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Kommunalwahl in Ebersberg:Der vierte Bewerber

Domenico Ciccia tritt für die Kirchseeoner SPD als Bürgermeisterkandidat an. Der 40-jährige Sozialpädagoge will sich für besseren Lärmschutz und mehr Gewerbeansiedlungen stark machen

Von Thorsten Rienth, Kirchseeon

Die Kandidatenliste für die Kirchseeoner Bürgermeisterwahl füllt sich: Domenico Ciccia ist der vierte Anwärter auf den Rathauschefsessel, das steht seit Donnerstagabend fest. "Ich werfe meinen Hut in den Ring für ein Kirchseeon Hand in Hand, Alt für Jung und Jung für Alt", kündigte der Parteilose bei der Nominierung im Eglhartinger Gasthof "Hamberger" an.

Die Nominierung des SPD-Kandidaten war in der Gemeinde durchaus mit Spannung erwartet worden. Der Ortsverein verzichtete darauf, jemanden vorab zu präsentieren, den die Mitglieder dann bei der Aufstellungskonferenz nur noch bestätigen sollten. So hatte Ciccia vor der Ausgabe der Stimmzettel durchaus kritische Fragen zu parieren. Was bitte seine Haltung zum Lärmschutz entlang der Bahngleise sei? Oder wo er denn noch echte Entwicklungspotenziale für die Gemeinde sehe?

"Bei der Ortsentwicklung geht's mir vor allem darum, dass sich nicht alles nur um neue Häuser dreht", antwortete Ciccia. "Da braucht's einfach mehr." Gewerbe zum Beispiel - immerhin gehöre Kirchseeon in diesem Bereich bayernweit zu den Schlusslichtern. "Kein Wunder, dass wir so geringe Einnahmen aus der Gewerbesteuer haben." Das Gelände des ehemaligen Bahnschwellenwerks wolle er zu einem "zentralen Element" Kirchseeons machen. Schnelles Internet in den Ortsteilen und freies Wlan im Ort selbst seien ihm als ehemaliges Mitglied der Piratenpartei ein ebenso zentrales Anliegen.

SPD KS Bgm Kandidat Domenico Ciccia

Domenico Ciccia stellt sich vor der Nominierung den Fragen der Kirchseeoner SPD-Mitglieder.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Beim Bahnlärm wolle er den Schulterschluss mit allen anderen Anrainergemeinden suchen - "und zwar bis runter zum Brenner". Bundespolitisch spürbarer Druck für mehr Lärmschutz lasse sich nur mit einem schlagkräftigen Bündnis aufbauen. Ciccia warnte allerdings davor, die Bahngleise pauschal zu verteufeln. "Wenn die Bahn unattraktiver wird setzen sich die Leute ins Auto und verstopfen die Bundesstraße noch mehr."

Zuvor skizzierte der 40-Jährige seinen familiären Hintergrund: Die Mutter Münchnerin, der Vater Sizilianer, er selbst verheiratet und Vater von zwei Kindern im Alter von zwei und sieben Jahren. Von Beruf Diplom-Sozialpädagoge und IT-Systemkaufmann gehöre er beruflich seit zwei Jahren zur fachlichen Steuerungsgruppe der Bezirkssozialarbeit der Landeshauptstadt. "Hier bin ich unter anderem für die Bereiche Erwachsenenhilfe und -gefährdung sowie für Altenhilfe zuständig." Zuvor sei er acht Jahre als Basismitarbeiter im Bereich Jugend- und Erwachsenenhilfe bei der Münchner Bezirkssozialarbeit tätig gewesen.

Der berufliche Kontext spiegelt sich offenbar auch bei den politischen Inhalten. "Das Jugendzentrum wieder zu einem echten selbstverwalteten Treffpunkt für Jugendliche zu machen, um eine Heimat für diejenigen zu schaffen, die nicht schon in Vereinen eingebunden sind", schreibt Ciccia zum Beispiel in seinem Bürgermeisterprogramm. Als Bürgermeister wolle er zudem eine gemeinsame Kampagne aller Vereine zur Nachwuchsgewinnung. "Damit zum Beispiel für unsere Wehren und Einsatzdienste wie das Rote Kreuz einfacher wird, Ehrenamtliche zu finden, die schnell einsatzbereit sind und in der Tätigkeit ihre Anerkennung aber auch ihren Ausgleich finden können."

Darüber hinaus sei er engagiertes Mitglied bei der Gewerkschaft Verdi sowie Mitglied des allgemeinen Studierendenausschusses an der Katholischen Stiftungsfachhochschule. In der Gemeinde engagiere er sich als Elternsprecher der Grundschulklasse seiner Tochter sowie im Elternbeirat im Awo-Haus für Kinder in Eglharting.

"Ich bin von tiefstem Herzen froh, dass wir hier jemanden Jungen und Engagierten haben, noch dazu einen, der sich in der kommunalen Arbeit auskennt", kommentierte SPD-Ortsvorsitzende Diana Thalhammer Ciccias Nominierung. "Er hat nicht nur eine Meinung, sondern auch Ideen - und das ist genau das, was Kirchseeon braucht!"

Ob das die Kirchseeoner auch so sehen zeigt sich am 15. März 2020 - und in der Konkurrenz mit den bereits nominierten Bürgermeisterkandidaten Andrea Oberhauser-Hainer (Grüne), Jan Paeplow (CSU) sowie Klaus Seidinger (Freie Wähler).

Die Kandidaten: 1. Domenico Ciccia, 2. Diana Thalhammer, 3. Thomas Kroll, 4. Barbara Bittner, 5. Alexander Höpler, 6. Martin Klar, 7. Frank Schlesier, 8. Klaus Eberherr, 9. Peter Eck, 10. Nadine Chamberlain, 11. Werner Sebele, 12. Patrick Geller, 13. Michael Mannseicher, 14. Harald Friedmann, 15. Massimo Calderaro Papa, 16. Frank Sautner, 17. Erika Schlesier, 18. Bernhard Hoiß, 19. Angelika Binder, 20. Peter Seitz, 21. Klaus König, 22. Peter Ludewig, 23. Alfred Daum, 24. Wolfgang Übelacker.

© SZ vom 28.10.2019

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