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Müllsünder:Grafing setzt auf Videokameras

Grafing Wertstoffcontainer Kapellenstrasse.

So sollte es immer aussehen an der Wertstoffinsel in der Kapellenstraße. Doch an den Wochenenden ist oft Schluss mit Sauber.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Grafing unternimmt einen neuen Versuch, die Verschmutzung der Wertstoffinseln einzudämmen. Dazu sollen eine neue Sammelstelle eingerichtet und Wild-Kameras eingesetzt werden.

Will der Jäger wissen, was sich in seinem Revier so alles herumtreibt, kann er dazu auf technische Hilfe setzen. Dank Wild-Kameras, das sind Geräte, die mittels Bewegungsmelder Fotos schießen, erhält der Waidmann einen guten Überblick zu den Beständen von Wildschwein, Fuchs und Hase, manchmal ist sogar eine Überraschung in Form von Wolf oder Bär dabei. Einer ganz anderen Spezies, dem Saubären nämlich, ist man bald in der Stadt Grafing auf der Spur. Der zuständige Ausschuss des Stadtrates beschloss nun einstimmig die Anschaffung von vier Wild-Kameras. Diese sollen an zunächst zwei Wertstoffinseln eingesetzt werden, um deren Vermüllung zu verhindern.

Der Zustand der Sammelstellen in der Stadt bietet schon seit geraumer Zeit Anlass für Ärger. Die Idee, der Verschmutzung mittels Kameraüberwachung Herr zu werden, ist daher nicht neu. So beschloss der Bauausschuss vor sechs Jahren bereits die Installation von Kameras an der Sammelstelle in der Glonner Straße. Dies hatte allerdings nur für etwas weniger als ein Jahr Bestand: Als die Verschmutzung trotz Überwachung nicht nennenswert zurückging, stimmten die Stadträte Anfang 2011 dafür, die Sammelstelle samt Kameras komplett abzubauen. Ein neuer Versuch zur Überwachung von Wertstoffinseln wurde 2013 unternommen, fand angesichts der zu erwartenden Kosten von bis zu 30 000 Euro pro Jahr aber keine Mehrheit.

Günstig und nicht wartungsintensiv

Und da kommen die nun beschlossenen Wild-Kameras ins Spiel. Denn wie Umweltamtsleiter Wolfgang Bilo nun in der Sitzung erläuterte, seien die Wild-Kameras mit 250 Euro pro Stück vergleichsweise günstig und außerdem wenig wartungsintensiv. Es müsse lediglich ein Mal pro Monat der Akku nachgeladen werden. Funktionieren sollen die kleinen Fotofallen an den Inseln genau wie sonst im Wald: Sobald der Sensor eine Bewegung registriert wird, je nach Einstellung, eine Fotoserie oder ein kurzes Video aufgenommen. Vorbild ist die Stadt Landshut, wo solche Wildkameras bereits seit einiger Zeit im Einsatz sind - offenbar mit Erfolg, um zwei Drittel sei die Menge an illegal abgestellten Abfällen zurückgegangen. Eine Entwicklung, die sich Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) auch für Grafing wünscht: "Der Zustand unserer Wertstoffinseln ist oft eine Katastrophe."

Zunächst wird die Sammelstelle in der Kapellenstraße aufgerüstet, zwei Kameras will die Stadt in den kommenden Wochen dort installieren. Sinnvoll sei, so Bilo, "eine für den Tathergang, die andere, um die Nummernschilder von Fahrzeugen aufnehmen zu können." Einen Nachteil gibt es allerdings auch, nämlich "dass die Identität von Radfahrern und Fußgängern nur bei persönlicher Kenntnis ermittelt werden kann."

Ein Hinweis auf die Kameras ist Pflicht

Für die Stadträte kein Grund, die Überwachung abzulehnen, quer über alle Fraktionsgrenzen gab es große Zustimmung. Es sei eine gute Idee, "mal zu fotografieren, wer da immer diesen Unsinn abstellt", fand Max-Emanuel von Rechberg (CSU). Heinz Fröhlich (BfG) regte sogar an, gleich auch die Sammelstelle in der Lederergasse mit Kameras zu versehen, diese sei nämlich oft besonders verschmutzt. Das sei leider nicht möglich, so Bilo, da es dort wegen des Straßenverkehrs Konflikte mit dem Datenschutz gebe. Die Kameras dürften nur die Sammelstelle selbst aufnehmen und auch nur dann, wenn darauf mit einem Schild hingewiesen werde. Vielleicht sei dies in einigen Jahren möglich, meinte Rechberg, schließlich habe es früher auch immer geheißen, jegliche Überwachung an den Inseln sei unzulässig. Auch Wolfgang Huber (Grüne) riet zur Geduld. Wenn sich die Situation in der Lederergasse nicht bessere und man erste Erfahrungen mit den Kameras gesammelt habe, sei sicher eine Ausweitung möglich.

Ebenfalls beschlossen wurde die Einrichtung einer weiteren Sammelstelle, um die bestehenden zu entlasten. Diese soll direkt neben dem Wertstoffhof entstehen, was zum einen an der dort verfügbaren Fläche, aber auch am Zustand der übrigen Containerstandorte im Stadtgebiet liegt. "So wie es an den Inseln manchmal aussieht, ist es unmöglich neue aufzustellen, ohne dass die Anwohner protestieren", so Obermayr. In den kommenden Monaten werden Container für Papier, Pappe, Glas und Leichtverpackungen aufgestellt. Und weitere Wild-Kameras. Denn die Lage der neuen Sammelstelle könne dazu einladen, Sperrmüll oder Bauschutt dort abzuladen, so Bilo, ein Anreiz, dem man mit der Überwachung entgegenwirken will.

Auch Ebersberg setzt auf Videoüberwachung

Das Problem verschmutzter Wertstoffinseln kennt man auch in anderen Landkreiskommunen, zumindest in den größeren, die auf den Gelben Sack verzichten und Sammelstellen eingerichtet haben. Zu deren Sauberkeit setzt man etwa in der Kreisstadt seit einigen Jahren ebenfalls auf Videoüberwachung - allerdings sind die Kameras nicht fest installiert. Stattdessen hat Ebersberg ein privates Detektivbüro engagiert, dessen Mitarbeiter dann auf Fotosafari nach Müllsündern gehen. Kosten lässt sich die Stadt dies jährlich einen mittleren fünfstelligen Betrag, rund ein Drittel davon wird über Bußgelder refinanziert. Etwa 300 bis 400 Strafzettel stellt Ebersberg pro Jahr aus.

Weniger gute Erfahrungen hat dagegen Vaterstetten mit der Überwachung seiner Wertstoffinseln gemacht: An vier davon wurden 2012 während eines Pilotprojekts Kameras installiert - und ein Jahr später ersatzlos abgebaut. Grund waren zum einen die hohen Kosten von 300 Euro pro Kamera und Jahr sowie zum anderen die geringe Effizienz: Ganze sieben Müllsünder konnten dank Überwachung erwischt werden, der Gesamtwert der eingenommenen Strafgebühren lag unter 100 Euro.