Poing:Gotteshaus zum Selberbauen

Poing: Die Poinger Pfarrkirche gibt es jetzt als Model aus Lego-Steinen.

Die Poinger Pfarrkirche gibt es jetzt als Model aus Lego-Steinen.

(Foto: Christian Endt)

Die Kirche Seliger Pater Rupert Mayer gibt es dieses Jahr auch als Modell-Bausatz für zu Hause. Die Nachfrage nach dem Set aus dem Pfarrbüro Poing war so groß, dass bereits eine Neuauflage in Planung ist.

Von Saladin Salem, Poing

In Poing gibt es dieses Jahr einen ganz besonderen Adventskalender - dafür hat das Pfarrbüro der Stadt gesorgt. Hinter den Türen verbirgt sich nicht wie zu vermuten wäre Schokolade, sondern diverse kleine Plastiksteinchen. Die insgesamt 66 Teile gehören zum Bausatz für die Pfarrkirche Seliger Pater Rupert Mayer. Wer schließlich am 24. Dezember alle Türen geöffnet hat, erhält ein etwa faustgroßes Modell des Gotteshauses - aus Lego.

Aber auch Teile anderer Hersteller von Bausteinen wurden für den Nachbau verwendet, erzählt Pfarrer Philipp Werner. Die Idee sei ihm vor etwa zwei Jahren im Kindergarten des Pfarrheims gekommen. Ein damals sechsjähriger Junge habe versucht, das Kirchengebäude zu Hause nachzubauen. Das Modell sah schon ungefähr aus, wie das Original, erinnert sich Werner. Dem Kind hatten aber noch einige passende Steine gefehlt. Der Pfarrer und Florian Sachs, der damals seinen Bundesfreiwilligendienst in der Pfarrei ableistete, nahmen dann selbst die Sache in die Hand.

Poing: Die originale Pfarrkirche wurde 2019 mit dem Architekturpreis "Große Nike" ausgezeichnet.

Die originale Pfarrkirche wurde 2019 mit dem Architekturpreis "Große Nike" ausgezeichnet.

(Foto: Christian Endt)

Bis zur Fertigstellung des Bausatzes aus weißen, grauen, gelben und durchsichtigen Steinen hat es allerdings eine Weile gedauert. "Es war sehr kompliziert, die Teile zu besorgen", sagt Werner. Sachs habe das Projekt koordiniert. Der Pfarrer selbst verbrachte einige Zeit damit, am Computer einen Entwurf für das Modell zu erstellen. Auch die Bauanleitung, die den Sets beiliegt, entstand auf diesem Weg. Als es dann ans Bauen ging, wurde in Kisten gekramt und ausprobiert. Die bestellten Bauteile stapelten sich zwischenzeitlich kartonweise im Pfarrbüro, erinnert sich Werner.

150 Bausätze wurden dann sortiert und in Kalendern verpackt, weitere 150 seien in der Pfarrei angeboten worden. "Wir dachten am Anfang, wir bekommen die 150 Kalender nicht los. Dann wurden wir aber überrannt", erzählt Werner. Mittlerweile seien aber alle 300 Bausätze vergriffen. Dass die Nachfrage so groß ausfiel, sei auch an den Reaktionen aus dem Umfeld der Gemeinde zu spüren gewesen, selbst der Bürgermeister habe sich dafür begeistert, so der Pfarrer. Obwohl die Kirche selbst erst etwa fünf Jahre alt ist, sei diese schon eine "Ikone" und eine Verbindung für die Menschen zu ihrem Ort.

Aufgrund der hohen Nachfrage führt das Pfarrbüro mittlerweile sogar Wartelisten, selbst Museen und Bibliotheken hätten Interesse an der Lego-Kirche bekundet, heißt es. Etwa 500 Stück werde man noch einmal machen müssen, erzählt Werner. Auch eine etwa doppelt so große Version wäre denkbar. Bei der hohen Nachfrage betont der Pfarrer allerdings, dass in erster Linie die Poinger bei Interesse das Kirchenmodell bekommen sollen.

Poing: Pfarrer Philipp Werner war von der Nachfrage überrascht.

Pfarrer Philipp Werner war von der Nachfrage überrascht.

(Foto: Christian Endt)

Die Bausätze und Kalender werden dabei komplett kostenlos herausgegeben. Die Beschaffung der Materialien wurde vom Hotel Poinger Hof finanziert, dessen Betreiber begeistert von der Idee war. Wer das Glück hatte einen Bausatz zu erhalten, konnte aber für die Wallfahrt von 44 Ministrantinnen und Ministranten im kommenden Jahr nach Rom spenden. Es sei vor allem auch eine Aktion der Ministranten, betont Pfarrer Werner. Sie hätten die Säckchen für die Kalender sortiert und die Bausätze zusammengestellt. Zwischenzeitlich sei das ein "Riesen-Halligalli" im Pfarrbüro gewesen.

Nun hofft er, dass die Kalender möglichst ohne falsch sortierte Bauteile bei den Menschen ankommen. Für die Wallfahrt seien zahlreiche Spenden zusammengekommen. Diese sollen den Ministranten zugutekommen, denen nicht viel Geld zur Verfügung steht und die teilnehmen wollen. So könnten in Rom unter anderem Eintrittspreise oder Kosten für Essen erleichtert werden. Es seien sogar so viele Spenden zusammengekommen, dass selbst den jüngeren Kindern, die noch nicht alt genug für die Fahrt sind, eine Aktion ermöglicht werden soll. Diese hätten schließlich auch mitgeholfen, so Werner. Auf der Wunschliste stehe etwa ein Ausflug in einen Freizeitpark.

Die Kirche Seliger Pater Rupert Mayer, entworfen von den Münchner Architekten Andreas Meck und Axel Frühauf, war im Jahr 2018 geweiht worden. Ein Jahr später erhielt das Bauwerk die "Große Nike" des Bundes Deutscher Architekten (BDA), einen renommierten deutschen Architekturpreis, und stach dabei sogar die Hamburger Elbphilharmonie aus. Nachdem im Juli 2022 ein Feuer Teile der Kirchenfassade beschädigt hatte, sind Ende November 2023 die Sanierungsarbeiten an dem Bau nun endlich abgeschlossen, erklärte Pfarrer Philipp Werner.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusHistorische Rarität in Ebersberg
:Die Rettung hat begonnen

Zwei Experten haben die 300 Jahre alte Turmuhr von Sankt Sebastian zerlegt und begutachtet. Zum hürdenreichen Abtransport rücken zahlreiche Vereine an, derweil versuchen Heimatforscher, das Rätsel um die Herkunft der Mechanik zu lösen.

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: