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Ebersberg:Im Tunnel bis nach Grafing

Der Bund plant eine unterirdische Bahnstrecke durch den Landkreis - als Verbindung zum Brenner.

Barbara Mooser

Noch gibt es nicht viel mehr als eine Linie auf einer Landkarte und ein paar Berechnungen. Doch wenn der Brenner-Basistunnel nun tatsächlich gebaut wird, könnte auch der sogenannte "Planfall 36" schnell an Bedeutung gewinnen. Dieses Konzept, das im aktuellen Bundesschienenwegeplan zu finden ist, sieht eine neue Bahnstrecke von München über Kirchseeon, Grafing-Stadt und Aßling bis Großkarolinenfeld und weiter nach Kiefersfelden vor - parallel zu den bestehenden Gleisen. Auf 2,6 Milliarden Euro werden die Kosten hierfür in ersten Berechnungen geschätzt.

Vor allem die Tatsache, dass die Strecke von Trudering bis Grafing voraussichtlich im Tunnel geführt würde, macht die Sache so teuer. "Es gibt ja schon vier Gleise, und es ist schwerlich vorstellbar, dass sechs Gleise durch eine stellenweise sehr dicht bebaute Gegend geführt werden", sagt Michael Pohl vom Büro Intraplan Consult GmbH, das gemeinsam mit der Beratergruppe Verkehr + Umwelt GmbH die aktuelle Überprüfung des Bedarfsplans für die Bundesschienenwege vorgenommen hat.

Die Bahnstrecke hängt eng mit dem Bau des Brenner-Basistunnels zusammen, weil sich mit der Fertigstellung dieses Großprojekts der Güterverkehr Richtung Italien dann deutlich stärker auf die Schiene verlagern würde. Bereits jetzt ist die Bahnstrecke durch den Landkreis Richtung Kiefersfelden gut ausgelastet, zudem gibt es Pläne, hier künftig zusätzliche Nahverkehrszüge einzusetzen. "Es gibt schon einen gewissen Druck, hier etwas zu machen", sagt Ingenieur Michael Pohl. So sehen das auch Anwohner: "Ich würde mir wünschen, dass die Neubaustrecke morgen gebaut wird", sagt der Kirchseeoner Ludwig Steininger, der befürchtet, dass ansonsten der Verkehr auf der bestehenden Strecke massiv ausgebaut wird. "Dabei ist die Lärmsituation schon jetzt untragbar", sagt Steininger, der seit 1965 in Kirchseeon an der Bahnstrecke wohnt.

Doch morgen wird die neue Bahnstrecke sicher nicht gebaut - und wohl auch eher nicht in den nächsten Jahren. "Selbst wenn jemand sofort das Geld auf den Tisch legen würde, könnte man nicht mit dem Bau beginnen. Hier ist man noch ganz am Anfang", so Michael Pohl. Es gebe weder eine vertiefte Untersuchung zur Strecke noch eine Festlegung auf eine Trasse. In einer ersten Skizze ist die Strecke zwar dicht an den bestehenden Gleisen eingezeichnet, "aber es ist auch noch unklar, ob die neue Trasse nördlich oder südlich davon verlaufen würde. Das Ganze ist noch nicht viel mehr als eine Idee", erläutert Pohl. Sollte das Projekt jetzt forciert vorangetrieben werden, wäre ein Baubeginn seinen Schätzungen zufolge frühestens in zehn Jahren möglich.

Und dann wäre immer noch fraglich, ob das Geld für die Maßnahme da wäre - das zeigen die Rückschläge bei der Strecke von München über Mühldorf nach Freilassing. Hier ist seit Jahrzehnten von einem Ausbau die Rede, auch an der Notwendigkeit einer leistungsfähigen Verbindung ins Chemiedreick bei Burghausen zweifelt niemand. Die Finanzierung allerdings ist nach wie vor nicht gesichert. Was die neue Strecke nach Kiefersfelden betrifft, ist bereits jetzt mit heftiger Gegenwehr im Nachbarlandkreis Rosenheim zu rechnen. Denn die Trasse würde in einem Bogen an Rosenheim vorbeiführen - und das wollen sich die Lokalpolitiker dort keinesfalls bieten lassen.

© SZ vom 08.02.2011
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