Busverkehr im Landkreis:Doppelt hält nicht immer besser

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Busverkehr im Landkreis: MVV-Buslinien gibt es so einige im Landkreis Ebersberg - die Expresslinie 459 zur U-Bahnhaltestelle Messestadt Ost ist eine der neuesten.

MVV-Buslinien gibt es so einige im Landkreis Ebersberg - die Expresslinie 459 zur U-Bahnhaltestelle Messestadt Ost ist eine der neuesten.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Der RVO verklagt den Freistaat wegen der Verlängerung der MVV-Buslinie 459 über Anzing und Forstinning bis nach Hohenlinden - denn die drei Gemeinden verbindet bereits eine RVO-Linie. Ursprünglich sollte der MVV-Bus Fahrgäste nur bis Poing bringen.

Von Johanna Feckl, Ebersberg/München

Die gute Nachricht vorweg: Es scheint eine außergerichtliche Einigung der zwei Parteien, die sich am Mittwoch im Gericht gegenüber getreten sind, in Sicht - zumindest der Wunsch danach. Denn wie genau eine solche Einigung aussehen könnte, war auch nach der eineinhalbstündigen Verhandlung unklar. Vollkommen klar hingegen war, dass durch die Verlängerung der MVV-Buslinie 459 nun zwischen Hohenlinden und Anzing zwei Linien parallel verkehren. Und eigentlich auch klar, dass das dem RVO, der seit Jahren die Linie 9410 zwischen dem Max-Weber-Platz in München über Anzing und Forstinning nach Hohenlinden im Landkreis Ebersberg betreibt, nicht passt. Er reichte deshalb vor dem Münchner Verwaltungsgericht Klage gegen den Freistaat Bayern wegen eines unzulässigen Parallelverkehrs ein. Beigeladen zur Verhandlung waren auf Beklagtenseite das Busunterunternehmen Larcher, das unter anderem die Fahrer für die Linie 459 stellt, sowie Vertreter von Landratsamt und MVV.

Ursprünglich sollte die MVV-Linie 459 Poing über Vaterstetten mit der U-Bahnhaltestelle Messestadt Ost verbinden - eine Expresslinie nach München, die Entlastung für die stark beanspruchte S2 schaffen sollte. Nur wenige Monate nach dem Beschluss im Poinger Gemeinderat kam vom Kreis-Umweltausschuss das Signal, dass die Linie bei einigen Fahrten nicht mehr nur bis nach Poing, sondern bis nach Hohenlinden führen soll. Dadurch wollte man erreichen, dass auch die östlichen Gemeinden Hohenlinden, Forstinning und Anzing an U-Bahn sowie durch den Halt in Poing auch an die S-Bahn angeschlossen werden - etwas, dass die bestehende RVO-Linie 9410 nicht leistete. Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2021 startete die MVV-Linie 459.

Dass der RVO bei der Vergabe keine Chance hatte, beruht wohl auf einem Missverständnis

Warum aber hat sich der Landkreis mit diesem Wunsch nicht an den RVO gewandt - hätte man die Bestandslinie nicht so verändern können, dass sie künftig auch durch Poing führt? Wie sich herausstellte, gab es da wohl ein Missverständnis: Denn den RVO erreichte die Bitte um ein Kostenangebot, wie ein Vertreter der Busgesellschaft sagte. Da die Frist knapp bemessen war, habe der RVO eine Brutto-Spannweite angegeben. Der MVV hingegen kalkulierte sein Angebot mit einem Netto-Bereich - der Betrag fiel dementsprechend deutlich niedriger aus. Dass die beiden Zahlen nicht ohne weiteres vergleichbar sind, sei offensichtlich zunächst niemandem aufgefallen, so der RVO-Vertreter weiter, und so schied der RVO bei dem Vergabeverfahren umgehend aus.

Hierzu hätte es zwar im Nachgang Gespräche zwischen RVO und Landrat Robert Niedergesäß sowie dem MVV gegeben, in denen der Fehler aufgefallen war. Jedoch war das im Frühjahr 2020 - irgendwo in dem Konglomerat aus Kommunalwahl und Corona-Pandemie sind die Gespräche über die Buslinien 459 und 9410 auf der Strecke geblieben. Wie es mit den Linien nun weitergeht, wollen die Parteien schriftlich innerhalb der nächsten Monate klären.

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