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Freie Wähler:Echte Ungebundene

Die Partei ist im Stadtrat zum Machtfaktor geworden

Probleme, ihre Liste für die Stadtratswahl vollzubekommen, hatten die im Grafinger Politbusiness längst etablierten Freien Wähler (FW) nicht. Auf allen 24 Plätzen steht auch ein Kandidat. Bis in die "Nullerjahre" waren sie noch so etwas wie der inoffizielle Koalitionspartner der CSU. Doch von diesem Image haben sich die Grafinger FW längst emanzipiert. Dies geht allen voran auf drei Stadträte zurück: Mit ihrem Ortsvorsitzenden, Kommunalwahl-Spitzenkandidaten und Grafinger Architekten Christian Einhellig sitzt dort ein städtebaulich versierter Experte in den FW-Reihen. Mit dem Förderschulkonrektor Josef Klinger und Mittelschullehrerin Veronika Oswald sitzen daneben zwei ausgewiesene lokale Bildungs- und Sozialpolitiker.

Gerade der integrative Politikstil des Trios öffnete den FW in den vergangenen Jahren im Stadtrat das Attribut echter Ungebundenheit. Keinem politischen Lager zuzuordnen sind sie mit ihren fünf Mandatsträgern zudem zum echter Machtfaktor geworden. Und zwar, indem sie Vorschlägen anderer Fraktionen zur Mehrheit - oder eben Ablehnung - verhelfen. Dadurch sparen sie es sich, allerlei eigene Anträge einzureichen.

Der Wahlkampfslogan "Gemeinsam sind wir stark und können wir vieles leichter erreichen" ist daher nur folgerichtig. Unter ihm bündeln die FW zahlreiche Forderungen eines "kreativen Miteinanders" - etwa in Form der Wiedereinführung eines Jugendstadtrats mit eigenem Budget, der Wiederbelebung einer offenen Seniorentreff-Einrichtung sowie eines möglichst zentrumsnahen Mehrgenerationenhauses.

In Sachen Stadtentwicklung wollen die Freien Wähler auf "behutsames Verdichten innerhalb bebauter Stadt- und Dorfbereiche" setzen. Konkret nennen sie dabei etwa die Marinus-Oswald-Straße sowie denkbare Umnutzungen landwirtschaftlicher Gebäude in Wiesham und Nettelkofen.

Auf dem Weg zu einem Grafing als "attraktiven Wirtschaftsstandort" schlagen sie neue Gewerbeflächen am nördlichen und östlichen Ortsrand vor. Zudem wollen sie das bislang noch eher dürftige Grafinger Radlwegnetz ausbauen. Hier schlagen die FW eine Verbindung zum Beispiel nach Oberelkofen und perspektivisch weiter bis nach Eisendorf vor.

© SZ vom 10.03.2020 / thri

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