Tödliche Messerattacke in München Mord mit Ankündigung

"Ich steche dich ab": Taifoun A. drohte seiner Frau, er schlug sie, verwüstete ihre Wohnung in München, missachtete das gerichtlich verhängte Kontaktverbot. Am Montag hat er seine Drohung wahr gemacht und sie getötet - auch, weil die Polizei ihn nicht von der 29-Jährigen fernhalten konnte.

Es war ein Mord mit Ankündigung: "Ich steche dich ab", soll Taifoun A. zu seiner von ihm getrennt lebenden Frau gesagt haben. Er verwüstete ihre Wohnung, er schlug sie, er missachtete das gerichtlich verhängte Kontaktverbot. Und am Ende setzte er seine Drohung in die Tat um: Am Montagmorgen lauerte er seiner 29-jährigen Frau im Treppenhaus auf und erstach sie. 20 Minuten später ging er zur Polizei und stellte sich.

Dramatische Szenen spielen sich in der Reginfriedstraße in Giesing ab. Vor dem Haus sind die Mutter und andere Verwandte des Täters eingetroffen. Die Polizei hat den Hauseingang großräumig abgesperrt, auf dem Bürgersteig steht noch eine Kiste mit Verbandsmaterial. Nachbarn und Verwandte beschimpfen sich, die Mutter des Täters bricht plötzlich zusammen. "Warum hat die Polizei nichts getan?", fragt ein 25-jähriger Nachbar. "Es wussten doch alle, dass er völlig verrückt war." Ständig habe er seiner Frau aufgelauert, sie bedroht, von ihr Geld gefordert und geschrien: "Nimm mich zurück."

Das griechische Paar lebte seit 2001 in München, in der Seitenstraße direkt neben der viel befahrenen Tegernseer Landstraße. Und es hatte zwei gemeinsame Söhne, sechs und sieben Jahre alt. Für die 29-jährige Griechin Sampre B. war ihre Ehe wohl die Hölle. 2012, so sagt Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch, seien der Polizei "körperliche Übergriffe" gemeldet worden. Die Staatsanwaltschaft leitete zwei Verfahren ein, die aber beide wieder eingestellt wurden.

Die Situation eskalierte im Juni 2013

Sampre B. machte von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch, sie wollte letztendlich doch nicht gegen ihren Mann aussagen. Offenbar hörte der 33-jährige Küchenhelfer aber nicht auf, sie zu misshandeln. Irgendwann fand Sampre B. die Kraft, die Beziehung zu beenden. Doch ihr Mann wollte diese Trennung nicht akzeptieren.

Im Juni dieses Jahres eskalierte die Situation: Taifoun A. soll seine Frau erneut geschlagen und ihr gedroht haben, sie umzubringen. Diesmal hatte die 29-Jährige jedoch den Mut, gegen ihren Mann auszusagen. Ein Familiengericht bestimmte, dass er aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen müsse und er sich ihr auf einer Distanz von 100 Metern nicht nähern dürfe. Auch dürfe er sie weder anrufen noch E-Mails oder SMS-Nachrichten an sie versenden.

Taifoun A. allerdings waren die gerichtlichen Anordnungen völlig egal. Er verstieß zweimal gegen das Kontaktverbot. Einmal drang er in die Wohnung ein und zertrümmerte das gesamte Mobiliar. Zwei der Vorfälle stammen aus dem Monat Juli. Und noch am 2. Oktober war die Polizei bei Taifoun A., um eine sogenannte Gefährderansprache zu halten. Das heißt, die Beamten wiesen ihn mit Nachdruck auf die verhängte Kontaktsperre hin.

Insgesamt liefen vier Verfahren gegen den Griechen, der in seiner Heimat wohl zu einer türkischen Minderheit zählte. "Aber es gab keine andere Handhabe", sagte Steinkraus-Koch. Man habe den Mann nicht einsperren können, weil er über einen festen Wohnsitz verfügte. Juristisch seien Polizei und Justiz die Hände gebunden gewesen.

So nahm am Montag das angekündigte Verbrechen seinen Lauf. Sampre B. hatte wohl am Morgen das Haus verlassen, um ihre Söhne in den Kindergarten und in die Schule zu begleiten. Als sie später zu dem Haus in der Reginfriedstraße zurückkam und die Türe aufsperrte, lauerte ihr Mann im Treppenhaus mit einem Messer auf sie. Vermutlich stach er von hinten zu, bis die junge Frau zusammenbrach. Das Obduktionsergebnis, so sagte Steinkraus-Koch, deute darauf hin, dass man von Heimtücke ausgehen könne.

Nach der Tat floh der Täter zunächst aus dem Haus. Passanten setzten einen Notruf ab, der herbeigeeilte Notarzt konnte aber nur noch den Tod der 29-Jährigen feststellen. Die beiden Kinder des Paares wurden nicht sofort aus Schule und Kindergarten geholt. "Wir müssen erst abklären, wo sie hin können", sagte Markus Kraus, Leiter der Mordkommission. Am Nachmittag kamen die Kinder dann in die Obhut des städtischen Jugendamts.

Anmerkung der Redaktion: In einer alten Version dieses Artikels waren die Namen von Täter und Opfer falsch. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.