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Kommunalwahl in Grafing:"Im positiven Sinn unbequem sein"

Keno Maierhofer - jüngster Stadtrat Grafing

Seit 2019 ist Keno Maierhofer Vorsitzender der Jugendinitiative Jig, ab Mai ist er Grafings jüngster Stadtrat.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Keno Maierhofer von den Grünen ist der jüngste Stadtrat in Grafing

Sie büffeln fürs Studium, befinden sich in einer Ausbildung oder haben gerade ihr Abitur gemacht: die jüngsten Mitglieder in den neu gewählten Stadt- und Gemeinderäten. Für ihre politische Arbeit haben sie meist schon sehr konkrete Pläne. Die SZ stellt einige der Jungpolitiker vor.

Der Zeitpunkt sei gerade etwas ungünstig, sagt Keno Maierhofer. Er schnauft. Geht's auch in einer halben Stunde? Dann sei er auch sicher fertig mit dem Training. Dreiviertel des Lebens hat der 20-Jährige im Schwimmverein zugebracht, vor zwei Jahren mit dem Triathlon angefangen, olympische Distanz. Das sind eineinhalb Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen. Das freilich geht nicht von selbst.

Schon eher von selbst gelang dem 20-Jährigen der Sprung in den neuen Grafinger Stadtrat, oder besser: als er selbst. Groß geworden in der Stadt, sämtliche Schuljahre an Grafings Schulen verbracht, seit vergangenem Jahr Vorsitzender der Grafinger Jugendinitiative Jig. Wer dann auch noch politisch mitmischt, genießt schnell einen gewissen Bekanntheitsgrad. In seinem direkten Umfeld, aber eben auch bei dessen Eltern und Großeltern. Kombiniert mit einem Listenplatz sechs ließ Maierhofer bei der Stadtratswahl so einige gestandene Grafinger Grüne hinter sich. Jetzt gehört er dem Gremium als dessen künftig jüngstes Mitglied an.

Eine gewisse Durchsetzungskraft darf man dem ruhigen 20-Jährigen wohl unterstellen. Im vierten Semester studiert er an der Technischen Universität München Maschinenbau. Zu diesem Zeitpunkt, das Studium gilt als extrem anspruchsvoll, ist schon der erste große Schwung aussortiert.

Zu den Grünen gebracht hatte ihn der bislang jüngste Grafinger Stadtrat, der Manager der Grafinger Volleyballer, Johannes Oswald. "Politisiert hat mich ganz klar die Klimakrise und sozusagen die Erkenntnis, dass ein wesentlicher Teil ihrer Lösung im Lokalen beginnt", sagt Maierhofer. Da sei der Schritt zu den Grünen nicht weit gewesen.

Während diese seine erste politische Leitlinie relativ direkt beeinflussbar ist, bleibt es die zweite, eine demokratietheoretische, höchstens indirekt. "Ein Stadtrat sollte immer auch ein echtes Abbild der Stadt sein", findet Maierhofer. Im Grafinger Fall hätte sich die Zusammensetzung des Gremiums ohne Frage verbessert. "Aber man muss einfach feststellen: Es ist noch nicht jung und nicht weiblich genug."

Vor diesem Hintergrund wolle er im positiven Sinne unangenehm sein, sich vor allem mit den anderen jungen Stadträten kurzschließen. In Lena Huppertz von der Linken, Oswald und ihm gebe es immerhin drei unter dreißig. "Echt schade, dass es der Lukas Müller von der SPD nicht reingeschafft hat", sagt er. Gerne hätte Maierhofer auch jemand von der CSU als größter Fraktion in dieser Nachwuchs-Achse. Deren jüngstes Stadtratsmitglied ist Mitte 40, immerhin aber eine Frau.

© SZ vom 16.04.2020 / thri

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