Fünf Landwirte planen ihe eigene Energiewende:Bruck in Bedrängnis

Die landkreisweite Flächenausweisung für Windräder ist gefährdet, weil fünf Bauern eine Anlage errichten wollen

Karin Kampwerth

EbersbergKaum haben die 21 Ebersberger Landkreiskommunen beschlossen, bei der Planung für Windrad-Standorte gemeinsam vorzugehen, könnte mit Bruck die erste Gemeinde schon wieder ausscheren. Fünf Landwirte, die sich im Ortsteil Hamberg zur "Windenergie Osterkling" zusammengeschlossen haben, wollen dort einen Rotor mit 138 Metern Nabenhöhe errichten. Der Antrag auf immissionsrechtliche Prüfung ist vergangene Woche im Ebersberger Landratsamt eingegangen. Das hat Norbert Neugebauer, der in der Behörde die landkreisweite Planung koordiniert, auf Nachfrage der SZ bestätigt.

Das Vorhaben bringt den Brucker Gemeinderat ins Rotieren. Denn obwohl Bürgermeister Josef Schwäbl (CSU) der gemeinsamen Ausweisung von Standorten für Windkraftanlagen zugestimmt hatte, hängt es nun von der Entscheidung des Gremiums ab, ob es überhaupt dazu kommen wird. Hintergrund des komplizierten Verfahrens ist einerseits die Tatsache, dass Windräder im Baurecht als privilegiert gelten und errichtet werden dürfen, solange sie in Bezug auf Lärm und Umweltschutz die rechtlichen Vorgaben erfüllen (Kasten). Auf der anderen Seite gibt es ein Vetorecht, wenn die Gemeinde - und durch eine Novelle im Baugesetzbuch neuerdings auch der Zusammenschluss von Gemeinden - bestimmte Flächen für Windräder ausweist. Dazu müsste Bruck schnellstmöglich "ernsthaft versichern", dass es einen Flächennutzungsplan aufstellen wird, erläutert Norbert Neugebauer. "Andernfalls würde sich Bruck wohl isolieren." Der Flächennutzungsplan sei nämlich die einzige Möglichkeit für das Landratsamt, zu prüfen, ob es den Antrag der Brucker Landwirte um längstens ein Jahr zurückstellen kann. Diese Zeit bliebe den Gemeinden dann, ihre gemeinsame Planung abzuschließen.

Der Brucker Bürgermeister kündigte unterdessen an, auf der Februarsitzung des Gemeinderates über das Windrad in Hamberg zu diskutieren. Schwäbl ahnt aber schon jetzt, dass ihn die Idee seiner Landwirte in Bedrängnis bringt. Etwa, weil der Ortsteil Hamberg an Aßling angrenzt und die dortige Planung von Flächen für Windräder unmittelbar beeinflussen würde. Darüber hinaus soll das Brucker Windrad lediglich gut 500 Meter von der nächsten Wohnbebauung entfernt errichtet werden, was den landkreisweiten Wunsch auf eine einheitliche Regelung eines möglichst weiten Abstandes von Windrädern zur Wohnbebauung erschwert.

Schwäbl sieht sich als Bürgermeister aber auch in der Pflicht seiner Landwirte. Deshalb sei er in dieser Woche mit den künftigen Betreibern der Anlage zusammengekommen, die ihm erstmals eine betriebswirtschafliche Rechnung für den Rotor vorgelegt hätten. Dabei hätte man ihm auch erklärt, dass schon eine Reihe von Landwirten Anteile an der Anlage zeichnen wollen. "Ich habe gefordert, mir schriftlich und verbindlich bis zur Februarsitzung mitzuteilen, wer sich mit welchem Mindestbeitrag beteiligt", sagte Schwäbl. Je mehr Landwirte das Vorhaben finanziell unterstützen, desto eher sei er bereit, das Windrad zu befürworten und das auch seinem Gemeinderat so zu empfehlen.

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