Umweltwoche am Gymnasium Grafing:Wertschätzen statt wegwerfen

Umweltwoche am Gymnasium Grafing: Tom hat ein kaputtes ferngesteuertes Auto mitgebracht. Martin Riebl, Vereinsgründer vom "MakerSpace", hilft ihm, das Ding wieder gangbar zu machen.

Tom hat ein kaputtes ferngesteuertes Auto mitgebracht. Martin Riebl, Vereinsgründer vom "MakerSpace", hilft ihm, das Ding wieder gangbar zu machen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Schüler und Schülerinnen lernen von Mitgliedern des "Maker-Space EBE", selbst Geräte zu reparieren. Die Aktion soll ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft setzen und einen bewussten Umgang mit Ressourcen vermitteln.

Von Anna Steinhart, Grafing

Es duftet nach Brezn und frischem Kaffee, doch um Gemütlichkeit soll es hier nicht in erster Linie gehen. Das verraten schon die verschiedenen Geräte, die auf den Tischen liegen - zerlegt in ihre Einzelteile. Eine Küchenwaage, bei der die Platte fehlt, ein Spielzeugauto ohne Reifen, ein aufgeschraubter elektrischer Rasierer. All diese Gegenstände wurden von Schülern und Schülerinnen des Grafinger Gymnasiums von zu Hause mitgebracht und haben einen Defekt. Nun gilt es, sie zu begutachten und zu reparieren, bei einem Repair-Workshop im Rahmen einer Umweltwoche am Grafinger Gymnasium.

Umweltwoche am Gymnasium Grafing: Oftmals muss ein Gerät wie diese Küchenwaage nur gereinigt werden, damit er wieder funktioniert.

Oftmals muss ein Gerät wie diese Küchenwaage nur gereinigt werden, damit er wieder funktioniert.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die Umweltwoche am Max-Mannheimer-Gymnasium soll, bereits zum dritten Mal, bei den Schülern aller Altersgruppen ein Bewusstsein für aktuelle Umweltthemen schaffen. Jeder Tag steht dabei unter einem anderen Motto. An diesem Vormittag zum Beispiel heißt es: "Wertschätzen statt wegwerfen und Energie sparen: Stecker raus -Nachhaltigkeit rein!" Dafür sind einige Mitglieder der offenen Werkstatt "Maker-Space EBE" zu Gast an der Schule.

"Bei uns geht es vor allem um Gemeinschaft und Spaß"

Der Verein Maker-Space EBE wurde von Gundula und Martin Riebl gegründet und beschäftigt sich mit dem Reparieren von Gegenständen sowie mit dem gemeinschaftlichen Entwickeln. "Uns geht es dabei um die Müllvermeidung, das Ressourcensparen und natürlich vor allem um den Spaß", sagt Martin Riebl. Die ungefähr 30 Mitglieder treffen sich einmal im Monat, um gemeinsam Projekte wie kürzlich das Bauen von Fledermauskästen für das Waldmuseum Ebersberg zu realisieren. Um Neues zu erschaffen, werden bei den Treffen auch Technologien wie der 3D-Druck, das Lasercutting, oder die Mikrocontrollertechnik angewendet. Das hört sich zwar kompliziert an, besondere Fähigkeiten benötigt man für die Teilnahme aber nicht: "In der Gemeinschaft lernen wir alle voneinander", so Riebl. In der offenen Werkstatt, die sich auf dem Gelände des Berufsbildungswerks St. Zeno in Kirchseeon befindet, können die Mitglieder jederzeit auch an eigenen Projekten werkeln.

Den beiden Gründern fiel 2020 auf, dass es solche offenen Werkstätten damals nur in München gab und bisher nicht im Landkreis. Daraufhin riefen sie die am Wochenende stattfindenden Repair-Treffen, die oftmals von Kaffee und Kuchen begleitet werden, ins Leben. Dass die Vereinsmitglieder jetzt auch mit Schülern zusammenarbeiten, ist neu - aber in ihren Augen wichtig. "Die meisten Jugendlichen schmeißen eher etwas weg, als dass sie es reparieren", sagt Martin Riedl. Deswegen wolle man hier ein neues Bewusstsein schaffen.

