Nahverkehr in Vaterstetten:Kleiner Bus, große Aufregung

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Nahverkehr in Vaterstetten: Kann der Linienbus-Verkehr durch ein Rufbus-Angebot ergänzt werden? Darum ging es nun in Vaterstetten.

Kann der Linienbus-Verkehr durch ein Rufbus-Angebot ergänzt werden? Darum ging es nun in Vaterstetten.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

In Vaterstetten wird ein Rufbusmodell vorgestellt - das Lob erntet, aber auch Kritik. Einige befürchten Konkurrenz zum bestehenden Nahverkehrsangebot.

Von Wieland Bögel, Vaterstetten

Die Größe der Großgemeinde Vaterstetten betrifft nicht zuletzt die Ausdehnung in der Fläche - und das bringt einige Probleme mit sich. Zumindest für alle Bürger, die von Bahnhöfen und Supermärkten etwas weiter entfernt wohnen, und die sind in den vergangenen Jahren immer mehr geworden. Eine Möglichkeit, wie sich der öffentliche Nahverkehr in den Randbereichen und zu Randzeiten verbessern lassen könnte, wurde nun im Gemeinderat vorgestellt: Ein Rufbussystem könnte die Lücke zwischen Taxi und Omnibus schließen.

Wie ein solches in der Praxis funktionieren kann, stellten Robert Schotten und Clemens Deyerling von der Firma Omobi vor, die bereits in Murnau und Holzkirchen einen Rufbusdienst anbieten. Dieser unterscheidet sich vom klassischen Linienbus dadurch, dass es keine festen Routen und Fahrpläne gibt. Stattdessen lässt sich der Service ähnlich wie ein Taxi einsetzen - allerdings muss man sich zuvor als Nutzer registrieren. Dies ist per Smartphone, aber auch telefonisch möglich, genau wie die Buchung einer Fahrt. Bei den Preisen ist man dagegen wieder eher im Bereich Omnibus, in Murnau kostet eine Fahrt 2,50 Euro, in Holzkirchen zwei Euro.

Die Vertreter des Rufbus-Unternehmens betonen die Flexibilität ihres Systems

Der Vorteil ihres Systems gegenüber bestehenden Rufbusangeboten sei die neuartige Routenplanung, so die Anbieter. Dafür nutze Omobi eine eigens entwickelte Software, welche die optimale Verbindung zwischen den verschiedenen Ein- und Ausstiegspunkten ermittle. Dies erhöhe auch die Kapazität, so habe man in Murnau mittlerweile bei zwei Minibussen eine Auslastung von etwa 100 Passagieren pro Tag - eine einige Jahre zuvor erhobene Fahrgastzählung habe für den Linienbus 18 Fahrgäste am Tag ergeben.

Aus dem Gremium gab es dazu eine Reihe an Fragen, Bürgermeister Leonhard Spitzauer (CSU) wollte wissen, wie die Haltestellen gestaltet sein müssen, und wie es um die Barrierefreiheit bestellt ist. Haltestellen im eigentlichen Sinne brauche es eigentlich keine, so die Omobi-Vertreter, rein theoretisch könne der Minibus überall dort Fahrgäste aufnehmen und absetzen, wo dies auch Privatleute mit deren Autos tun könnten. Aus rechtlichen Gründen habe man allerdings feste Haltepunkte im System hinterlegt, das seien mehr als Hundert im jeweiligen Einsatzgebiet. Bauliche Maßnahmen seien für die Einrichtung eines solchen Haltepunkts allerdings keine nötig, bei Bedarf ließen sich außerdem weitere leicht hinzufügen.

Was allerdings auch bedeutet, dass die Haltepunkte nicht speziell barrierefrei ausgebaut sind. Dies kritisierten Zweite Bürgermeisterin Maria Wirnitzer und Cordula Koch (beide SPD). Schließlich nehme die Gemeinde viel Geld in die Hand, um die Bushaltestellen barrierefrei zu machen, dieser Standard solle auch für einen Rufbus gelten. Wozu man laut Deyerling aber auch andere Möglichkeiten habe. So könne die beauftragende Kommune barrierefreie Fahrzeuge anfordern, wo man etwa auch mit Rollstuhl einsteigen kann. Außerdem würden die Fahrer beim Ein- und Aussteigen behilflich sein. Zudem sei ein Haltepunkt in Wohnungsnähe ebenfalls ein Beitrag zur Barrierefreiheit.

Bedeutet ein Rufbus Konkurrenz zum bestehenden Nahverkehr?

Wirtschaftsförderer Georg Kast wollte wissen, welche Kosten auf die Gemeinde zukommen, sollte man sich für den Minibus-Service entscheiden. Eine Frage, die den Omobi-Vertretern sichtlich nicht angenehm war. Nach längeren Ausführungen zu Fördermitteln und Refinanzierung durch Ticket-Einnahmen stand die Summe von 100000 Euro Defizit, welche die Gemeinde Murnau auszugleichen hat.

Fast schon ungehalten wurden die Referenten, als Josef Mittermeier (SPD) ziemlich deutlich andeutete, mit den Rufbussen werde dem bestehenden Nahverkehr das Wasser abgegraben. Man sei hier, um das System vorzustellen, nicht um sich dafür zu rechtfertigen, so Deyerling. Außerdem sei es an der Kommune, das Rufbus-Angebot zu definieren und eventuelle Konflikte mit dem Bestand auszuräumen.

Etwas mehr Sympathie für den Bedarfsbus äußerte Benedikt Weber (CSU), er verwies darauf, dass die Auslastung der Busse nicht immer optimal sei: "Da fährt manchmal viel Luft durch die Gegend." Zudem habe man beim Linienverkehr in den vergangenen Jahren starke Kostenmehrungen gehabt, "das Geld würde ich lieber in den Rufbus investieren". Klaus Willenberg (FDP) sprach sich für beides aus: "Es geht doch nicht um entweder-oder, sondern um sowohl-als-auch."

Zumindest mittelfristig wird der Linienverkehr in der Gemeinde indes weder Konkurrenz noch Ergänzung erfahren, denn darüber, ob und gegebenenfalls wann in der Großgemeinde ein Rufbus unterwegs ist, darüber entschied das Gremium noch nicht.

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