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Unternehmen:Schnäppchen im Großformat

Kirchseeoner Gemeinderat erlaubt größere Werbeplakate für Aldi

Von Andreas Junkmann, Kirchseeon

Eine von vielen psychologischen Weisheiten über Werbung besagt, sie sei die Kunst auf den Kopf zu zielen und die Brieftasche zu treffen. In Kirchseeon stellte sich nun die Frage, wie groß - um im Bild zu bleiben - die Waffen dafür sein dürfen. Konkret ging es in der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderates um ein Gesuch der örtlichen Aldi-Filiale, die dortigen Werbeflächen zu erweitern. Während die Rathausverwaltung einen klaren Standpunkt dazu hatte, war die Meinung im Gremium gespalten. Und am Ende stand die Erkenntnis, dass auch ein großer Discounter vom Wohlwollen einiger Lokalpolitiker abhängig ist.

Bereits jetzt wirbt der Supermarkt am Westring in Eglharting mit einem sogenannten Pylon unmittelbar an der Straße für seine Angebote. Außerdem sind an dem Gebäude mehrere großflächige Banner angebracht, auf denen Kunden ebenfalls über die neuesten Aktionen und Rabatte informiert werden. Wie Daniela Roschow vom Bauamt in der Sitzung erklärte, sollen die Werbemittel nun an das neue Logo des Discounters angepasst werden. Ein entsprechender Bauantrag sei eingereicht worden. Dass ein solcher nötig ist, liegt daran, dass sich die Werbeflächen nicht nur optisch verändern, sondern auch größer werden - und das stellt in einem der Fälle ein Problem dar.

Während der Pylon an der Straße nur geringfügig von sieben Meter auf 7,5 Meter wächst und die Wandschilder an der nordwestlichen und südwestlichen Gebäudeseite mit etwa zwei Meter mal 2,5 Meter gleich bleiben, soll das Banner an der Nordfassade deutlich vergrößert werden - so sehr, dass es die Festsetzungen im dort geltenden Bebauungsplan klar überschreiten würde. "Das funktioniert aus unserer Sicht nicht", sagte Roschow. Im damals extra für den Bau der Aldi-Filiale ausgearbeiteten Regelwerk ist für Werbeanlagen eine maximale Ansichtsfläche von sechs Quadratmetern vermerkt. Das neuen Banner sollte nun aber eine Größe von 9,6 Quadratmeter haben. Eine solche Überschreitung des Bebauungsplans ist laut Roschow nicht vertretbar. "Das ist nicht mehr geringfügig."

Nun liegt die Entscheidung über genehmigungsbedürftige Bauvorhaben aber nicht bei der Rathausverwaltung, sondern beim Gemeinderat - und aus dessen Reihen kamen durchaus positivere Signale. So stellte Siegfried Seidinger etwa die Frage, ob es denn wirklich so schlimm sei, wenn das Plakat nun ein bisschen größer werden würde. "Das Gewerbe braucht und will die Werbung", so der CSU-Gemeinderat. Dem hielt Roschow entgegen, dass man dadurch eine Bezugswirkung für andere Geschäfte schaffen würde, die dann ebenfalls größere Plakate beantragen könnten. Konkret nannte sie die direkt nebenan gelegenen Edeka- und dm-Filialen.

"Wir sollten hier nicht ausufernd werden", sagte auch Bürgermeister Jan Paeplow, der damit die Mehrheit des Gremiums aber nicht auf seiner Seite hatte. Barbara Bittner (SPD) und Fraktionskollegin Diana Thalhammer jedenfalls waren der Ansicht, dass eine leichte Vergrößerung die Umgebung nicht nachhaltig verschandeln werde. Klaus Viellechner (Freie Wähler) verwies zudem auf die Geschäfte auf der anderen Seite der B304, die seiner Ansicht nach ohnehin bereits deutlich großflächiger werben würden.

Das darf künftig auch die Aldi-Filiale im Eglhartinger Gewerbegebiet machen, denn entgegen der Empfehlung aus dem Rathaus, sprachen sich die Gemeinderäte mehrheitlich dafür aus, dass die Werbeflächen vergrößert werden dürfen. Ob als Konsequenz daraus ein Nachahmer-Effekt eintritt und auch die umliegenden Geschäfte größere Plakate und Banner einfordern, wird abzuwarten sein. In jedem Fall hätten sie unter den Kirchseeoner Gemeinderäten dafür offenbar einige Fürsprecher.

© SZ vom 27.06.2020

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