Ringschluss Erding Unter Beobachtung

Missstände aufdecken, protokollieren und Flyer drucken: Der SPD-Abgeordnete Ewald Schurer hat die Mängel bei der Bahn wochenlang inspiziert und stellt eine Grundsatzfrage: Warum eine dritte Startbahn bauen, wenn selbst die Fahrt zum Flughafen nicht richtig funktioniert? Also fordert er lautstark den Bau des Erdinger Ringschluss.

Von Matthias Vogel

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ewald Schurer ist empört darüber, dass die Regierung von Oberbayern den Bau der dritten Start- und Landebahn genehmigt hat, die zwingend notwendige Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur aber nicht in Angriff genommen wird. "Ringschluss statt 3. Startbahn" prangt von einem Flyer, den er tausendfach drucken ließ und verteilt hat. Schurer will nun handeln, so sagt er. Deshalb hat er zweieinhalb Wochen lang frühmorgens viele Bahnhöfe der Landkreise Ebersberg und Erding inspiziert, Missstände protokolliert und mit den Fahrgästen gesprochen. Er habe den Ist-Zustand evaluieren wollen, frei nach dem Motto: Wie kann der Bau einer dritten Startbahn überhaupt in Erwägung gezogen werden, wenn die Qualität der Beförderung durch die öffentlichen Verkehrsmittel schon jetzt zu wünschen übrig lässt?

Der SPD-Abgeordnete Ewald Schurer (m.) ist unzufrieden mit der Erdinger S-Bahn und fordert deshalb lautstark den Ringschluss.

(Foto: Bauersachs)

Die Mängel, die Schurer entdeckt hat, sind mannigfaltig. Das entscheidende Manko ist für ihn aber das Fehlen eines verlässlichen Informationssystems. "Es kommen etwa Durchsagen, die S-Bahn habe eine Viertelstunde Verspätung. Die Leute verlassen den Bahnsteig, um sich einen Kaffee zu kaufen. Und plötzlich fährt bereits nach fünf Minuten der Zug ein."

Kein Einzelfall, sagt Schurer. Er wisse das, weil er selber überwiegend im öffentlichen Nahverkehr unterwegs sei. Und das sei wohl auch der Grund, warum die meisten Fahrgäste, die er während der täglichen "zwei bis drei Stunden" auf den Bahnsteigen befragt hat, gar nicht so sehr nach einem Ringschluss schreien, sondern nach einem funktionierenden bestehenden System. "Die Bürger sind sehr skeptisch, ob der Ringschluss überhaupt noch kommt. Er wird ihnen ja auch schon seit 20 Jahren versprochen, ohne das etwas passiert", sagt Schurer.

Den Status quo kennt der Bundestagsabgeordnete nun, sein Ziel ist nach wie vor der Ringschluss. Dazu will er seine Arbeit an vorderster Front fortsetzen. "Das ist harte Arbeit, aber nur so wird man wahrgenommen. Den Menschen ist genug geredet worden." Die Planungsschritte des Freistaates Bayern seien künftig "quartalsmäßig" zu prüfen. Das Projekt sei mit 900 Millionen Euro veranschlagt, der Zuschuss des Bundes könnte sich, je nach Gesetzeslage, auf bis zu 60 Prozent belaufen. "Um in die ,Realisierungsstufe A' zu kommen, muss der Freistaat die Finanzierungsmittel beim Bund beantragen. Das geht aber nur, wenn er seine Planungen abgeschlossen hat", sagt Schurer. "Es muss deshalb immer wieder nachgefragt werden, was gerade wo gemacht und geplant wird. Die Antworten werden wieder auf einen Flyer gedruckt und verteilt."

Der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte kürzlich in Erding den Ringschluss zugesagt. Binnen der nächsten zehn Jahre sollen demnach drei Baustufen realisiert werden: Neufahrner Kurve, Verbindung der beiden S-Bahnlinien S 2 (nach Erding) und S 8 (zum Flughafen), Einschleifung der Regionalbahn aus Richtung Mühldorf zum Flughafen. Schurer glaubt nicht an ein hehres Ziel des Innenministers: "Herrmann hat der Region nur ein Zuckerl hingeworfen. Im Sinne von: Seht her, die dritte Startbahn kommt zwar, aber wir bauen den Ringschluss."