Umstrittenes Denkmal in Grafing:Mauerbau war nur Notlösung

Die Einheitsfeier des CSU-Kreisverbandes hat ein Nachspiel im Stadtrat

Von Thorsten Rienth, Grafing

Die Posse um die Deutsche Einheitsgedenkmauer des CSU-Kreisverbands im Grafinger Stadtpark ist um eine Episode reicher: In der Stadtratssitzung am Dienstagabend stellte sich heraus, dass die umstrittene Mauerstele kaum mehr als eine Notlösung darstellte: Vor allem war ein Platz gesucht, um die Tafel mit den Namen der Denkmalspender anzubringen - die CSU-Abgeordneten in Brüssel, Berlin und München, Angelika Niebler, Andreas Lenz, Thomas Huber sowie CSU-Bürgermeister Christian Bauer.

Umstrittenes Denkmal in Grafing: Noch mal nachpolieren: Die CSU-Prominenz bei der Einweihung ihres Denkmals am 2. Oktober.

Noch mal nachpolieren: Die CSU-Prominenz bei der Einweihung ihres Denkmals am 2. Oktober.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Die Pflanzung der vier "Einheitsbäume" hätte bereits länger festgestanden, berichtete Bauer in der Bürgerfragestunde der Sitzung. Etwa eine Woche vor dem Einheitsfeiertag sei dann die Thematik rund um die Namensplakette aufgekommen. "Ein Findling erschien dafür unpassend." In der weiteren Diskussion sei dann die Idee mit dem Mauersegment entstanden. Dann sei kurzfristig entschieden worden. "Ich finde die Idee gut, dazu stehe ich nach wie vor", sagte Bauer.

Dies auch deshalb, weil Grafing über seinen mittlerweile verstorbenen Ehrenbürger Hermann Huber einen direkten Bezug zum Mauerfall hätte. Huber war zur Zeit des Mauerfalls Deutscher Botschafter in Prag - und hatte mit seiner Bereitschaft, erst Tausende Flüchtlinge aus der ehemaligen DDR in der Botschaft zu versorgen und ihnen dann ihre Ausreise zu ermöglichen, maßgeblich zur Erosion des alten Ost-West-Gefüges beigetragen.

Grafinger Mauer - 1.tes Graffiti auf dem CSU-Denkmal

Statt an den verstorbenen Grafinger Ehrenbürger Hermann Huber, der 1989 Botschafter in Prag gewesen war, erinnert die Tafel an der Einheitsmauer an einen anderen Huber aus Grafing plus drei seiner CSU-Parteifreunde.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Zuvor hatte sich Bauer teils harscher Kritik von den Zuschauerbänken stellen müssen - auch seiner Erklärung um den früheren Botschafter wegen. Weshalb dann auf der Tafel anstelle der CSU-Spender nicht eben diese Erläuterung stünde, rief prompt jemand von der Stadthallen-Empore. Eine andere Zuhörerin kritisierte: "Sie entscheiden als Bürgermeister mit drei anderen politischen Verantwortlichen aus der CSU, ihr einen Wunsch im öffentlichen Raum zu erfüllen - was ist denn das für ein Amtsverständnis?" Dass die Entscheidung ohne den Stadtrat gefallen war, bezeichnete die DGB-Kreisvorsitzende Maria Volland als "undemokratisch in jeder Hinsicht".

In der Sache selbst erhielt Bauer aber auch Unterstützung. "Ich finde es grundsätzlich gut, dass auf diese Weise an die Mauer erinnert wird", sagte Anja Walz. "Womöglich könnte man doch aber noch dazuschreiben, wie viele Menschen an der Grenze erschossen wurden."

Bürgermeister Bauer - aber auch die CSU-Fraktion in Person von Stadtrat Josef Rothmoser - erneuerten derweil ihre Kritik an der Art und Weise, wie das Denkmal in den sozialen Medien diskutiert würde. Ein regelrechter Shitstorm sei gegen die CSU losgebrochen.

Grafinger Mauer - 1.tes Graffiti auf dem CSU-Denkmal

Die Grüne Jugend hat sich auf der Einheitsmauer im Grafinger Stadtpark bereits verewigt.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Inwieweit die Bezeichnung zutrifft, dürfte allerdings in der Perspektive des Betrachters liegen. Auf Facebook ist beispielsweise von einem "Prestigeobjekt der CSU" zu lesen und davon, dass die Namenstafel "lächerlich und beschämend" sei. Ähnlich rustikale Kritik erhält jedoch auch die Grüne Jugend für die nächtliche Übermalung des Denkmals. Die sei "eindeutige Sachbeschädigung", für die es früher Zuhause "ordentliche Watsch'n" gegeben hätte, kommentierte etwa jemand.

Das Ende der Aussprache nutzte Bürgermeister Bauer für ein versöhnliches und durchaus selbstkritisches Schlusswort: "Es ist schlecht gelaufen, es ist blöd gelaufen", sagte er. "Ja, ich hätte den Stadtrat einbinden müssen, nicht verpflichtend, aber moralisch." In Zukunft werde er aber bei ähnlichen Situationen sensibler sein, versprach Bauer.

© SZ vom 08.10.2020
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