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A 94:Erfahrungssache

A94 mit Alpen Föhnlage

Der Verkehr auf der A 94, hier bei Vaterstetten, hat seit Eröffnung des Isental-Abschnitts im vergangenen September stark zugenommen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Seit Herbst ist die Isentaltrasse der A 94 fertig. Für manche ist es seitdem ruhiger geworden, dafür ärgern sich andere über mehr Verkehrsbelastung. Anzing und Forstinning haben sich nun bei der Autobahndirektion beschwert

Die einen haben sie lange herbeigesehnt, die anderen sich vehement gegen ihren Bau gestellt: Die Isentaltrasse. Seit Ende September rollt der Verkehr auf der 33 Kilometer langen Teilstrecke der A94, zwischen Pastetten und Heldenstein. Das hat Konsequenzen für die anliegenden Gemeinden, auch im Ebersberger Landkreis. Die beiden Orte Forstinning und Anzing klagen seitdem über mehr Durchgangsverkehr und Lärm. In einem gemeinsamen Schreiben an die zuständige Autobahndirektion fordern sie Gegenmaßnahmen von den Behörden. Doch nicht überall teilt man den Unmut über die A 94 - weder im eigenen Landkreis noch darüber hinaus.

Rupert Ostermair (CSU), Bürgermeister von Forstinning, gehört zu denen, die durch die Fertigstellung der Isentaltrasse keine Erleichterung verspüren. Im Gegenteil, täglich staue sich der Verkehr auf der Autobahn weit zurück, teilweise bis nach Pastetten. Viele würden dann von der A 94 bei Forstinning abfahren und über die alte B 12 parallel dazu ihr Glück versuchen. Die Folge: Die Ortsstraßen sind überfüllt. Außerdem sei die Lärmbelastung für die Anwohner deutlich gestiegen, sagt Ostermair, auch wegen des erhöhten Verkehrs auf der Autobahn. Die gleiche Problematik teilt die Nachbargemeinde Anzing. Dort kommen die ausweichenden Fahrer aus Forstinning nämlich als nächstes entlang. Dadurch verstopften die Autos jeden Morgen die Kreuzung in der Ortsmitte, sagt Anzings Bürgermeister, Franz Finauer (UBA). Teilweise sei es dann kaum noch möglich, von Norden nach Süden über die Kreuzung zu gelangen. Auch in dieser Richtung habe der Verkehr seit vergangenem Herbst zugenommen. "Als Pendler muss man mittlerweile vor sechs Uhr morgens losfahren", sagt Finauer, sonst hätte man keine Chance mehr. Die verstopften Straßen seien aber auch ein Sicherheitsrisiko, findet er. Abbieger blieben auf der Kreuzung stehen, Fußgänger versuchten noch im letzten Augenblick über die Straße zu gelangen. Ostermair und Finauer, deren Gemeinden ein ähnliches Schicksal teilen, haben deshalb einen Brief an die Autobahndirektion Südbayern geschrieben, in dem sie einen besseren Lärmschutz und ein Tempolimit fordern, um Stau vorzubeugen - Maßnahmen, die auch im Nachbarlandkreis Erding diskutiert werden.

Dort hat sich mittlerweile Ministerpräsident Markus Söder (CSU) der Sache angenommen. In der Nähe von Buch traf sich Söder zu Beginn des Monats mit lärmgeplagten Anwohnern und versprach schnelle Abhilfe. Er kündigte an, den Fahrbahnbelag überprüfen und gegebenenfalls Lärmschutzwälle errichten zu lassen. Vor allem versprach er den Anwohnern ein Tempolimit, das ab Februar auf der Teilstrecke der A 94 gelten soll. Doch prompt regte sich Widerstand gegen die von Söder vorgeschlagene Höchstgeschwindigkeit von 120 Stundenkilometer. In einer Petition sprechen sich mittlerweile mehr als 15 000 Unterstützer gegen das Vorhaben aus. Der Initiator der Petition, Christian Hanslmayer, sieht in dem Tempolimit eine "Schikane aller Pendler, die schnell von A nach B kommen wollen", wie es in seiner Petition heißt. Er argumentiert, dass hauptsächlich die Lastwagen für die den Lärm verantwortlich seien, die von einem Tempolimit nicht betroffen wären. Für ihn liegt die Lösung in den anderen beiden ebenfalls von Söder vorgeschlagenen Maßnahmen: ein besserer Fahrbahnbelag und Lärmschutz.

Zurück in den Landkreis Ebersberg: Dass nicht jeder unter der Fertigstellung der Isentaltrasse leidet, kann Ludwig Maurer (ÜWG), Bürgermeister von Hohenlinden, bezeugen. Der Ort liegt an der B 12, über die zuvor ein Großteil des Verkehrs floss. "Ab der ersten Stunde war es unglaublich. Wir haben 30 Jahre lang darauf gewartet, dass unsere Außenbezirke vom Verkehr entlastet werden", sagt Maurer. Mit Außenbezirken meint Maurer die Ortsteile Birkach, Kreith, Altmühlhausen und Neupullach. Sie profitierten nicht von der Umgehungsstraße der B 12, die den Ortskern schon vor 20 Jahren vom Verkehr befreite. Nun endlich könnten auch die Anwohner in den äußeren Ortsteilen aufatmen: "Es ist eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität", sagt Maurer. Im Laufe der Jahre hätte es viele Verletzte und auch Tote bei Verkehrsunfällen rund um den Ort gegeben. Das soll sich nun ändern.

Aber innerhalb seiner Gemeinde gibt es nicht nur Gewinner. Die stark befahrene B 12, sie brachte Laufkundschaft für den Ort und belebte so das Geschäft. Nun merken manche Gewerbetreibenden die gesunkenen Verkehrszahlen. Während die Tankstelle in der Ortsmitte bis zu einem Viertel weniger Umsatz macht, könnten es bei der Station am Westkreisel, wo die Umgehungsstraße wieder auf die alte B 12 trifft, mehr als die Hälfte sein, vermutet Maurer. Ebenfalls würden Imbissrestaurants den Rückgang natürlich spüren, und auch die Apotheke. Allerdings sei der Verkehr immer noch hoch genug, so dass der Ort nicht ausblute. "Wir werden ein Auge darauf werfen", versichert der Bürgermeister.

Was das Schreiben von Forstinning und Anzing an die Autobahndirektion anbelangt, teilt diese mit, dass das Anliegen derzeit bearbeitet werde und daher keine Auskünfte dazu möglich seien. Ende des Monats könnte es aber bereits eine Antwort für die Gemeinden geben, heißt es aus der Behörde. Ob dann wirklich alle mit der Antwort leben können, wird sich zeigen.

© SZ vom 27.01.2020
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