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Museum in Ebersberg:Die Schau muss weitergehen

Nach dem Brand im Museum Wald und Umwelt: Der Wiederaufbau kann nun beginnen. Bis die Dauerausstellung eröffnet wird, dürften aber noch ein paar Jahre vergehen.

Von Wieland Bögel

Etwas mehr als ein Jahr, nachdem das Museum Wald und Umwelt durch ein Feuer schwer beschädigt wurde, darf die Sanierung beginnen. Bereits Mitte Januar konnte Ebersbergs Bürgermeister Ulrich Proske (parteilos) die gute Nachricht verkünden, dass die Baugenehmigungen da sind. Nun hat Museumsleiter Hannes Müller im Umwelt-, Sozial- und Kulturausschuss des Stadtrates vorgestellt, wie es mit der Bildungseinrichtung auf der Ludwigshöhe weitergehen soll.

Denn die Behebung der Brandschäden ist nur der eine Teil, und -wie im Ausschuss dargelegt- , derjenige, der noch vergleichsweise zeitig zu erledigen ist. Laut Müller soll die Sanierung des Gebäudes noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Weitaus später dürfte allerdings die Wiedereröffnung der Dauerausstellung stattfinden. Denn zwar sind die meisten Exponate, darunter die wertvolle Holzbibliothek von Candid Huber, die gewissermaßen den Kern der Ausstellung bildete, beim Brand nicht beschädigt worden. Die Ausstellung selbst aber musste wegen der Verschmutzung durch Ruß abgebaut werden. Seitdem sind die Exponate eingelagert.

Waldmuseum im Winter

Beschädigtes Schmuckstück: Ein Feuer hat am Museum Wald und Umwelt in Ebersberg schlimme Spuren hinterlassen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Der Plan ist nun, nicht einfach die alte Dauerausstellung wieder aufzubauen, sondern diese gleich neu zu gestalten. Dies habe ohnehin angestanden, schließlich wurde die bisherige Ausstellung zusammen mit dem Museum im Jahr 2004 eröffnet. Das Konzept dafür ist sogar noch ein gutes Jahrzehnt älter. Zwar wurde die Dauerausstellung in den vergangenen 16 Jahren immer wieder umgestaltet, um aktuelle Themen und modernere Präsentationstechniken mit aufzunehmen, so Müller. Aber "die Notwendigkeit einer grundlegenden Überarbeitung hat sich mit jeder dieser Umgestaltungsmaßnahmen verfestigt."

Als Themen, die in einer künftigen Dauerausstellung stärker gewichtet werden sollen, nennt Müller etwa den Klimawandel und das weltweite Artensterben, was zu der Frage führe, "wie wir die Zukunft unseres Planeten gestalten wollen". Diese solle im Museum natürlich mit dem Schwerpunkt "Ökosystem Wald" gestellt werden, speziell jenem im und um den Ebersberger Forst. Etwa, in welchem Zustand er ist und wie er in Zukunft aussehen könnte. Auch menschliche Einflüsse sollen dargestellt werden, etwa die Geschichte der Besiedlung des Gebietes und wie der Wald in früheren Jahrhunderten genutzt wurde. Genau wie die Bedeutung, die der Forst heute sowohl in wirtschaftlicher Hinsicht als auch für die Naherholung hat.

Waldmuseum im Winter

Nach dem Brand kann nun die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes beginnen. Die Verantwortlichen hoffen, dass die Baumaßnahmen noch in diesem Jahr abgeschlossen werden können.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Neben dem Inhalt sollen auch Gestaltung und Präsentation der Ausstellung modernisiert werden. Dazu habe man sich das Motto "Zusammenhänge begreifen - Überzeugungen hinterfragen" überlegt. Dieses soll bedeuten, dass die gezeigten Informationen in einen Bezug zu den Betrachtern gesetzt werden, diese sollen zum Nachdenken angeregt werden. Dabei sollen die Themen auch stärker als bisher miteinander verknüpft werden, ein "roter Faden" soll durch die Ausstellung führen. Diese soll außerdem enger mit der benachbarten Umweltstation verbunden werden. Auch moderne Technik soll zum Einsatz kommen - aber nicht zu viel. Denn die Ausstellung solle möglichst viele Sinne ansprechen, sinnvoll könnte allerdings ein digitaler Museumsführer per Smartphone sein. Wie bisher will man eine große Zielgruppe ansprechen, von Familien mit Kindern über Schulklassen bis hin zu Ausflüglern, die in der Region zum Wandern gehen. Allerdings liege ein Schwerpunkt der Ausstellung auf der kindgerechten Vermittlung, denn, so heißt es im Grobkonzept: "Das Museum nimmt diese Generation als Entscheidungsträger für die Zukunft unserer Gesellschaft ernst und möchte dies auch vermitteln."

