Musikunterricht:Ein starkes Stück

Musikunterricht: Lukas Gfüllner und sein Lieblingsinstrument, die Tuba.

Lukas Gfüllner und sein Lieblingsinstrument, die Tuba.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Tuba ist das "Instrument des Jahres 2024". An der Kreismusikschule Erding ist der 16-jährige Lukas Gfüllner der einzige Schüler für das Instrument. Mit seinem Lehrer spielt er auch mal Jazz und Vivaldi.

Von Regina Bluhme, Erding

Lukas Gfüllner aus Pyramoos bei St. Wolfgang ist 16 Jahre alt und absolviert gerade eine Ausbildung zum Schreiner. Jeden Donnerstag gegen 17.30 Uhr setzt er sich einen schweren schwarzen Rucksack auf den Rücken. Dann geht es nach Dorfen zum Musikunterricht. Er spielt Tuba. An der Kreismusikschule Erding ist er derzeit der einzige. Das könnte sich ändern, denn dieses Jahr kommt die Tuba bundesweit groß raus. Sie wurde von den Landesmusikräten zum Instrument des Jahres 2024 gewählt. Zeit für einen Besuch bei Lukas und seinem Lehrer Gabriel Keogh.

Treffpunkt kurz vor 17.30 Uhr am Eingang der Grundschule Am Mühlanger. Gabriel Keogh bringt einen Trompetenschüler zur Tür und bittet dann Lukas herein. In dem bunt dekorierten Klassenzimmer stellt der 16-Jährige vorsichtig das beeindruckend große Instrument ab. Gabriel Keogh, begeisterter Musiker und in unterschiedlichsten Genres zuhause, unterrichtet an der Kreismusikschule Trompete, Horn, Posaune. Lukas ist derzeit sein einziger Schüler auf der Tuba. "Die Technik ist mehr oder weniger gleich", sagt Keogh. "Lippen, Luft und Körperhaltung", darauf komme es an. Bei der Tuba braucht man halt etwas mehr Luft.

Eine der ersten Übungen: Die Luft im Instrument in Schwingung zu bringen. Keogh holt seine Trompete und bläst ins Mundstück. Ohne einen der Knöpfe zu drücken, kommt ein Ton hervor. "Der Ton kommt von ganz allein und das ist eine gute Übung", sagt der versierte Musiklehrer, denn die Schüler sollen ein Gefühl von Leichtigkeit haben. Dann setzt Lukas an und bläst in die Tuba. Ein mächtiger, tiefer Klang erfüllt das Klassenzimmer.

Im Anschluss werden Tonleitern gespielt. Die tiefen Töne der Tuba wechseln sich ab mit dem hellen Klang der Trompete. Mit etwa zwölf oder 13 Jahren hat Lukas zum ersten Mal bei einem Schnuppertag der Blaskapelle Isen das Instrument kennengelernt. Die Tuba habe ihm gleich gefallen, sagt der 16-Jährige, "die Ausstrahlung, dass es so ein ruhiges, ein tragendes Instrument ist." Dabei ist er längst nicht nur auf Blasmusik festgelegt. Er spielt zum Beispiel auch sehr gerne Jazz.

Musikunterricht: Tubaspieler Lukas Gfüllner mit Lehrer Gabriel Keogh.

Tubaspieler Lukas Gfüllner mit Lehrer Gabriel Keogh.

(Foto: Renate Schmidt)
Musikunterricht: Lukas Gfüllner im Musikunterricht.

Lukas Gfüllner im Musikunterricht.

(Foto: Renate Schmidt)

Sogar Klassiker werden im Unterricht geübt. Vivaldi auf der Tuba? Aber klar, sagt Gabriel Keogh. Barockstücke für Blockflöte oder Oboe gebe es auch als Arrangement für die Tuba. "Wir können alles spielen", sagt Keogh. Und dann zeigen die beiden, wie Jazz mit Trompete und Tuba funktioniert. "Let's play", sagt Keogh und drückt auf die Musikanlage. Zu E-Bass und Schlagzeug spielt er dann auf der Trompete, er setzt ab und Lukas antwortet auf der Tuba. "Wir malen mit unseren Tönen wie mit Farben", hier wird improvisiert, "schaun wir mal was passiert". Ein herrlicher Dialog entspinnt sich zwischen Tuba und Trompete.

Die Tuba ist erst knapp 200 Jahre alt, also im Vergleich zu anderen Instrumenten sehr jung. Die Erfinder leiteten den Namen aus dem Lateinischen Wort "tubus" ab, das so viel wie "Röhre" bedeutet. Neben der mächtigen, ein paar Kilo schweren Tuba wirkt die Trompete fast zierlich. Das golden glänzende Instrument aus poliertem Messing macht wirklich was her.

Musikunterricht: Da ist Musik drin.

Da ist Musik drin.

(Foto: Renate Schmidt)
Musikunterricht: Beim Üben im Musikunterricht.

Beim Üben im Musikunterricht.

(Foto: Renate Schmidt)

Eine Tuba hat aber auch ihren Preis. Ab 1000 Euro bis zu über 20 000 Euro können zu Buche schlagen. Lukas Tuba ist Leihinstrument. Irgendwann will er sich vielleicht doch ein eigenes Instrument anschaffen, sagt er. Denn er hat durchaus Ehrgeiz. Beim Verband Bayerischer Musikschulen hat er bereits die D3-Prüfung abgelegt, "sozusagen die Bronzemedaille", wie Gabriel Keogh erklärt. Es warten noch D2 und D1, Silber und Gold, und die Prüfungen seien wirklich "nicht ohne". Lukas habe Talent, einen "echt guten Ton".

Er übe fast jeden Tag, erklärt der 16-Jährige. "Die Nachbarn wohnen günstig", sagt Lehrer Keogh und lacht. Lukas Gfüllers Eltern betreiben eine Landwirtschaft, die nächsten Nachbarn sind ein gutes Stück entfernt. So ist kein Ärger zu befürchten, dass es jemand zu laut werden würde. Er könnte doch mal den Tieren etwas vorspielen, schlägt Gabriel Keogh vor. Keine schlechte Idee, findet auch Lukas. Im Stall laufe ohnehin Volksmusik im Radio. Gabriel Keogh hat seine eigene Erfahrung mit musikalischen Kühen gemacht. Er habe einmal auf einer Wiese gespielt, "am Horizont irgendwo waren Kühe - die sind alle zu mir gekommen".

Noch führt die Tuba an der Kreismusikschule ein Nischendasein. Vielleicht ändert sich das jetzt im Jahr der Tuba. Anfang kommender Woche stellt sich bei Gabriel Keogh ein Achtjähriger vor, der sich für das Instrument interessiert. Und Lukas Gfüllner, der bei der Isener Kapelle inzwischen die Tuba spielt, konnte seinen Cousin für das Instrument begeistern, erzählt der 16-Jährige. "Er spielt jetzt auch Tuba. Cool."

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