Umweltwoche am Gymnasium Grafing: Die Initiatorin der Umweltwoche, Maria Ganslmaier-Hainzl, hat ihren kaputten Globus zum Reparieren mitgebracht.

Die Initiatorin der Umweltwoche, Maria Ganslmaier-Hainzl, hat ihren kaputten Globus zum Reparieren mitgebracht.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Nebenher veranstaltet der Verein auch ein Repair-Café in Kirchseeon, zu dem man ohne Anmeldung kommen kann, um zusammen Haushaltsgeräte wieder instand zu setzen. Das Prinzip funktioniert wie bei dem Workshop in der Schule: Jemand bringt ein kaputtes Teil mit und die erfahrenen Bastler helfen beim Reparieren.

Ein weiteres Repair-Café gibt es inzwischen auch in Grafing, es wird von dem Energieberater Matthias Deike mitorganisiert. Die Freude am Reparieren habe bei ihm früh angefangen und seine handwerklichen Fähigkeiten habe er über die Jahre durchs Ausprobieren erlangt, erzählt er. "Ich hab schon damals auf dem Parkplatz vom Studentenwohnheim den Kolben vom Auto ausgewechselt - danach ist es nochmal 50 000 Kilometer gefahren."

Wie einfach es manchmal ist, etwas zu reparieren, führt zu Erstaunen bei den Schülern

Ständig kommen neue Schüler in das Klassenzimmer, in dem der Repair-Workshop an diesem Vormittag stattfindet, und bringen die unterschiedlichsten Dinge mit. Während des Bastelns erklären Matthias Deike und Martin Riebl immer wieder, dass es wichtig sei, neugierig zu sein und den Mut zu besitzen, auch mal einen Fehler zu machen. "Wenn das Teil dann trotzdem kaputt ist, dann hat man es zumindest versucht und kann es guten Gewissens auf den Wertstoffhof bringen", so Deike.

Gerade sitzt er am Tisch und begutachtet einen kaputten CD-Spieler eines Schülers. Trotz eingelegter CD zeigt dieser nämlich "No Disc" an und gibt keinen Ton von sich. Nach kurzer Zeit ist auch dieses Problem schon gefunden, ein Teil ist locker. Unter den interessierten Fragen und dem Mitwirken der Schüler schraubt Deike es wieder an - und siehe da, so einfach funktioniert der CD-Player wieder. Neuntklässler Jakob, dem das Gerät gehört, ist begeistert. "Es ist sehr faszinierend zu sehen, dass etwas trotz so weniger Kenntnisse wieder zum Laufen gebracht werden kann."

Umweltwoche am Gymnasium Grafing: In seinem Alltag möchte Jakob jetzt auch mehr reparieren, anstatt direkt wegzuwerfen.

In seinem Alltag möchte Jakob jetzt auch mehr reparieren, anstatt direkt wegzuwerfen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Initiiert wurde die Umweltwoche am Grafinger Gymnasium von Maria Ganslmaier-Hainzl, sie ist Lehrerin für Geschichte und Englisch sowie Umweltbeauftragte der Schule. "Es liegt mir wirklich am Herzen, dass man nicht nur über die Umwelt redet, sondern tatsächlich auch was tut", sagt sie. In den verschiedenen Workshops der Umweltwoche dürften die Schüler nämlich kreativ sein und wirklich mitarbeiten. "Das Erfolgserlebnis, das sie haben, wenn sie tatsächlich etwas erschaffen, ist sehr wichtig, da das im Schulalltag leider oftmals auf der Strecke bleibt", so die Initiatorin.

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