Sofort mit der Einrichtung loslegen können Müller und sein Team noch nicht, zunächst muss aus dem Grobkonzept eine konkrete Gestaltung erarbeitet werden. Dazu wird nun ein entsprechendes Büro beauftragt, der Ausschuss brachte ohne Gegenstimmen eine entsprechende Ausschreibung auf den Weg. Fraktionsübergreifend gab es viel Unterstützung für den vorgeschlagenen Weg: "Das Museum liegt uns allen am Herzen, das Konzept finde ich sehr gut", so Florian Brilmayer (CSU). Susan- ne Schmidberger (Grüne), meinte, sie sei "ganz zuversichtlich", eine gute Umsetzung zu bekommen - empfahl dafür aber noch "etwas Dramatik" angesichts der Situation, Stichwort Klimawandel und Umweltzerstörung. Dominic Mayer (Pro Ebersberg) sagte: "Ich freue mich, dass wir etwas Neues machen." Bürgermeister Proske erwartet nichts weniger als "einen Dreh- und Angelpunkt im Forst", mit dem man auch andere wissenswerte und interessante Dinge verknüpfen könnte - etwa den im vergangenen Sommer erneut untersuchten historischen Brunnenschacht, ebenfalls ein Zeugnis früher Forstnutzung.

Das war 2020

Das Museum Wald und Umwelt in Ebersberg hatte 2020 sein wohl schwierigstes Jahr seit der Eröffnung 2004: Am 18. Dezember 2019 brach ein Feuer aus, das zum Glück zwar die wertvollen Exponate verschonte, das denkmalgeschützte Gebäude aber schwer beschädigte. Am schlimmsten wurde der Dachstuhl in Mitleidenschaft gezogen. Zeitweise musste das historische Bauwerk mit Folien abgedeckt werden, um es vor Regenwasser zu schützen. Im Gebäude selbst waren Trockner aufgebaut, um die Feuchtigkeit des Löschwassers aus der Bausubstanz zu ziehen. Als das Haus Anfang März soweit wieder hergerichtet war, dass es für Besucher hätte zumindest teilweise geöffnet werden können - es war sogar schon eine Sonderausstellung aufgebaut - kamen die Corona-Einschränkungen, das Museum blieb vorerst zu. Im Mai konnte es dann doch wieder öffnen, bis die erneute Verschärfung des Infektionsschutzes die Saison endgültig beendete.

So kam man in dem Jahr lediglich auf 49 Öffnungstage, 2019 waren es noch 91 gewesen. Dies zeigt sich auch an der Zahl der Veranstaltungen an der Umweltstation, lediglich 119 waren insgesamt möglich im Vergleich zu 398 im Jahr 2019. Die Besucherzahlen gingen hier noch drastischer zurück: Von 8092 im Jahr 2019 auf 1668 im vergangenen Jahr. Dies liegt laut Museumsleiter Hannes Müller zum einen an den Hygienemaßnahmen, die weniger Personen im Gebäude zulassen, besonders aber an der geringeren Zahl der Veranstaltungen für Schulklassen. Dementsprechend sind auch die Einnahmen gesunken: Verzeichnete das Ebersberger Museum für 2019 noch einen Überschuss von rund 10 000 Euro, war es im vergangenen Jahr ein Minus von 5000 Euro. SZ

Noch im Februar, spätestens im März, könnte die Ausschreibung veröffentlicht werden. Dann haben interessierte Büros sechs Wochen Zeit, aus dem Grobkonzept einen Umsetzungsvorschlag zu erarbeiten. Ein Gremium aus Vertretern der Stadt, hier die Ausschussmitglieder und der Bürgermeister, des Museums und des Museums-Förderkreises FÖK wird dann einen Gestalter auswählen.

Bis man die Ausstellung dann aber besichtigen kann, könnte es noch etwas dauern. Auf Nachfrage Brilmayers nannte Müller einen Zeitrahmen von drei bis vier Jahren - "je nach Finanzkraft". Zumindest sei dies die Einschätzung der Landesstelle für nichtstaatliche Museen. Mayer wollte wissen, wie es denn in der Zwischenzeit im Museum aussehen werde, konkret, ob die Besucher nichts als leere Räume betrachten könnten. Dies sei nicht der Fall, so Müller, sobald die Sanierung der Innenräume abgeschlossen sei, würden einige der derzeit ausgelagerten Exponate in einer Sonderausstellung zu sehen sein. Wenn auch nicht alle und in einer "gestalterisch rudimentären" Form. Der Plan ist, dass diese Übergangsausstellung im Erdgeschoss aufgebaut wird, derweil wird das Untergeschoss für die Dauerausstellung hergerichtet. Im Obergeschoss sollen künftig Veranstaltungen wie etwa die Seminare stattfinden.

© SZ vom 02.02.2021
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