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Kultur in Ebersberg:Hotspot der Freude

Das Team des Alten Kinos hat ein außergewöhnliches "Kulturfeuer" im Klosterbauhof Ebersberg mit großem Erfolg über die Bühne gebracht - und schon das nächste Ass im Ärmel

Von Anja Blum

Kaum ist das "Kulturfeuer", das in diesen Zeiten vermutlich bayernweit einzigartig war, vorbei, gibt es schon wieder sensationelle Neuigkeiten aus dem Alten Kino: Das Team um Markus Bachmeier geht im Herbst noch mehr online, mit einer Art eigener Mediathek. Unter dem Titel "Altes-Kino-TV" soll es Livestreams von Kabarett und Konzerten geben, Aufzeichnungen zum später Anschauen, diverses Material aus dem Archiv sowie kleine Eigenproduktionen, etwa eine Miniserie, an der momentan bereits gedreht wird. "An dem Konzept dafür arbeiten wir gerade", sagt Bachmeier. Fest steht aber schon: Die neue Plattform soll neben der Kleinkunstbühne Altes Kino und dem Saal im Alten Speicher das dritte große Projekt des Teams werden.

Doch nun stehen erst einmal drei Wochen Sommerpause auf dem Programm, zur Erholung, denn es liegen anstrengende Monate hinter der Mannschaft des Alten Kinos. Mit aller Macht hat sie sich gegen die Pandemie gestemmt, hat mit viel Energie und Kreativität neue Formate geschaffen sowie umgesetzt und das Kulturfeuer im Klosterbauhof brennen lassen - trotz aller Auflagen, Risiken und anderer Widrigkeiten. Und nun ist klar: Der Aufwand hat sich gelohnt, beim Abbau am Montag begegnet man einem sehr entspannten, glücklichen Team. Es habe alles wunderbar funktioniert, sagt der Chef, nachdem er von seinem Lieblingsgefährt, einem Gabelstapler, abgestiegen ist.

Die Gäste haben sich sicher gefühlt

Man habe alles Menschenmögliche getan, um die gesundheitlichen Risiken einzugrenzen, so Bachmeier, und die Gäste hätten das sehr zu schätzen gewusst. Onlinereservierung, Registrierung vor Ort, viel Platz zum Abstandlassen, Einbahnregelungen - dieses Corona-Kulturfeuer war durchaus anders als die Ausgaben zuvor. Aber keinesfalls schlechter. "Eine Besucherin hat uns geschrieben, dass sie schon mit einem mulmigen Gefühl gekommen sei, dann aber gesehen habe, wie gut alles organisiert sei, und deswegen den Abend dann sehr genießen konnte", erzählt Bachmeier. "So was tut dann schon gut." Und eine Corona-Warnmeldung habe es bislang auch nicht geben.

Der Ebersberger Klosterbauhof war in diesem Sommer offenbar kein Hotspot für Viren - sondern nur für Kultur, Begegnung und Freude. Besonders schön zeigt dies das Beispiel eines Geburtstagskinds, das anstatt Geschenken um Geld bat - für die engagierten Veranstalter. Denn eine Goldgrube war das Kulturfeuer gerade heuer sicherlich nicht. "Ohne die Förderung durch die Sparkasse würde es gar nicht gehen", sagt Bachmeier. Eintritt verlangen für den Biergarten im wunderbar gestalteten Hof mag er dennoch nicht, denn damit würden sofort die Erwartungen steigen, nach dem Motto "Wo ist mein Sonnenschirm?". So aber sei die Stimmung vor allem wieder eines gewesen: entspannt und friedlich.

Bis zu 500 Gäste kamen über den Abend verteilt

Einen ganzen Monat lang hatte der Biergarten diesmal geöffnet, in der Mitte der Zeit gab es fünf Veranstaltungen, Kabarett und Musik. Die Besucherzahlen waren freilich viel niedriger als sonst, doch Bachmeier ist trotzdem zufrieden. Um die Feuerschale im Hof haben sich insgesamt knapp 5500 Menschen versammelt. "Das Maximum waren etwa 500, über den Abend verteilt." Das Wetter war freilich durchwachsen, doch es gab tatsächlich nur einen Tag, an dem der Biergarten seine Pforte gar nicht erst geöffnet hat. Überhaupt gefiel dem Chef das Konzept mit dem verlängerten Kulturfeuer mit Veranstaltungen erst zur Halbzeit gut: "Ich kann mir durchaus vorstellen, dass wir das übernehmen."

Die fünf Ticketabende waren mit je 200 Gästen ausverkauft, zwei Termine fanden draußen statt, zwei wetterbedingt im Saal, an einem Abend zog man während der Pause nach drinnen um. "Das war ambitioniert, hat aber super geklappt, in einer halben Stunde war alles oben." Um auch den paar wenigen Zuschauern, die lieber nicht in einem Saal sitzen wollten, gerecht zu werden, hat das Team kurzerhand einen zusätzlichen Livestream auf die Beine gestellt. "Das war relativ wenig Aufwand, aber technisch sehr gute Qualität", sagt Bachmeier, weswegen er sich diese Verknüpfung von analogem und digitalem Angebot in Zukunft gut vorstellen könne.

Trotzdem: Aller Sorgen enthoben ist das Team noch nicht. "Ich rechne damit, dass wir erst in einem Jahr wieder echte Normalität haben werden", sagt der Geschäftsführer. Bis dahin werde man aber die Zeit gut zu überbrücken wissen. Zum Beispiel, indem alle Veranstaltungen aus dem kleinen Alten Kino in den großen Alten Speicher verlegt werden. Außerdem soll es ja bald die eigene Mediathek geben. Und auch die wird sicher ein Erfolg.

© SZ vom 04.08.2020

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