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Musikschule Vaterstetten:Rettung in großer Not

hashtag - rettet die Musikschulen

Bereits im April machte die Musikschule Vaterstetten per Livestream auf ihre schwierige Situation aufmerksam. Diese ist eher noch schwieriger geworden, die Trägergemeinden haben darum nun einen Rettungsfonds aufgelegt.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Um die Corona-Krise abzufedern, stellen die Mitgliedsgemeinden der Musikschule Vaterstetten 150000 Euro zur Verfügung.

Von Wieland Bögel, Vaterstetten

Die Folgen der Corona-Krise machen sich besonders im Kulturbereich bemerkbar - auch bei der größten Musikschule im Landkreis sind die finanziellen Einbußen erheblich. Wegen abgesagter Kurse bei trotz Kurzarbeit hoher Kosten könnte die Musikschule Vaterstetten, an der neben der Großgemeinde auch Grasbrunn, Poing und Zorneding als Mitglieder im Trägerverein beteiligt sind, um die 130 000 Euro Defizit zum Jahresende einfahren. Die vier Gemeinden haben darum nun beschlossen, einen Notfallfonds aufzulegen, um die Einrichtung vor dem Konkurs zu bewahren, insgesamt 150 000 Euro soll die Sonderrücklage betragen.

Der Vorsitzende des Trägervereins von VHS und Musikschule, Peer Frieß, hatte sich vor gut einem Monat an die Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden gewandt und die dramatische Lage geschildert: Durch die Einschränkungen aufgrund des Infektionsschutzes könnte die Musikschule unter anderem die Kurse zur musikalischen Früherziehung in den Kitas nicht anbieten. Wie Vaterstettens Kämmerer Markus Porombka nun in der Gemeinderatssitzung erläuterte, seien aber gerade diese Kurse eine der Haupteinnahmequellen der Bildungseinrichtung.

Die Folgen seien dramatisch, laut Frieß könnte das Defizit - die 130 000 Euro sind nur eine vorsichtige Schätzung - "das Ende der Institution bedeuten". Hintergrund ist, dass die Musikschule in ihrer jetzigen Form noch vergleichsweise neu ist. Zwar gibt es die Einrichtung seit mehr als 40 Jahren, vor drei Jahren wurde allerdings die Organisationsstruktur geändert. Statt dem alten VHS-Verein, zu dem die Musikschule gehörte und dem jeder beitreten konnte, wurden die beiden Einrichtungen getrennt und für jede davon ein Trägerverein gegründet, deren beider Vorsitzender Frieß seit zwei Jahren ist. Mitglied in den Vereinen können nurmehr Gemeinden sein, und zwar jene, welche die jeweilige Einrichtung finanziell stützen. Im Falle der Musikschule eben Grasbrunn, Poing, Vaterstetten und Zorneding. Dass diese nun um einen Sonderzuschuss gebeten wurden, liege daran, dass sich laut Frieß die neue Struktur zwar konsolidiert habe, allerdings habe man noch keine Rücklagen aufbauen können.

Dies wollen die vier Gemeinden nun tun, insgesamt 150 000 Euro sollen dazu auf ein Sonderkonto eingezahlt werden. Wie Porombka erläuterte, habe man sich entschieden, dies noch in diesem Jahr zu tun, da wegen der Corona-Krise nicht absehbar sei, welche Spielräume es kommendes Jahr in den Gemeindehaushalten gebe. Die Anteile, die die vier Kommunen in den Rettungstopf einzahlen, richten sich nach der Verteilung der Musikschüler auf die jeweiligen Gemeinden, gemessen an der Stundenzahl. Die meisten werden von Vaterstettenern in Anspruch genommen: Insgesamt 60,2 Prozent aller Stunden wurden von Personen gebucht, die ihren Wohnsitz in der Großgemeinde haben, 15,48 Prozent in Poing, 12,98 in Zorneding und 11,34 Prozent in Grasbrunn. Daraus ergibt sich, dass Vaterstetten 90 300 Euro in die Sonderrücklage einzahlt, Poing 23 220, Zorneding 19 470 und Grasbrunn 17 010 Euro.

Verwalten soll den Corona-Fonds ein Finanzbeirat, dieser Vorschlage kam aus der Musikschule selbst, dies biete den Mitgliedsgemeinden "die Gewähr dafür, dass der Sonderzuschuss tatsächlich nur als Notfallabsicherung verwendet wird", schreibt Frieß. Tatsächlich werde für den gar nicht so unwahrscheinlichen Fall, dass die Musikschule das Geld nicht in kompletter Höhe benötigt, der Rest an die Gemeinden zurückerstattet, dabei gelte der gleiche Schlüssel wie bei der Verteilung der Einzahlungen, sagte Porombka. Er wird, genau wie die Bürgermeister von Poing, Zorneding und Grasbrunn, Thomas Stark, Piet Mayr und Klaus Korneder, dem Finanzbeirat angehören.

Der Vaterstettener Gemeinderat befürwortete den Zuschuss ohne Gegenstimmen. Damit kann der Rettungsschirm kommen, in den vergangenen Wochen hatten bereits die zuständigen Gremien in den anderen drei Mitgliedsgemeinden zugestimmt.

Eine Nachfrage zur Notwendigkeit des Hilfsfonds kam von Wolfgang Schermann (SPD-Fraktion). Er wollte wissen, warum die Musikschule nicht einfach Überbrückungshilfen in Anspruch nehmen könne, wie es andere Kultureinrichtungen täten. Dies habe man versucht, so Porombka, "aber alle Anträge auf Finanzhilfen sind abgelehnt worden". Grund ist, dass die Hilfsgelder nur dann fließen, wenn die entsprechende Einrichtung wegen Corona komplett schließen musste und es daher überhaupt keine Einnahmen gibt. Dies treffe aber nicht auf die Musikschule zu, denn diese sei im Teilbetrieb, habe also gewisse Einnahmen. Was zwar nicht dafür ausreiche um die Kosten zu decken - "die Musikschule ist die öffentliche Einrichtung, die am meisten unter der Krise zu leiden hat, alle Szenarien sind tiefrot" - aber dafür, damit der Anspruch auf finanzielle Unterstützung wie die Überbrückungshilfen verloren gehe.

© SZ vom 21.11.2020
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