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Mitten in Zorneding:Schliersee-Momente am Waldspielplatz

Rund um Zorneding tummeln sich so viele an ihren Autokennzeichen identifizierbare Münchner, dass sich die Einheimischen ein bisschen wie in den bayerischen Touristen-Hotspots fühlen können

Glosse von Karin Kampwerth

Firstalm? Oder doch lieber der Forst? Die Münchner an sich sind nicht auf den Kopf gefallen, deshalb haben sich viele zu Herzen genommen, worum sie die Menschen in den beliebten Ausflugsregionen Richtung Alpen quasi angefleht haben: "Kommt bitte nicht zu uns!" Wozu auch? Denn seit dem sonnigen Wochenende ist klar: Der Ebersberger Forst gehört von sofort an zu den Top-Zielen für einen wunderbaren Wintertag.

Rund um Zorneding etwa tummelten sich so viele an ihren Autokennzeichen identifizierbare Münchner, dass sich die Einheimischen ein bisschen wie auf jener Hot-Spot-Firstalm oberhalb vom Spitzingsee fühlen konnten. Overtourism wie aus dem Bilderbuch. Die Ausflügler drängelten auf der Suche nach Parkplätzen Spaziergänger auf den Feldwegen ins Gebüsch, schickten die Kinder auf ihren Schlitten jeden abschüssigen Acker herunter, trampelten für die Tiefschnee-Experience quer über weiß bedeckte Wiesen - und - kein Witz - ließen die Kleinen auch mal den Hang an der S-Bahn hinaufklettern, um Züge richtig aus der Nähe zu sehen. Natürlich darf nicht verschwiegen werden, dass es selbstverständlich Profiteure des Ansturms gab: Die Tagestouristen hinterließen beim obligatorischen Waldspaziergang so viele Zellstoff-Tücher, dass es für Hunde ein aus menschlicher Sicht zweifelhafter Erfolg war, diese unter Schneehaufen aufzuspüren.

Zugegeben, insbesondere Familien hatten sich als Ziel den über Zorneding hinaus bekannten Waldspielplatz ausgesucht. Doch der ist Corona-bedingt leider geschlossen, nachdem es dort zahlreiche Verstöße gegen Kontaktbeschränkungen gegeben hatte. Dass Eltern und Kinder auf Wald und Wiesen auswichen, ist nachvollziehbar. Nun blickt mancher Zornedinger mit gemischten Gefühlen auf die sonnigen Aussichten für das kommenden Wochenende. Nicht, dass Gäste nicht willkommen wären. Blöd nur, dass man selber wahrscheinlich nicht ausweichen kann. Die Corona-Inzidenz verbietet einen Ausflug - zum Beispiel an den Schliersee.

© SZ vom 12.01.2021
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