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Ehedrama in Oberschleißheim:Ein Mord, der sich angekündigt hat

Zwei Tote in Oberschleißheim, Am Stutenanger 6, vermutlich durch Gewalteinwirkung.

In diesem Haus ereignete sich das tödliche Ehedrama.

(Foto: Florian Peljak)

Ein Mann hat seine Frau in Oberschleißheim mit einer Axt getötet - und dann sich selbst umgebracht. Nach Informationen der SZ hatte sich das Opfer schon im Sommer bedroht gefühlt - und Anzeige gegen den Täter erstattet.

Das tödliche Ehedrama von Oberschleißheim geschah offenbar doch nicht so unerwartet wie bisher dargestellt. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hatte das Opfer, eine 45-jährige Frau, bereits im August Anzeige bei der Polizei erstattet, weil ihr Mann sie bedroht hatte.

Anfang September zog sie den Strafantrag zurück, die Ermittlungen gegen den 48-Jährigen wurden eingestellt. Vergangenen Freitag griff sich der Mann eine Axt und trennte der Frau im Schlafzimmer der gemeinsamen Wohnung fast vollständig den Kopf ab. Dann tötete er sich selbst.

Hasan C. habe seit vielen Jahren massive psychische Probleme gehabt, "seit seiner Jugend", erzählt ein Nachbar. In jüngster Zeit habe sich das Paar oft gestritten. Außerdem soll der 48-Jährige spielsüchtig gewesen sein. Deshalb habe er im August seine Frau massiv bedrängt.

Wie so oft forderte er Geld. Als ihm die 45-Jährige keines geben wollte, soll er sie ins Schlafzimmer gedrängt, gestoßen und bedroht haben. Die Frau bekam es mit der Angst zu tun und ging zur Polizei. Die Beamten nahmen eine Anzeige wegen Bedrohung auf, und die Frau ging wieder nach Hause. Etwa 14 Tage später meldete sie sich bei der Polizei und zog ihre Anzeige zurück.

"Aus juristischer Sicht sind uns in solchen Fällen die Hände gebunden", sagt Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch. Die Tat habe sich in der Wohnung abgespielt, es gebe keine Zeugen, "und die Frauen machen dann von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch". Somit müsse das Verfahren eingestellt werden. Die sachbearbeitende Staatsanwältin habe sogar noch bei der 45-Jährigen angerufen und sie gefragt, ob sie die Anzeige wirklich zurücknehmen wolle. Doch die Frau sei bei ihrer Entscheidung geblieben.

"Wer hält das schon aus"

Für Sibylle Stotz vom Frauenhaus ist das nicht verwunderlich: "Wer hält das schon aus, eine Anzeige gegen den Partner aufrechtzuerhalten und mit ihm in derselben Wohnung zu leben?" Der Mann mache Druck, eventuell auch der Rest der Familie.

Viele Frauen glaubten, dem gewalttätigen Partner mit der Anzeige einen Schuss vor den Bug zu geben. "Aber dass sich der ändert, liegt eher im Bereich eines Märchens." Die Beziehung zu beenden und auszuziehen, sei der beste Schutz. "Es gibt immer Möglichkeiten", sagt Stolz, "70 Prozent unserer Hilfesuchenden schaffen den Start in ein neues Leben."

Am Sonntag, 24. November, will das Frauenhaus bei einer Kundgebung auf der Theresienwiese einen besseren Schutz für Betroffene fordern. Mitte Oktober war in Giesing eine 29-Jährige von ihrem Mann erstochen worden. Sie hatte ihre Anzeigen nicht zurückgezogen und ein Kontaktverbot erwirkt, was den Mann aber nicht von seiner Tat abhielt.

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"Ich steche dich ab": Taifoun A. drohte seiner Frau, er schlug sie, verwüstete ihre Wohnung in München, missachtete das gerichtlich verhängte Kontaktverbot. Am Montag hat er seine Drohung wahr gemacht und sie getötet - auch, weil die Polizei ihn nicht von der 29-Jährigen fernhalten konnte.

Die Polizei hat in Oberschleißheim Angehörige vernommen, Spuren gesichert und daraus gefolgert, dass C. seine Frau ermordet und sich mit einem Messer die Halsschlagader durchtrennt hat. Warum, wird wohl nie ganz geklärt werden. Wenn auch die Staatsanwaltschaft überzeugt ist, dass nur der 48-Jährige als Täter in Frage kommt, wird das Ermittlungsverfahren automatisch eingestellt.

Das Münchner Frauenhaus bietet seine Hilfe unter der Telefonnummer (089) 64 51 69 an.