten, hieß es bereits vor Beginn der Bauarbeiten. In dieser Einschätzung sehen sich die Mitglieder der BI inzwischen offenbar bestätigt. Zumindest liest sich so der offene Brief, den sie jetzt an Eltern, Lehrer und Leitung der ESM gerichtet haben.

Nach rund zehn Jahren Planung und Bau sei es nun bald soweit, heißt es darin: Im September solle die Zweigstelle der Europäischen Schule München in der Siedlung am Perlacher Forst eröffnet werden. "Als Bewohner der Siedlung hatten wir von Anfang an Angst." Vor allem habe man sich Sorgen gemacht, wie viel mehr Verkehr durch die Siedlung mit ihrer reinen Wohnbebauung und der Tempo-30-Zone fließen würde. In vielen Gesprächsrunden, am runden Tisch, in Bürgerversammlungen, im Bezirksausschuss und im Rathaus hätten die BI-Mitglieder deshalb über eine Lösung des Verkehrsproblems diskutiert.

Im Ergebnis soll nun aller Verkehr zur und von der ESM, also Busse und private Pkw, aus dem Norden zur Schule geleitet werden. Der einzige Zuweg vom Norden verlaufe über die Lincolnstraße. Um diese Straße zu entlasten, hatten viele Bewohner der Amisiedlung den Durchstich der Herbert-Quandt-Straße von der Ständlerstraße zur Schule hin gefordert. Dieser Forderung habe der Stadtrat - nach vielen Gesprächen und Ortsterminen - stattgegeben. Sogar per Video-Botschaft sei dies im Internet verkündet worden. Die Realisierung dieser Forderung habe die Stadt dann aber auf unbestimmte Zeit verschoben.

Dazu heißt es in dem Schreiben der BI weiter: "Nun ist uns eher zufällig zu Ohren gekommen, dass wieder Gespräche gesucht werden, um den Verkehr zur und von der ESM-Zweigstelle zu organisieren. Das befremdet uns. Sollte denn die Verkehrsfrage nicht längst geklärt sein?" Um diesen Standpunkt zu untermauern, sind dem offenen Brief auch Auszüge des Planaufstellungsbeschlusses vom 14. Oktober 2009 sowie des Satzungsbeschlusses vom 17. Juni 2015 (Ausschuss für Stadtplanung und Bauordnung) beigefügt.

Laut BI ist somit seit fast zehn Jahren klar, dass die Amisiedlung weitgehend vom Zubringer-Verkehr der ESM verschont bleiben soll. Und von ihrer Warte aus zu Recht: Die Bewohner litten jetzt schon unter einem immer weiter anschwellenden motorisierten Individualverkehr. "Und sie haben auch wahrlich keinerlei Vorteile von der ESM. Für die Kinder der Siedlung ist Europa keine Hilfe." Denn die bräuchten dringend eine weiterführende Schule in der Nähe, doch die gebe es nicht. Mit der paradoxen Konsequenz, dass "unsere Kinder aus der Siedlung herausgefahren werden, während ESM-Kinder aus ganz München und Umgebung in die Siedlung hineinströmen".

Dass der gesamte von der ESM ausgelöste Verkehr - Schulbusse ebenso wie die Autos von Eltern, Lehrern oder Zulieferern - aus der Siedlung herausgehalten und deshalb ausschließlich von Norden her zur ESM geleitet werden soll, war ein zentrales Versprechen von Stadtverwaltung und Stadtrat. Es sei so auch in die Planungen zur ESM eingegangen. Deswegen verstehen die BI-Mitglieder nicht, welchen Diskussionsbedarf es in dieser Angelegenheit jetzt überhaupt geben könnte. "Sollten die Bürgerinnen und Bürger der Siedlung nicht erwarten können, dass Versprechen und Beschlüsse der Stadt gelten und dass sich auch die Nutzer der ESM daran halten?", wird in dem 0ffenen Brief abschließend gefragt.

Ganz so zufällig, wie in ihrem Schreiben behauptet, dürfte die BI Amisiedlung das Thema Verkehrserschließung der ESM aber nicht aufgegriffen haben. Tatsächlich gab es dazu am 29. Januar ein informelles Treffen, das die Elternvereinigung der ESM initiiert hatte. Dazu eingeladen waren nicht nur Elternbeiräte mehrerer Schulen und Kindergärten, Vertreter des Awo-Seniorenheims am Föhrenpark, des Bundes Naturschutz und des örtlichen Bezirksausschusses, sondern auch der Iwap (Interessengemeinschaft Wohnanlagen am Perlacher Forst und Tegernseer Landstraße) und der BI Amisiedlung.

Birgit Knoblach, Anwohnerin sowie Mitglied für die SPD im Bezirksausschuss, kam dabei eigenen Angaben zufolge einem Wunsch der ESM-Elternvereinigung nach und stellte die für das Treffen notwendigen Kontakte her. Dabei sei es den Vertretern der Europäischen Schule wichtig gewesen, sich bei den Bewohnern der Amisiedlung vorzustellen. Inhaltlich diente das Treffen dazu, sich über die künftige Organisation des Busverkehrs zur ESM auszutauschen - wobei zum jetzigen Zeitpunkt noch viele Fragen offen bleiben mussten.

Laut Knoblach wollten die Teilnehmer ungeklärte Fragen und Anregungen im Anschluss mit zurück in ihre jeweiligen Einrichtungen nehmen und dort beraten. Das Resümee, das nach dem Treffen gezogen wurde, ist bestenfalls also ein vorläufiges: Das größte Problem stelle die morgendliche Anfahrt zur Schule dar. Diese kollidiere mit dem morgendlichen Verkehr zu allen anderen Einrichtungen, die großteils über die Lincolnstraße angesteuert werden. Weiter verschärft werde die Situation durch den nahezu gleichzeitig einsetzenden Berufsverkehr. Verursacher sind zum einen Teil die Bewohner der Amisiedlung selbst, zum anderen Teil dränge immenser Ausweichverkehr von der A 995 in die Siedlung hinein. "Hierfür braucht es Lösungen", endet das Resümee.