Bewährtes Angebot:Suchtberatung auf der Automesse

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Bewährtes Angebot: Alkohol und Autofahren ist keine gute Kombination. Präventiv will der Arbeitskreis Sucht die Besucher auf der Erdinger Automobilausstellung informieren.

Alkohol und Autofahren ist keine gute Kombination. Präventiv will der Arbeitskreis Sucht die Besucher auf der Erdinger Automobilausstellung informieren.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Zum 50. Mal findet an diesem Wochenende die Erdinger Automobilausstellung statt. Seit Jahren baut dort auch der Arbeitskreis Sucht seinen Stand auf, um vor den Gefahren von Alkohol im Straßenverkehr zu warnen. Statt erhobenem Zeigefinger gibt es ein Quiz.

Von Regina Bluhme, Erding

Wie viel Promille hat ein 80 Kilo schwerer Mann nach einer Mass Bier? Womöglich mehr als er denkt. Thomas Pölsterl, Sprecher des Regionalen Arbeitskreises Sucht und Leiter der Suchtberatungsstelle des Vereins Prop, kennt die Antwort und er weiß auch, welche Gefahren schon bei kleinen Mengen Alkohol im Straßenverkehr lauern. Die Suchthilfeeinrichtungen des Erdinger Landkreises sind auf der 50. Erdinger Automobilausstellung, die an diesem Wochenende, 24. und 25. September, von 10 bis 18 Uhr auf dem Volksfestplatz stattfindet, wieder mit einem Infostand vor Ort. Wie notwendig die Überzeugungsarbeit ist, zeigt der Polizeibericht der PI Neufahrn bei Freising vom vergangenen Wochenende. Dort wurden Samstagnacht gleich drei Autofahrer mit mehr als 1,1 Promille hinter dem Steuer erwischt.

Eins stellt Thomas Pölsterl klar: Gegen das Autofahren an sich habe er nichts, "aber bitte nüchtern". Seit circa 20 Jahren schon baut der Arbeitskreis Sucht auf der bekannten Automesse in Erding seinen Stand auf. Vor dem Zelt sind sogenannte Rauschbrillen für verschiedene Geschicklichkeitsübungen im Einsatz, die Alkoholisierungen zwischen 0,5 und 1,5 Promille imitieren. Damit sollen sie zum Beispiel eine durchgezogene Linie beschreiten oder einen Schlüsselbund auffangen. Da wird es dann schon mal schwierig. "Wenn ich zwei Mass Bier getrunken habe, dann fühle ich mich aber gar nicht so", diesen Satz höre er immer wieder, sagt Pölsterl. Dabei beeinträchtige das berauschte Gehirn aber die Selbstwahrnehmung, erst mit nüchternem Gehören und der Rauschbrille auf der Nase könnten die Leute die Leistungseinbußen wahrnehmen - und sind dann oft sehr beeindruckt.

Beim Quiz können Besucher ihr Wissen zum Thema Trinken und Autofahren testen

Eindruck hinterlässt bei vielen auch das Wissensquiz mit Tombola im Infozelt. Zehn Fragen müssen die Messebesucher und -besucherinnen zum Thema Trinken und Autofahren beziehungsweise Fahrradfahren beantworten. Zum Beispiel die Frage, was mehr alkoholisiert: Eine Mass Bier oder 16 Stamperl Schnaps? Die Antwort hier schon mal vorweg: Eine Mass Bier entspricht 16 Stamperln, also einer halben Flasche Schnaps. Das könnten dann mache gar nicht recht glauben.

Der Stand werde seit vielen Jahren sehr gut angenommen, erklärt der Erdinger Suchtberater. "Jährlich versuchen sich zwischen 250 bis 450 Besucher an den Quizfragen. Natürlich helfen wir jedem bei den Antworten." Der Arbeitskreis Sucht, ein Unterarbeitskreis des Regionalen Psychosozialen Verbunds RPV, versteht sich laut Pölsterl als Zusammenschluss von Fachkräften der Suchthilfe, Selbsthilfevertretern und Vertretern anderer Gruppen, die mit Suchtproblemen konfrontiert sind.

Thomas Pölsterl weist auf die jährlich steigende Zahl von Patienten hin, die auf Grund einer Trunkenheitsfahrt zur Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) müssen und Hilfe suchen. Auch hier gibt es am Stand Informationsmaterialien und die Standbetreuer stehen für Diskussionen zur Verfügung. Dabei seien wohl nicht die Trunkenheitsfahrten mehr geworden, es habe sich wohl das Beratungsangebot von Prop herumgesprochen, mutmaßt Pölsterl.

Alle drei Autofahrer haben einen Wert mehr als 1,1 Promille, zwei kommen von der Wiesn

Gleich drei Autofahrer wurden in der Nacht von Samstag auf Sonntag bei Verkehrskontrollen im östlichen Dienstbereich der Polizeiinspektion Neufahrn erheblich alkoholisiert festgestellt. Alle drei hatten einen Wert von mehr als 1,1 Promille und mindestens zwei zuvor die Wiesn in München besucht, schreibt die PI Neufahrn. Bei ihnen wurde eine Blutentnahme durchgeführt und sie erwartet nun ein Strafverfahren wegen Trunkenheit im Verkehr.

Die Polizeiinspektion Neufahrn weist darauf hin, dass ein solches Verhalten für andere Verkehrsteilnehmer sehr gefährlich sein kann. Zum Schutze der Verkehrsteilnehmer werden daher im Dienstbereich der Polizeiinspektion Neufahrn zur Wiesn-Zeit verstärkt Verkehrskontrollen durchgeführt. Hierbei werde "vor allem auf die Fahrtüchtigkeit der Fahrzeugführer geachtet".

Beim Herbstfest in Erding muss die Polizei weniger Verstöße wegen Alkohol ahnden

Bei der PI Erding hat der stellvertretende Inspektionsleiter Harald Pataschitsch in der jüngsten Vergangenheit keine Auffälligkeiten erlebt. Im Gegenteil: Heuer mussten während des Herbstfests weniger Verstöße wegen Alkohols im Straßenverkehr festgestellt und geahndet werden. Auch die Münchner Wiesn habe sich bisher nicht niedergeschlagen und es werde während des Oktoberfests auch nicht verstärkt kontrolliert.

Ob ein Autofahrer oder eine Radlfahrerin zur MPU muss, das entscheidet das jeweilige Landratsamt. Wer mit mehr als 1,6 Promille erwischt wird, ist dran. Aber wer schon einmal mit einer Alkoholfahrt auffällig geworden ist, der kann auch mit weniger Promille zum Test verdonnert werden. Die Ratsuchenden seien oft recht verzweifelt, so Thomas Pölsterl von der Beratungsstelle Prop. Ein Führerscheinentzug sei eine ganz einschneidende Maßnahme, ist für nicht wenige existenzbedrohend. Vielen werde dann doch bewusst, "dass sie ihr Trinkverhalten überdenken müssen".

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