Mitten in Vaterstetten:Auf den Busch geklopft

Lesezeit: 2 min

Betrunken durch die Ortschaft zu rasen, ist natürlich gefährlich und nicht empfehlenswert - hat manchmal aber auch kuriose Folgen.

Glosse von Wieland Bögel, Vaterstetten

Fragen der Gartengestaltung kann man nicht auf die leichte Schulter nehmen - einerseits ganz wörtlich, angesichts der derzeit trotz vielfältiger Kritik grassierenden Mode zu Steinen und Schotter, aber auch, wie ja eigentlich bei allem, im übertragenen Sinne. Manchmal kann die Gartenästhetik über wichtige Dinge des Lebens entscheiden, etwa ob man in nächster Zeit zum Führen eines Kraftfahrzeuges berechtigt ist.

Im Fall eines 63-Jährigen aus Vaterstetten lautet die Antwort - so viel sei schon vorab verraten - deutlich "Nein". Am späten Montagabend wollte eine Polizeistreife das Auto des Mannes in der Karl-Böhm-Straße kontrollieren, doch der hatte darauf offensichtlich wenig Lust. Er "entzog sich der Verkehrskontrolle und erhöhte seine Geschwindigkeit deutlich", wie der Polizeibericht nüchtern vermerkt: "Teilweise wurden Geschwindigkeiten von über 100 Kilometern pro Stunde innerhalb geschlossener Ortschaften erreicht."

Was - das steht nun nicht im Polizeibericht, dürfte aber allen, die in der Großgemeinde gelegentlich mit dem Auto unterwegs sind, sofort in den Sinn kommen - an sich eine bemerkenswerte Leistung ist. Schließlich ist es in Vaterstetten gewissermaßen Tradition, auf keinen Fall in Garagen, Carports oder ähnlichen, das Fahrzeug einengenden Objekten zu parken. Autos gehören schließlich auf die Straße, ob sie fahren oder nicht. Ob die Sitte des grundsätzlichen Straßenrandparkens dafür ursächlich war, erwähnt der Polizeibericht zwar nicht, wohl aber, dass die Streife den innerörtlichen Raser aus den Augen verlor. Allerdings nicht, ohne sich zuvor dessen Kennzeichen zu notieren.

An der zum Nummernschild passenden Adresse konnten die Beamten das verdächtige Fahrzeug schnell finden - es war natürlich vor dem Haus geparkt. Was in diesem Fall möglicherweise eher der Eile des Benutzers, denn der Vaterstettener Draußenparktradition geschuldet war. Das Auto sei leer und nicht abgesperrt gewesen, protokollierten die Polizisten später.

Der weitere Wortlaut des Protokolls führt dann endlich zur Gartengestaltungsthematik und lautet wie folgt: "Auf Klingeln öffnete die Ehefrau des Fahrzeughalters. Sie gab an, dass ihr Mann mit dem Pkw unterwegs gewesen sei. Da er nicht zu Hause war, rief sie ihn am Handy an. Die Polizeibeamten konnten daraufhin ein Klingeln im Garten des Anwesens wahrnehmen. Bei einer Nachschau wurde der 63-jährige Fahrzeughalter hinter einem Busch sitzend angetroffen. Der Mann war augenscheinlich alkoholisiert."

Leider nicht erwähnt werden Art und Größe des Gebüschs, wobei Letztere ganz offensichtlich nicht ausreichend gewesen ist. Was indirekt vielleicht doch für den Steingarten spricht: Hätte es im Garten ausgesehen wie in Carnac, die Polizisten würden wohl heute noch nach dem Raser suchen.

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