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CSU-Stammtisch Erding:Ärger über die verschlammte Sempt

Hochwasserschutz-Referent Burghard Köppen muss sich beim Frühschoppen kritischen Fragen stellen

Mit kritischen Nachfragen musste sich CSU-Stadtrat und Hochwasserschutzreferent Burkhard Köppen beim CSU-Frühschoppen am Sonntag auseinandersetzen. Seine Information, dass im Oktober in einer öffentlichen Stadtratssitzung das Hochwasserschutzkonzept für die Erdinger Gräben vorgestellt wird, ging fast unter. Die Zuhörer interessierte vor allem eins: Wann wird endlich begonnen, die Sempt von Schlamm zu befreien? Laut Anlieger ist das Wasserwirtschaftsamt offenkundig bislang nicht tätig geworden, die Stadt müsse mehr Druck bei der Behörde machen, so der Tenor weiterer Zuhörer. Köppen verwies auf rechtliche Bestimmungen, sagte er aber zu, dass sich seine Fraktion des Themas erneut annehmen werde.

Sechs Jahre hat es gedauert, jetzt liege Stufe zwei Erdinger Hochwasserschutzkonzepts vor, verkündete Köppen im Kreuzwirt. Es werde "tief in private Bereiche eingreifen" und viel Geld kosten. Ziel sei daher eine öffentliche Beteiligung der Bürger zu erreichen, "es geschieht nichts, ohne dass nicht vorher mit den Leuten geredet worden ist". Der Erdinger Hochwasserschutzreferent kündigte einen "Diskussionsprozess" an. Dieser werde sich allerdings nur um die Gewässer Dritter Ordnung, also um die Gräben im Süden der Großen Kreisstadt, drehen, fügte er hinzu.

Die Mehrheit der Zuhörer beschäftigte die Frage, wenn es "eine vernünftige Entschlammung" der Sempt gebe, es finde sich darin neben Schlamm auch Geäst, "da steigen Blasen auf wie in einem Moor", schilderte es ein Zuhörer. Die Stadt Erding müsse mehr Druck auf das Wasserwirtschaftsamt ausüben, bislang sei "realo nichts passiert", kritisierte ein weiter Zuhörer. Burkhard Köppen erklärte, es gebe nun mal gesetzliche Vorgaben, die es untersagten, "dass eine Stadt selbst aktiv werden kann und darf". Es wäre unehrlich zu sagen, "jetzt machen wir mehr Druck und versprechen sieben Monate vor der Kommunalwahl: ,Wir kriegen das hin'".

Warum könne die Stadt der Staatlichen Behörde nicht einfach sagen, "wir werden selber tätig", wollte ein Zuhörer wissen. Das Umweltunternehmen Wurzer aus Eitting habe doch früher auch an der Sempt Arbeiten übernommen. So einfach sei die Sache nun mal nicht, erwiderte Köppen. Es gehe auch um Haftungsfragen und das Bayerische Naturschutzgesetz. Eins könne er auf jeden Fall zusagen: Er werde das Thema mit in die Fraktion nehmen.

Das zweite beherrschende Thema war: Erding und sein Mobilitätskonzept. Köppen erteilte einer Fußgängerzone in der Innenstadt eine Absage, er plädierte aber dafür, im Zuge der Baumaßnahmen für Rathaustunnel und Kanal eine verkehrsberuhigte, "optisch einheitliche" Fläche zunächst einmal zwischen Schönem Turm und Müller-Markt. Dort solle Platz sein für alle Verkehrsteilnehmer, "mehr Parkplätze werden es nicht werden, aber auch nicht weniger".

Ein Zuhörer schlug wegen ohrenbetäubender "Auto-Poser" auf der Langen Zeile im Sommer ein Fahrverbot zwischen 19 und 22 Uhr vor. Köppen war davon nicht begeistert. Dies schaffe nur einen "Umlenkungsverkehr" in die Seitenstraßen.

CSU-Stadtrat Thomas Bauer verwies auf das Wachstum der Stadt, der Verkehr werde so schnell nicht weniger werden, für den ÖPNV solle Geld in die Hand genommen werden. Burkhard Köppen hat da eine Vision: Vielleicht wäre ja ein EU-Projekt das Richtige für Erding, das autonom fahrende Kleinbusse fördert. Angesprochen wurden auch die dauerparkenden Lkw am Volksfestplatz. Dies würde gerade von Seiten der Stadt geprüft, so Köppen.

Das Festival Artding, das im Juni in Erding Premiere feierte, soll es im kommenden Jahr wieder geben. Organisator Daniel Westermeier würde gerne erneut junge Künstler Hausfassaden gestalten lassen. Köppen ist dafür. Das Festival würde "einer wachsenden Stadt wie Erding gut zu Gesicht stehen".