Schule in München 5354 Fünftklässler haben sich an den Gymnasien eingeschrieben

"Damit hat niemand gerechnet": Das neue Gymnasium Freiham ist noch nicht eröffnet und liegt mitten in einem halb fertigen Neubaugebiet, und doch haben sich dort aus dem Stand 173 Fünftklässler angemeldet, dazu 35 Sechstklässler.

(Foto: Robert Haas)
  • Die Einschreibefrist für die 42 öffentlichen Gymnasien in München ist beendet.
  • Nun wird geprüft, welches Kind wo unterkommt - die Schwankungen an den einzelnen Schulen sind enorm.
  • Die Schulleiter versuchen, die Kinder den Kapazitäten entsprechend zu verteilen.
Von Jakob Wetzel

Ach, du Schreck, habe sie erst gedacht, erzählt Renate Matthias, die Leiterin des staatlichen Luitpold-Gymnasiums im Lehel. 139 Familien haben an ihrer Schule ein Kind für die fünfte Klasse angemeldet, ein Drittel mehr als im Vorjahr. Und diese Zahl sei schwierig, sagt Matthias. 139 Kinder seien zu viele, um sie in vier fünften Klassen unterzubringen. "Wir hätten also entweder Schüler abweisen müssen oder fünf fünfte Klassen bilden." Doch dafür seien die Schüler wiederum zu wenige - und fünf Eingangsklassen seien auch von den Räumen her schwierig.

Es sind spannende Tage für die Eltern angehender Gymnasiastinnen und Gymnasiasten. Am Dienstag vergangener Woche konnten sie ihre Kinder in die Gymnasien einschreiben. Jetzt hoffen sie, dass Sohn oder Tochter an der jeweiligen Wunschschule auch Platz finden - und die Schulen stehen vor komplizierten Aufgaben. Denn die Wünsche der Eltern passen nicht zwangsläufig zu den Kapazitäten, und flexibel sind die Gymnasien nur begrenzt. Sie müssten die Klassen möglichst auffüllen, erklärt etwa Matthias. Kurz nach der Einschreibung begännen die Schulleiter daher zu telefonieren: Welche Schule im Umkreis kann noch Schüler aufnehmen - oder welche abgeben? Denn das Schulbudget bemisst sich nicht an der Anzahl der Klassen, sondern an der Zahl der Schüler. Sind die Klassen zu luftig besetzt, muss die Schule womöglich anderswo Abstriche machen, etwa beim Wahlunterricht.

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5354 Fünftklässler haben sich insgesamt an den 42 öffentlichen Gymnasien in München angemeldet. Das ist ein neuer Höchstwert, auch wenn es nur zwölf Fünftklässler mehr sind als im Vorjahr. Und im Einzelnen schwanken die Zahlen von Schule zu Schule und von Jahr zu Jahr stark. Immer wieder müssen Kinder an andere Schulen verwiesen werden - und immer wieder erleben die Schulen Überraschungen.

Am Gymnasium Freiham zum Beispiel haben sich aus dem Stand 173 Fünftklässler angemeldet, dazu 35 Sechstklässler. Dabei nimmt die Schule erst im September den Betrieb auf. Bislang steht sie leer, sie liegt mitten in einem halb fertigen Neubaugebiet, und es gibt nicht einmal Vorläuferklassen, aus denen man auf die Nachfrage hätte schließen können. "Damit hat niemand gerechnet", sagt der künftige Schulleiter Thomas Schranner. Ein Problem sei der Andrang aber nicht, das Schulhaus sei groß.

Er werde zum Start des Gymnasiums sieben fünfte und zwei sechste Klassen bilden. "Wir freuen uns riesig, dass unser Konzept so gut ankommt", sagt Schranner. Tatsächlich könne das neue Gymnasium sogar noch mehr Schüler vertragen: "Es wäre schön, wenn noch ein paar Sechstklässler kommen würden." Er habe noch Platz für etwa acht Schüler im Halbtagszweig und für zehn bis 15 Kinder im Ganztag. Es gebe keine Hürden mehr, die sechsten Klassen würden definitiv gebildet, sagt Schranner. Die weitere Planung falle aber leichter, wenn es noch mehr Kinder wären.

