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Kommunalwahl in Grafing:Stadtchef statt Kämmerer

Christian Bauer erobert für die Grafinger CSU zehn Jahre nach dem Austritt des früheren Bürgermeisters Rudolf Heiler das Rathaus zurück

Die Mission Amtsübernahme der Grafinger CSU ist gelungen: Herausforderer und Stadtkämmerer Christian Bauer hat die Stichwahl gegen Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) gewonnen. Dem vorläufigen Ergebnis vom Sonntagabend zufolge kam Bauer nach Auszählung aller Wahlzettel auf 4251 Stimmen oder 54,02 Prozent. Obermayr landete mit 45,98 Prozent oder 3619 Stimmen dahinter.

"Morgen ist Stichwahl, ich brauche Ihre Unterstützung", hatte Bauer am Samstagabend auf Facebook gepostet. Dazu ein Foto zweier Kinder, die ein T-Shirt hochheben: "Christian Wählen", steht drauf. Etwa 24 Stunden später konnte sich Bauer im Grafinger Gymnasium von seinen Parteifreunden feiern lassen und, darunter auch Heinz Fröhlich vom Bündnis für Grafing, von zahlreichen weiteren Unterstützern. Für eine Stellungnahme war Bauer am Abend nicht mehr zu erreichen.

Bei der Stichwahl setzte sich der Krimi aus dem ersten Wahlgang allerdings nicht fort. Obermayr war am Sonntag vor zwei Wochen auf 43,62 Prozent der Stimmen gekommen. Bauer landete mit 43,16 Prozent oder 34 Stimmen lediglich einen Hauch dahinter. Bei der Stichwahl wechselte die Führung dagegen nicht mehr hin und her. Nach vier von 13 ausgezählten Wahlbezirken lag Bauer bereits mit knapp über 60 Prozent vorne. Obermayr holte zwar mit der Auszählung der verbleibenden Wahlbezirken etwas auf. Für eine Trendwende reichte es allerdings nicht mehr.

Machtwechsel in Grafing: Christian Bauer von der CSU, bislang Kämmerer im Rathaus, wechselt auf den Chefposten.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Eine solche fuhr mit Bauers Wahlsieg dagegen der CSU-Ortsverband ein. Vor etwa zehn Jahren "verlor" er die Grafinger Rathausspitze, als der frühere Bürgermeister Rudolf Heiler im Streit um die Grafinger Ostumfahrung zu den Freien Wählern wechselte. Bei den Kommunalwahlen vor sechs Jahren hatte dann in der Stichwahl Obermayr die Nase vor der CSU-Kandidatin Susanne Linhart.

Bürgermeisterin Obermayr reagierte enttäuscht, aber gefasst. "Ich war wirklich sehr gerne in diesem Amt, ich habe genauso gerne für diese tolle Stadt gearbeitet. Und ich meine, ich wir haben alle zusammen vieles auf den Weg gebracht, wir haben die Kitas ausgebaut, wir haben die Finanzierung der Berufsschule erfolgreich verhandelt."

Warum es dann nicht zur Wiederwahl gereicht habe? "Wir haben uns bei den Grünen darauf verständigt, dass wir einen anständigen und inhaltsbezogenen Wahlkampf führen. Und dass wir, auch wenn wir angegriffen werden, nicht sofort zurückangreifen", sagte Obermayr. Vor dem Hintergrund des Wahlergebnisses werfe diese Strategieentscheidung natürlich Fragen auf.

Ob Obermayr ihr über die Grünenliste gewonnenes Stadtratsmandat antreten wird, blieb am Wahlabend noch offen. "Das möchte ich in Ruhe mit den Grünen klären." Hintergrund ist dem Vernehmen nach weniger die Frage, ob die einstige Rathauschefin Lust verspürt, unter der Ägide ihres früheren Mitarbeiter im Stadtrat zu wirken. Die Frage scheint, ob politisch getrennte Wege im Sinne einer konstruktiven Stadtratsarbeit für die Stadt nicht vielleicht die besseren wären. Fest steht unterdessen, dass es mit Bauers Sprung von der CSU-Stadtratsliste eben ins Bürgermeisteramt einen Nachrücker geben wird. Dies ist Schorsch Schlechte, der den Wiedereinzug in das Gremium vor zwei Wochen knapp verpasst hatte.

Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) war keine zweite Amtszeit vergönnt.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Wie in so vielen Kommunen wirkte sich auch in Grafing die ausschließliche Briefwahl positiv auf die Wahlbeteiligung aus. Hatte sie am Sonntag vor zwei Wochen noch bei 67,57 Prozent gelegen, stieg sie bei der Stichwahl auf 72,51 Prozent.

© SZ vom 30.03.2020

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