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Pionier im Landkreis Ebersberg:Per Tieflader zur Probefahrt

Busunternehmer Josef Ettenhuber wird als erster im Landkreis Wasserstoffbusse einsetzen. Im hügeligen Gelände rund um Glonn haben er und seine Mitarbeiter schon einmal Erfahrungen mit der neuen Technik gesammelt

Interview von Barbara Mooser

Eine Wasserstofftankstelle gibt es weit und breit nicht. Um die Probefahrt nicht mit einem leeren Tank antreten zu müssen, wurde der Bus mit einem Tieflader zum Firmengelände in Schlacht gebracht.

(Foto: Privat)

Ebersberg wird zur Wasserstoffregion, das steht nun fest: Gemeinsam mit den Landkreisen München und Landshut soll die neue Technik vorangebracht werden. Auch örtliche Unternehmer wollen sich an dem Experiment beteiligen: Josef Ettenhuber wird die ersten Wasserstoffbusse im Landkreis einsetzen und auf seinem Betriebsgelände auch eine Tankstelle haben. Das dauert zwar noch, aber erste Vorkehrungen werden schon jetzt getroffen, ein Wasserstoff-Bus wurde kürzlich in und um Glonn erprobt.

SZ: Sie werden Wasserstoff-Pionier im Landkreis Ebersberg sein, mussten aber Ihr Fahrzeug erst einmal wieder hergeben - ist es Ihnen schwer gefallen?

Josef Ettenhuber: Genau genommen war es ja nicht der erste Test, wir haben zusammen mit der Firma Geldhauser auch schon Busse von der Firma Caetano und Van Hool ausprobiert. Jetzt hatten wir eben noch ein Modell der Firma Solaris zur Probefahrt da. Vor allem waren das Verbrauchsmessfahrten, es ging also darum, herauszufinden, wie viel Wasserstoff die Fahrzeuge verbrauchen. Aber nein - es ist uns nicht schwergefallen, den Bus wieder herzugeben. Probefahrten gehören ja auch sonst zu unserem Geschäft.

Wie hat Ihnen der Solaris-Bus gefallen?

Sehr gut, beim Verbrauch hat er am besten abgeschnitten. Er lässt sich aber auch am besten in unsere Flotte integrieren. Wir haben schließlich auch schon andere Busse von Solaris.

Müssen sich die Fahrer groß umstellen?

Nein, für die Fahrer ist das gar keine Umstellung, dafür ist es für unsere Werkstatt eine Herausforderung. Beispielsweise dürfen die Wasserstoffbusse nicht in geschlossene Gebäude fahren ohne bestimmte technische Voraussetzungen. An der Decke müssen Detektoren angebracht sein; wenn Wasserstoff austritt, gehen dann sofort die Fenster auf. Bisher haben wir so etwas noch nicht, wir müssen also noch umbauen. Wir brauchen aber auch ganz andere Werkzeuge, schließlich besteht der Antrieb aus zwei Komponenten, nämlich dem elektrischen Antrieb und der Wasserstoffkomponente. Die Mechatroniker müssen sich mit dem Hochvoltbereich und dem Hochdruckbereich auskennen, das ist schon eine Herausforderung. Dafür müssen die Mitarbeiter auch noch geschult werden.

Freuen die sich drauf oder haben sie eher Bedenken?

Sie freuen sich darauf, schließlich ist es ja schön, wenn man an einem so innovativen Fahrzeug arbeiten kann, es ist eine Herausforderung und ein Anreiz. Die neue Technik wird es sicher auch in Zukunft leichter machen, Mitarbeiter zu gewinnen.

Wie ist denn der Probebetrieb überhaupt praktisch gelaufen - schließlich gibt es ja bisher noch keine Wasserstofftankstelle im Landkreis?

Josef Ettenhuber ist Geschäftsführer des gleichnamigen Busunternehmens in Schlacht bei Glonn. Unter anderem bedient das Familienunternehmen mehrere Linien im Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV).

