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Hochwasserschutz für Erding:Fäulnisgase aus der Sempt

Sediment, Laub und Schmutz haben die Sempt so verdreckt, dass sie professionell gereinigt werden müsste, wie die Erdinger fordern. Doch die Stadt selbst kann nicht eingreifen, da sie vom Wasserwirtschaftsamt in München abhängig ist. Hier ein Blick von der Lukasmühle auf die Sempt.

(Foto: Renate Schmidt)

Schon seit langem fordern die Erdinger, dass die Sempt von Sediment und Schmutz befreit werden muss. Obwohl die Stadt und auch Experten auf eine Bachauskehr drängen, tut sich bisher kaum etwas.

Sechs Jahre sind vergangen, seit das verheerende Hochwasser Erding und den Landkreis heimgesucht hat. Sechs Jahre, in denen sich vieles im Bereich des Hochwasserschutzes verbessert hat - aber auch sechs Jahre, in denen sich an anderer Stelle nichts getan hat. Gerade im Bereich der Bachauskehr hinkt die Stadt noch immer hinterher.

"Es ist ein leidiges Thema", sagt Anton Bichlmeier, Bürgervertreter der Anrainer in Erding. Er wohnt seit 30 Jahren in Erding, direkt an der Sempt, direkt an der Stelle, an der früher der viel diskutierte Steg stand. Für ihn sei es nur schwer zu verstehen, warum zwar im Bereich des Hochwasserschutzes viel getan werde, der Fluss selbst aber vollkommen vernachlässigt werde. Durch das Anschwemmen von Sediment, Laub und Schmutz sei die Sempt mittlerweile völlig verschlammt, sagt Bichlmeier. Der Fluss müsse professionell gesäubert werden, fordert er. An manchen Stellen sei die Verschmutzung schon so weit fortgeschritten, dass Fäulnisgase aufsteigen würden. Zudem werde das Bachbett durch die Ablagerungen zunehmend flacher. Aus seiner Sicht könne der Zustand des Gewässers in keinem Sinne gut sein - weder für den Hochwasserschutz, noch für die Tiere, die in ihm leben.

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Das bestätigt auch Thomas Schreder. Er ist Umweltreferent der Stadt Erding und damit unter anderem auch zuständig für den Zustand der Sempt. Aus seiner Sicht trägt die zunehmende Verschlammung des Gewässers zur Artenminimierung bei. Doch da es sich bei der Sempt um ein Gewässer erster Ordnung handle, könne die Stadt selbst nicht eingreifen. Das Wasserwirtschaftsamt München, in dessen Zuständigkeit die Sempt fällt, handelt bisher allerdings nur sehr zögerlich. "Das Problem ist kompliziert", erklärt Schreder. Grundsätzlich vertrete das Wasserwirtschaftsamt die gängige Meinung, dass eine Bachauskehr ökologischen Gesichtspunkten widerspreche, da sie sich negativ auf die Arten und ihre Entwicklung auswirken würde.

Diese Auffassung sei auch durch wissenschaftliche Arbeiten gedeckt. Allerdings handelt es sich bei der Sempt um ein stehendes Gewässer mit viel Sediment. Sie sei daher nicht mit anderen Flüssen vergleichbar, auf denen aber die meisten existierenden Forschungen beruhen. Das Wasserwirtschaftsamt handle, so Schreder, zwar auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse, allerdings müsse die besondere Situation des Gewässers berücksichtigt werden. "Ich bin fest davon überzeugt, dass eine Bachauskehr eine große Aufwertung darstellt", meint Schreder. Ein anderer hemmender Aspekt sei zudem die Entschlammung an sich. Diese sei nicht mehr so einfach, "wie noch vor 20 Jahren". Heute müsste der Schlamm zunächst entnommen, dann getrocknet und auf potenziell schädliche Rückstände wie Schwermetalle untersucht werden. Je nachdem, wie die Ergebnisse dieser Analyse ausfallen würden, müsste man dann nach einem geeigneten Endlager suchen, so Schreder.

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Auch der Referent für Gewässer und Hochwasserschutz der Stadt Erding, Burghard Köppen, sieht das Vorgehen des Wasserwirtschaftsamtes kritisch. Bereits kurz nach dem Hochwasser vor sechs Jahren hätten die Münchner Maßnahmen für die Sempt versprochen - bisher sei jedoch noch nichts geschehen. Ihn ärgert besonders, dass sich das Wasserwirtschaftsamt offenbar mit der Gesamtsituation maßlos überfordert zeigt. So wäre den Münchnern bei den Berechnungen für den Hochwasserschutz im Gebiet um Wörth eine massive Fehlberechnung unterlaufen, bei der sie sich wohl um mehr als 500 000 Liter verrechnet hätten. Dies könne im Fall eines erneuten Hochwassers zu schweren Schäden führen, meint Köppen. Er führt die mangelhafte Kommunikation seitens des Wasserwirtschaftsamtes und die äußerst langwierige Arbeit an der Sempt unter anderem auf einen möglichen Personalmangel zurück. Zudem gibt er zu bedenken, dass die Führung des Amtes seit dem Hochwasser bereits drei Mal gewechselt habe. Seiner Auffassung nach hat die Stadt Erding aber nur relativ wenige Möglichkeiten, die Angelegenheiten zu beschleunigen.

"Die Sempt muss sauber gemacht werden. Es ist wie mit einer Küche"

"Uns ist klar, dass etwas passieren muss", sagt Christian Leeb, Leiter des Wasserwirtschaftsamts in München. Entgegen der öffentlichen Auffassung sei das Wasserwirtschaftsamt bereits mit der Bachauskehr beschäftigt, bisher aber nur im Bereich der Schwillach. Leeb begründet das Vorgehen damit, dass es keinen Sinn ergebe, im unteren Verlauf der Sempt anzufangen, weil sonst das bei einer Auskehr aufgewühlte Sediment aus den oberen Bereich wieder in den unteren fließe.

Allerdings räumt er an anderer Stelle auch Probleme ein. So wäre es sehr schwer, heute noch Bauern zu finden, die ihre Ackerflächen zum Trocknen des Schlamms zur Verfügung stellen würden, teils auch aus Sorge vor einer Belastung des Ackerbodens. Des Weiteren sei es teilweise schwierig, Unternehmen für solche Vorhaben zu finden. Leeb sagt, dass etwa im Bereich Dorfen eine Bachauskehr ausgeschrieben gewesen sei. Auf die Ausschreibung des Auftrags habe sich aber nicht ein einziger Interessent gemeldet. Auch seien solche Aktionen sehr kostspielig, weshalb die Finanzierung teilweise problematisch sei.

Ob Erklärungsversuche wie diese die Erdinger Bürger besänftigen können, bleibt abzuwarten. Für Anton Bichlmeier steht jedenfalls fest: "Die Sempt muss sauber gemacht werden. Es ist wie mit einer Küche", meint er. "Man weiß, dass sie wieder dreckig werden wird - deshalb muss man sie aber trotzdem sauber machen."