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Erding: Energieversorgung:Stadtwerke zahlen Eon aus

Alles in einer Hand: Durch den Ankauf der Eon-Anteile gelangt die komplette Stromsparte in Besitz der Stadt. Erding will jetzt selber in die Stromproduktion investieren. Konkrete Konzepte fehlen bislang aber.

Die Stadtwerke Erding bringen ihre Stromsparte komplett in die eigene Hand. Bislang gehörten 21,1 Prozent der Überlandwerke Erding GmbH der Eon Bayern AG. Mit Wirkung zum 1. Juli 2011 kaufen die Stadtwerke der Eon Bayern diesen Anteil ab.

Bislang gehörten Eon über 20 Prozent der Überlandwerke Erding. Ab 1. Juli gehören diese Anteile den Stadtwerken.

(Foto: Peter Bauersachs)

Da der Kaufvertrag noch nicht endgültig unterschrieben ist, wollte Erdings Bürgermeister Max Gotz (CSU), der Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Erding ist, die Höhe des Kaufpreises nicht nennen. Da die Überlandwerke allerdings gute Gewinne machen, werden wohl etliche Millionen Euro an Eon überwiesen. Die Stadt Erding, der die Stadtwerke zu 100 Prozent gehören, muss dazu nichts beisteuern. Das kommunale Versorgungsunternehmen hat offenbar in den vergangenen Jahre so viel zurückgelegt, dass es den Kaufpreis "auf einen Schlag und ohne Kreditaufnahme" begleichen kann, sagte Gotz.

Der Kauf der Eon-Anteile sei eine "wirklich große historische Entscheidung", betonte Gotz bei einer Pressekonferenz. Der Erdinger Stadtrat hat den Kauf unlängst in nichtöffentlicher Sitzung einstimmig beschlossen. Die Stadtwerke würden so noch mehr "zu einem wahren Bürgerunternehmen". Neben der Stromtochter ist auch die Wasserversorgung zu einhundert Prozent im Besitz der Stadtwerke. An der Tochterfirma Erdgasversorgung Erding GmbH ist hingegen zur Hälfte noch das Unternehmen Erdgas Südbayern beteiligt.

Die Beteiligung an der Überlandwerke GmbH geht auf einen 1999 mit den damaligen Isar-Amperwerken geschlossenen Vertrag zurück. Die Isar-Amperwerke, die nur zwei Jahre später in der Eon AG aufgingen, zahlten damals kein Geld, sondern brachten als zusätzliche Versorgungsgebiete die Gemeinde Berglern, Teile von Wartenberg sowie Langenbach und Marzling im Landkreis Freising ein. Der Vertrag hatte eine Laufzeit von zwölf Jahren.

Synergieeffekte blieben aus

Gotz sagte, man habe sich von dem Zusammengehen seinerzeit "Synergieeffekte" erwartet. Nachdem sich "die Erwartungen nicht so erfüllt haben", sei eine Trennung nach Vertragsende nur folgerichtig. Eon hätte hingegen "sicher gerne weitergemacht". Der Wert der Eon-Anteile ist zwar von einer unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ermittelt worden. Gotz betonte, er sei trotzdem froh, dass die Kaufverhandlungen ohne Streit zu einem Ergebnis geführt haben.

Die Trennung von Eon sei auch deshalb sinnvoll, sagte der Geschäftsführer der Stadtwerke Walter Huber, da nach der Liberalisierung des Strommarktes "Eon mittlerweile ein Konkurrent ist". Die Stadtwerke kaufen ihren Strom längst nicht mehr direkt bei Eon, sondern an der Leipziger Strombörse. In dem kommenden Jahren wollen die Stadtwerke selbst in die Stromproduktion investieren. Eine angedachte Beteiligung am Kohlekraftwerk Brunsbüttel ist aber wohl vom Tisch. Gotz sagte, "wir bemühen uns um Beteiligungen, die modernen Ansprüchen Rechnung tragen".