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Elektromobilität:Zornedinger kämpft für Ladesäulen in privater Tiefgarage

Parkplatz für Elektroauto

Die Gesetzeslage für E-Ladestationen in privaten Tiefgaragen ist schwierig.

(Foto: Jan Woitas/dpa)

Michael Lenz würde gerne in einem Mehrparteienhaus eine Ladeeinrichtung für Elektroautos installieren. Ein Passus im Wohneigentumsgesetz verhindert das.

Michael Lenz hat endgültig genug. "Ich möchte bei dieser Verbrennungs-Idiotie nicht mehr mitmachen", sagt der Zornedinger. Seinen alten Benziner wird er deshalb demnächst abschaffen. Das neue Elektroauto ist bereits bestellt und soll in wenigen Tagen geliefert werden. Lenz geht diesen Schritt, obwohl er selbst weiß, dass der Umstieg nicht ganz leicht wird. Der 67-Jährige wohnt in einem Mehrparteienhaus am Herzogplatz, doch in der Tiefgarage, in der er künftig sein Elektroauto parken wird, darf er keine Ladestation errichten. So wie dem Zornedinger geht es derzeit noch vielen Menschen in Deutschland, denn eine gesetzliche Hürde steht dem Ausbau von privater Elektro-Infrastruktur seit Jahren im Weg.

Die Pläne für eine umfassende Ladeeinrichtung in der Zornedinger Tiefgarage liegen seit einiger Zeit bei Michael Lenz in der Schublade. Der Elektrotechnik-Ingenieur hat sich beruflich jahrelang mit der Chip-Entwicklung für E-Autos beschäftigt und kennt sich in der Materie deshalb bestens aus. Es geht um 94 Stellplätze, die sich Lenz zufolge recht problemlos mit einem Stromanschluss ausstatten ließen, um Elektroautos über Nacht mit Saft versorgen zu können.

Michael Lenz hat für die Garage detaillierte Pläne ausgearbeitet

Für seinen Vorstoß hat Lenz sogar drei verschiedene Varianten vorgelegt, wie sich in der Tiefgarage eine Lade-Infrastruktur umsetzen ließe. Eine Minimal-Lösung sei dabei schon für weniger als 500 Euro pro Stellplatz zu haben.

Bislang allerdings bleibt das alles nichts weiter als Theorie, denn Ladesäulen wird es in der Zornedinger Tiefgarage wohl in nächster Zeit keine geben. Das liegt vor allem an einem Passus im Wohneigentumsgesetz (WEG), der es im Moment noch leicht macht, eine solche private Infrastruktur zu verhindern. Denn wer in einer Miet- oder Eigentumswohnung lebt und eine Ladesäule installieren möchte, braucht dafür derzeit noch die Zustimmung der Vermieter oder der Eigentümergemeinschaft - und zwar von ausnahmslos allen Beteiligten. Genau das ist auch der Knackpunkt in Zorneding: "Einige Leute sagen eben, wir wollen das nicht. Und wenn nur einer blockt, dann verhindert er das Ganze", so Lenz, dem damit vorerst die Hände gebunden sind.

Dabei sieht der 67-Jährige die private Ladestruktur als wichtigsten Baustein auf dem Weg in eine Zukunft der Elektromobilität. "Die Leute kaufen die Autos deshalb nicht, weil sie sie zu Hause nicht tanken können", so Lenz, der in dem Zusammenhang auch die mangelnde Anzahl an öffentlichen E-Zapfsäulen kritisiert. "Deshalb brauchen die Menschen etwas, wo sie daheim den Stecker reinstecken können."

Ein neues Gesetz könnte Ende 2020 in Kraft treten

Ein Schritt in diese Richtung könnte ein Gesetzesentwurf sein, an dem seit Ende August dieses Jahres im Bundesjustizministerium gefeilt wird. Dieser sieht Erleichterungen im Wohneigentumsrecht vor, so dass es für Mieter und Eigentümer künftig einfacher sein soll, private Ladesäulen zu installieren. Das neue Gesetz soll Bewohnern einen Anspruch auf eine entsprechende Infrastruktur einräumen, die Kosten sollen vom Wohneigentümer oder vom Mieter getragen werden. Mit einer Fertigstellung wird gegen Ende des Jahres gerechnet, die Neuregelungen könnten dann bis Ende 2020 in Kraft treten.

Michael Lenz ist aber noch etwas skeptisch, was das Ergebnis betrifft. Schließlich ist es nicht das erste Mal, dass ein derartiger Vorstoß gestartet wird. Bereits 2016 haben die Bundesländer Bayern, Hessen und Sachsen einen entsprechenden Entwurf beim Bundestag eingebracht. Doch mit der Bundestagswahl 2017 ist das Papier vorerst zu den Akten gewandert. "Das wird schon seit Jahren rumgewälzt und passiert ist nichts", kritisiert Lenz.

Er selbst jedenfalls will sich nicht von dem Ziel abbringen lassen, doch noch eine Ladeeinrichtung in seiner Tiefgarage zu bekommen. "Die meisten warten ab und schauen was kommt. Aber ich werde weiter daran arbeiten", sagt Lenz mit Blick auf die Zukunft. In wenigen Jahren werde der E-Automarkt dem Ingenieur zufolge von günstigen Modellen aus China überschwemmt. Bis dahin müsse hierzulande ein funktionierendes Ladenetz aufgebaut sein.

Die Gemeinde Zorneding will kein eigenes Ladenetz aufbauen

In der Gemeinde Zorneding wird es ein solches in absehbarer Zeit aber nicht geben. Das jedenfalls ist aus dem Rathaus zu hören, an das Michael Lenz ebenfalls mit seinem Anliegen herangetreten war. Auf seine Anfrage hin hieß es, die Gemeinde habe nicht vor, eine eigene E-Infrastruktur auf den Weg zu bringen. Öffentliche Ladesäulen müsse man mit Tankstellen vergleichen, die ja in aller Regel ebenfalls nicht von Kommunen betrieben werden. Man werde allerdings bei künftigen Bebauungsplänen und Gewerbeentwicklungen das Bedürfnis nach Lademöglichkeiten im Hinterkopf behalten. Derweil hoffe man, dass etwa Supermärkte die Notwendigkeit erkennen und ihren Kunden E-Zapfsäulen anbieten.

Michael Lenz wird mit seinem neuen E-Auto also vorerst auf öffentliche Stationen außerhalb seiner Heimatgemeinde zurückgreifen müssen. Für ihn ist das zwar alles andere als optimal, in seinem Kampf gegen den Verbrennungsmotor nimmt Lenz diese Hürde aber in Kauf. Und auch die längere Ladedauer an öffentlichen Zapfsäulen ist für ihn kein Verlust von Lebensqualität, im Gegenteil: "Ich fahre hin, stecke das Auto an und gehe nebenbei zum Einkaufen." Um private Infrastruktur werde man auf dem Weg zu einer echten Verkehrswende aber dennoch nicht herumkommen.

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