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Ebersberg/München:Sexueller Missbrauch im Kinderhort

49-jähriger Erzieher ist angeklagt, weil er sich in einer Einrichtung an einem Mädchen vergriffen haben soll

Von Andreas Junkmann, Ebersberg/München

"Dein Körper gehört dir" - das, so sagt es der Erzieher, habe er seinen Kindern im Hort immer wieder mit auf den Weg gegeben. Nun erhärtet sich der Verdacht, dass gerade er selbst es war, der sich nicht an diese Worte gehalten hat. Seit diesem Montag nämlich muss sich der 49-Jährige aus dem nördlichen Landkreis Ebersberg in München vor dem Landgericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, dass er sich an seinem Arbeitsplatz im westlichen Landkreis mehrfach an einem kleinen Mädchen vergriffen haben soll. Auch bei ihm zu Hause soll es zu Missbrauchsvorfällen gekommen sein.

Die Anklageschrift ist mehrere Seiten lang. Der verheiratete Familienvater soll sich von September 2018 bis zu seiner Verhaftung im November 2019 wiederholt an einem damals sieben- beziehungsweise achtjährigen Mädchen vergriffen haben, als er mit ihr in den Horträumen alleine war. Mindestens 30 solcher Fälle listet die Staatsanwältin auf - mal sollen diese in den Spielräumen stattgefunden haben, mal auf der Toilette. Einmal habe der Angeklagte dabei zudem Bilder von dem unbekleideten Kind gemacht.

Ein weiteres Mädchen habe er ebenfalls sexuell missbraucht - und zwar im Kinderzimmer seiner eigenen Tochter, während beide Kinder geschlafen haben. Die damals Achtjährige soll er zudem fotografiert haben. Diese Fotos waren jedoch nicht die einzigen, die die Ermittler auf Computer, Handy und externer Festplatte bei dem Erzieher gefunden haben. Insgesamt mehr als 900 kinderpornografische und 500 jugendpornografische Bilder und Videos hatte er laut Anklage dort gespeichert.

Zum Prozessauftakt am Montag hatte der 49-Jährige ausführlich Zeit, sich zu den Anklagepunkten zu äußern. Und er musste das in aller Öffentlichkeit tun, denn den Antrag seines Verteidigers, Zuschauer und Medienvertreter vom Verfahren auszuschließen, lehnte das Gericht ab. Entsprechend stieß der Angeklagte bei Richter Martin Hofmann auf taube Ohren, als er mit brüchiger Stimme erklärte, er habe Hemmungen, sich zu äußern.

Diese legte der Mann dann recht schnell ab und begann von seiner Kindheit, der Schulzeit und seinem beruflichen Werdegang zu erzählen, aber auch von seinen privaten Problemen. Er leide an Depressionen und an ADHS, seit seinem Umzug in den Landkreis Ebersberg habe zudem die Sexualität in seiner Ehe stark nachgelassen. Deshalb habe er sich vermehrt der Pornografie und Prostituierten zugewandt. Und ja, es sei schließlich auch zu Übergriffen auf kleine Mädchen gekommen.

So viele Vorfälle, wie in der Anklage behauptet, seien es zwar nicht gewesen, dafür schilderte der Mann die übrigen umso detaillierter. Ende 2018 sei es das erste Mal passiert, dass er sich an dem damals siebenjährigen Kind vergangen habe. Er habe den Eindruck gehabt, dass es dem Kind gefalle, sagte er. Über mehrere Stunden berichtete der 49-Jährige von etwa fünf Vorfällen, allesamt passiert in den Horträumen, während nebenan die anderen Kinder gespielt haben.

Auch den Übergriff auf die Freundin der Tochter gab der Angeklagte zu. "Ich wollte die schönen Erinnerungen aus dem Hort haben", sagte er zu seinem Motiv. Er wisse, dass das falsch gewesen sei. Immer wieder sprach er davon, dass sein Gehirn kurzzeitig ausgesetzt habe. "Ich habe mir damit alles zerstört, was ich mir in meinem bisherigen Leben aufgebaut habe", so der Angeklagte, der schließlich auch zugab, sich eine Vielzahl von kinderpornografischen Inhalten aus dem Internet heruntergeladen zu haben. Nach dem Prozess jedenfalls werde er sich in Therapie geben. Beruflich wolle er nicht mehr mit Kindern arbeiten, er überlege vielleicht in die Altenpflege zu wechseln. "Oder ins Kloster gehen, falls meine Familie nicht mehr zu mir steht." Ein Urteil wird Ende Oktober erwartet.

© SZ vom 29.09.2020

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