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Kleider für totgeborene Kinder:Mehr als ein Stück Stoff

Kleidungsstücke so klein, dass sie kaum einer Puppe passen: Die Grafingerin Margareta Kloppenborg versorgt Krankenhäuser mit Kleidern für fehl- oder totgeborene Kinder - in sogenannten Schmetterlingsboxen.

Man nennt sie Sternenkinder oder Schmetterlingskinder. Ihr Leben endet bereits vor oder während der Geburt, viele von ihnen kommen deutlich zu früh auf die Welt. In Deutschland sterben jedes Jahr schätzungsweise zehn- bis fünfzigtausend Babys nach dem dritten Monat im Mutterleib. Doch auch diese Kinder werden geboren - still geboren.

Zunächst wollte Margareta Kloppenborg nur ein paar Mützen stricken, um zu helfen. Inzwischen versorgt die Geburtsbegleiterin aus Grafing die Kliniken rund um München mit sogenannten Schmetterlingsboxen.

(Foto: Endt)

"Intrauteriner Fruchttod" lautet der Fachbegriff für Totgeburten nach dem ersten Schwangerschaftsdrittel. Die Gebärmutter wird dann nicht mehr im Zuge eines operativen Eingriffs ausgeschabt, sondern eine Geburt eingeleitet. "Das ist sanfter für die Gebärmutter und eventuelle Folgeschwangerschaften", erklärt Cornelia Höß, Chefärztin der Gynäkologie an der Kreisklinik Ebersberg. Hier werden jedes Jahr etwa fünf Kinder still geboren.

Für die betroffenen Eltern ist der Verlust des Kindes nicht nur schmerzvoll und traurig. "Ein Hauptproblem der Eltern ist, dass sie ihre Kinder in den allermeisten Fällen nicht bekleiden können", weiß Margareta Kloppenborg aus Grafing. Sie stattet Kliniken und Krankenhäuser im Großraum München darum mit sogenannten Schmetterlingsboxen aus. Die weiße Plastikkiste ist mit einem Aufkleber versehen, auf dem schlicht "Schmetterlingskinder" steht. Behutsam nimmt die 34 Jahre alte Geburtsbegleiterin die in Plastiktüten verpackten Kleidungsstücke heraus. Kleine Mützen und Socken aus dicker Wolle.

Kleidungsstücke so klein, dass sie kaum einer Puppe passen. "Wir bieten die Sachen in drei Größen an", sagt Kloppenborg. "Geeignet sind die Sachen für Kinder ab der 14. Schwangerschaftswoche." In der nächsten Tüte befindet sich ein ganzes Set, bestehend aus Jäckchen, Hose und Mützchen in weiß-gelb. Darunter einfache, doch liebevoll gefertigte Viereckstücher mit Schleifen oder Spitzen versehen, in die die leblosen Kinder eingeschlagen werden können. Stoffe, welche die kleinen Wesen auf ihrem letzten Weg begleiten sollen.

Damit den Eltern ein kleines Andenken bleibt, sind alle Tüten mit einem individuellen Erinnerungsstück ausgestattet, zum Beispiel einer kleinen Blume aus jenem Stoff, in die die Eltern ihr Kind gewickelt haben. Bei dem weiß-gelben Set ist es ein kleines Stück Wolle, auf dem ein kleiner Wurm-Sticker zu sehen ist. Ein solcher klebt auch auf der Mütze.

Ob sie selbst das schon erfahren musste, fragen die meisten Menschen Margareta Kloppenborg, wenn sie von deren Engagement erfahren. "Nein, zum Glück nicht", antwortet die zweifache Mutter. Doch könne sie nachempfinden, wie schmerzvoll und schwierig es ist, ein Kind zu verlieren. Als sie vor etwa eineinhalb Jahren im Internet auf die Klinikaktion der Schmetterlingskinder aufmerksam wurde, war gleich klar, dass sie sich engagieren würde. "Es gibt so viele Möglichkeiten, den betroffenen Eltern zu helfen", sagt sie.

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