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Viele Unterstützer und Spender:"Die Leute wollen helfen"

Hilfsaktion Zorneding, Hilfe für Nordrhein-Westfahlen; Stefan und Meike Winsel, Andrea Heine (Gärtnerei Schütz)

Stefan und Meike Winsel sowie Andrea Heine von der Gärtnerei Schütz (von links) organisieren Hilfe für das nordrhein-westfälische Bad Münstereifel.

(Foto: Privat)

In Zorneding läuft eine große Aktion für das vom Hochwasser stark betroffene Bad Münstereifel. Nächste Woche soll der erste Transport stattfinden.

Interview von Barbara Mooser, Zorneding

600 Kilometer ist das nordrhein-westfälische Bad Münstereifel vom oberbayerischer Zorneding entfernt - aber dennoch sind sich die Bewohner gerade ganz nah. Nach dem verheerendem Hochwasser von vergangener Woche haben die Zornedinger eine große Hilfsaktion in Gang gesetzt. Einer der Initiatoren ist Stefan Winsel, der in diesen Tagen viel unterwegs ist und dessen Telefon häufig klingelt.

SZ: Innerhalb weniger Tage haben Sie eine große Hilfsaktion für Bad Münstereifel auf die Beine gestellt - wie kam's?

Stefan Winsel: Wir haben natürlich ständig die Berichte über das Hochwasser in den Medien verfolgt. Am Samstagmorgen saßen meine Frau und ich beim Frühstück und haben wieder einen Radiobeitrag dazu gehört. Da meinte meine Frau: Wir müssen was machen! Nach der spontanen Frühstücksidee habe ich Michael Jäger von Zorneding TV angerufen, der schon ähnliche Gedanken hatte. Und noch vor 12 Uhr mittags hat auch Bürgermeister Piet Mayr uns seine Unterstützung zugesagt.

Warum Bad Münstereifel?

Zum einen, weil es eine der am schlimmsten betroffenen Gemeinden ist. Zum anderen, weil ich dort jemanden persönlich kenne, einen früheren beruflichen Kontakt, mit dem ich inzwischen auch befreundet bin. Das macht es leichter, mit den relevanten Leuten in Kontakt zu kommen. Schwierig bleibt es trotzdem, denn die Telefonverbindungen sind eine Katastrophe, und natürlich herrscht momentan auch ein großer Rummel.

Wie hilft Zorneding? Von Sachspenden wird ja eher abgeraten.

Ja, tatsächlich sind Sachspenden schon bergeweise hingefahren worden, für vieles hat gerade aber niemand Verwendung. Deshalb haben wir gesagt, wir wollen mittelfristig helfen. Vor allem brauchen die Betroffenen Geld, dafür hat die Gemeinde bereits ein Spendenkonto eingerichtet. Bei Sachspenden klären wir ab, was benötigt wird, und versuchen dann, genau das herzubekommen. Trocknungsgeräte, Stromaggregate, Nasssauger, aber auch Kühlschränke, Waschmaschinen und Trockner - solche Dinge brauchen die Leute in den betroffenen Gebieten, und wir haben auch schon einiges davon gesammelt. Das THW braucht Quads, um abgelegene Ortschaften zu erreichen. Die meisten Brücken sind ja momentan noch unbenutzbar.

Die Zornedinger haben ja kreative Ideen, mit denen sie zur Aktion beitragen wollen, wie man auf Facebook sieht.

Ja, das stimmt. Einige haben beispielsweise spontan einen Flohmarkt organisiert, mit dem sie Spenden sammeln. Aber tatsächlich haben wir auch schon viele hilfreiche Geräte gespendet bekommen, sowas hat ja nicht jeder daheim rumliegen. Meine Tochter hat das Pfandgeld beigetragen, mit dem sie sonst ihr Taschengeld aufbessern darf. Noch bevor wir wussten, was genau gebraucht wird, hat jemand Hygieneartikel und Tiernahrung für mehr als 200 Euro gekauft. Inzwischen haben wir noch einmal abgefragt, was konkret benötigt wird, und eine entsprechende Bedarfsliste auf unsere Homepage gestellt. Wir hoffen, dass wir Anfang nächster Woche die erste Ladung nach Bad Münstereifel bringen können.

Wie groß wird das Fahrzeug sein?

Das wird sich zeigen - noch kann ich nicht sagen, ob es ein Sprinter oder doch ein 7,5-Tonner wird.

In den sozialen Netzwerken bieten viele Menschen ihre Hilfe an, die Solidarität bei den Zornedingern scheint groß zu sein.

Das stimmt. Diese Naturkatastrophe bewegt viele Leute, sie wollen helfen, obwohl wir ja relativ weit weg sind. Wir haben schon viele Mails erhalten von Menschen, die beim Packen oder beim Transport helfen wollen oder sonst ihre Mithilfe anbieten. Die Solidarität ist groß. Wir wollen aber nicht nur kurzfristig helfen, sondern auch, wenn es um den Wiederaufbau geht. Wir brauchen beispielsweise Statiker, die Häuser begutachten können, oder andere Fachleute, deren Expertenwissen jetzt dringend benötigt wird. Das ist das, was wir jetzt als nächstes angehen wollen.

Nähere Infos, Kontodaten und eine Bedarfsliste für Sachspenden gibt's unter www.zorneding-hilft.de. Zentrale Sammelstelle für Sachspenden ist die Gärtnerei Schütz in Pöring.

© SZ vom 22.07.2021
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