(Foto: Christian Endt)

Ja, das ist das Henne-Ei-Problem: Was kommt als erstes, das Fahrzeug oder die Tankstelle? Im Normalfall hat ja jedes Busunternehmen eine eigene Betriebstankstelle, man muss spät abends und früh morgens tanken können. Aber bei dem Probebetrieb wurde der Bus aus Berlin auf einem Tieflader angeliefert, dann sind wir 400 Kilometer damit gefahren, bevor er mit fast leerem Tank auf dem Tieflader wieder abtransportiert wurde.

Durften denn Kunden mitfahren?

Nein, das war leider nicht möglich, weil wir nur ein rotes Kennzeichen hatten. Außer dem Busfahrer ist das Werkstattteam mitgefahren, auch Leute von der Energieagentur waren mal dabei, und auch der Landrat.

Wo haben Sie Ihre Probefahrt gemacht?

Wir haben den Bus vor allem im hügeligen Gelände um Glonn ausprobiert, das war uns wichtig, um zu sehen, wie viel er unter diesen Voraussetzungen verbraucht.

Und?

Die Reichweite war eher besser, als wir dachten.

Wasserstoffregion

Der Landkreis Ebersberg hat sich gemeinsam mit den Landkreisen Landshut und München sowie weiteren Projektpartnern aus Industrie und Wissenschaft erfolgreich als Wasserstoffregion beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur im Zuge des Förderprogramms HyLand beworben. 20 Millionen Euro Fördergeld fließen in den nächsten Jahren in die Region.

Ziel des Projekts der drei Landkreise ist es, Wasserstoff in der Region aus erneuerbaren Energien herzustellen und ihn dann auch in der Region zu verbrauchen - es handelt sich also um einen geschlossenen Wasserstoff-Kreislauf. Damit können Netzentgelte und EEG-Umlagen vermieden sowie die Stromkosten gering und die Auslastung der Elektrolyse hochgehalten werden, heißt es im Konzept für das Projekt. Produziert werden soll der Treibstoff unter anderem in Wasserkraftwerken im Landkreis Landshut, in den anderen beiden Landkreisen setzt man insbesondere auf große Fotovoltaikanlagen. Per Elektrolyse wird die Energie zu grünem Wasserstoff umgewandelt. Kernelement des Projekts ist, neben der Herstellung und Verteilung des regional erzeugten Wasserstoffs aus erneuerbaren Energien und der Errichtung von Tankstellen, die Einführung von Brennstoffzellen-Bussen im ÖPNV.

Hier ist die Glonner Firma Ettenhuber eines der Pionierunternehmen im Landkreis. Fünf Wasserstoffbusse werden hier von Herbst 2022 an eingesetzt. Einen Beitrag dazu leistet auch der Landkreis: Der Kreistag hat beschlossen, diese sogenannten On-Top-Busse mit jährlich bis zu 850 000 Euro zu fördern. SZ

Wie geht es jetzt weiter?

Im Oktober 2022 werden wir unsere fünf Busse bekommen, wo sie dann eingesetzt werden, wird vom MVV entschieden.

Macht Sie diese Perspektive auch ein bisschen nervös?

Wir freuen uns darauf, es ist wirklich an der Zeit, dass dieses Projekt endlich Fahrt aufnimmt. Seit 18 Monaten wird jetzt darüber diskutiert, in dieser Zeit bringen manche Frauen zwei Kinder zur Welt. Nervös sind wir gar nicht, wir haben ja schon einige Neuerungen hinter uns. Wir haben beispielsweise unsere Flotte vor einigen Jahren einmal komplett auf Biodiesel umgestellt, 2008 haben wir zwei Hybridbusse angeschafft, das waren einige unserer Meilensteine in der Vergangenheit. Heute haben wir 16 Busse mit Mild-Hybrid-Antrieb im Fuhrpark und als erstes Unternehmen im MVV eine Linie ganz auf Elektrobusse umgestellt. Wir haben eine sehr gute Werkstatt, deshalb können wir uns solche Sachen zutrauen.

© SZ vom 12.04.2021
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