Ein weiteres neues Gymnasium nimmt im Münchner Osten den Betrieb auf: Am Michaeli-Gymnasium in Berg am Laim werden Vorläuferklassen für das geplante Gymnasium Messestadt Riem gebildet, das voraussichtlich 2022 ein eigenes Gebäude beziehen soll. Angemeldet haben sich freilich nur 51 Kinder, weniger als zuletzt erwartet. Das sei übersichtlich, sagt Angelika Loders, die Direktorin des Michaeli-Gymnasiums. Doch für ihre Schule bedeutet die mäßige Nachfrage eine Entlastung. Denn bis 2022 sind die Kinder reguläre Schüler ihres Gymnasiums. Und alleine hier haben sich 206 neue Schüler eingeschrieben.

Diese Zahl ist ähnlich hoch wie im Durchschnitt der vergangenen Jahre - doch bisher waren in ihr bereits etwa zwei Klassen von Kindern aus der Messestadt enthalten. Diese kommen nun extra dazu. Mit weiteren Schülern, die anderswo abgewiesen wurden, müsse sie insgesamt 265 Fünftklässler unterbringen, sagt Loders. Ihre Schule mit etwa 1300 Schülern ist schon jetzt eines der größten Gymnasien in der Stadt. Nun sei die Kapazitätsgrenze erreicht, "bis zur Halskrause".

Luitpold Klotz erging es zuletzt ähnlich: Der Schulleiter des städtischen Käthe-Kollwitz-Gymnasiums hat daher versucht zu bremsen. Vor allem aus Mangel an Fachsälen und weil die geplante Sanierung mit Erweiterung auf sich warten ließ, kündigte er an, statt sechs Eingangsklassen nur noch vier zu bilden - und riet Eltern öffentlich, sich Alternativen zu suchen. Diese Warnung hat offenbar gefruchtet: Das Käthe-Kollwitz-Gymnasium mit seinen etwa 1060 Schülern zählte jetzt 156 Einschreibungen, etwa ein Drittel weniger als 2018. Für vier fünfte Klassen sind es freilich immer noch zu viele.

Die Schule werde daher fünf Eingangsklassen bilden, heißt es aus dem Schulreferat, ein Kompromiss. Klotz sagt, er nehme die Kinder auf städtische Anordnung hin natürlich auf, auch wenn sich die bestehenden Probleme damit verschärfen würden. Er sei aber erleichtert, dass er nicht mehr so viele Kinder abweisen müsse. Zuletzt musste seine Schule etwa 60 Schüler an andere Gymnasien verweisen. In diesem Jahr werde es wohl nur wenige treffen, sagt Klotz. Wie viele genau, hänge davon ab, wie viele Kinder den derzeit laufenden Probeunterricht bestehen.

Am Luitpold-Gymnasium gibt die Schulleiterin dagegen Entwarnung: Ihre Schule müsse heuer kein Kind abweisen, sagt Renate Matthias. Die Stundenplanerin habe es geschafft, an der Schule Platz für fünf fünfte Klassen zu finden - und nach einigen Telefonaten sei auch klar geworden, dass noch weitere Schüler kommen, die anderswo keinen Platz gefunden haben, unter anderem am nahegelegenen Sankt-Anna-Gymnasium. Und so müssen die Eltern nicht bangen: Im Vorjahr, als am Luitpold-Gymnasium nur 104 Kinder neu eingeschrieben wurden, hatte Matthias' Schule noch zwei Schüler abweisen müssen. In diesem Jahr sind es erheblich mehr Anmeldungen - doch alle können bleiben.

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