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Pilotprojekt:Ebersberger Unternehmen rüsten Fahrzeugflotte auf Wasserstoff um

Niedersachsens Umweltminister eröffnet Wasserstofftankstelle

Eine Wasserstoff-Tankstelle.

(Foto: dpa)

Drei Pioniere aus dem Landkreis Ebersberg wollen damit jährlich 4500 Tonnen CO₂ einsparen. Ihr Appell an andere Firmen ist deutlich.

"Wir können es uns nicht leisten, unseren zukünftigen Generationen nichts von der Umwelt übrig zu lassen", sagt Wolfgang Strick, Projektkoordinator bei der Spedition Hörndl in Forstinning. Fossile Brennstoffe seien endlich - und umweltschädlich. Deshalb beteiligen die Firma Hörndl und zwei andere Unternehmer aus dem Landkreis sich am Projekt "HyBayern". Ziel des Projekts ist es, Wasserstoff in der Region aus erneuerbaren Energien herzustellen und ihn dann auch in der Region zu verbrauchen.

Mit dem Konzept haben sich der Landkreis Ebersberg gemeinsam mit den Landkreisen Landshut und München und der Landshuter Verein Wasserstoffregion, der Initiator des Projekts, beim Wettbewerb "HyLand - Wasserstoffregionen in Deutschland" beworben. Dieses Projekt wurde vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur initiiert. Die Landkreise haben nun die Förderzusagen in Höhe von bis zu 20 Millionen Euro für den Ausbau der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie erhalten. Die Spedition Hörndl aus Forstinning, das Reiseunternehmen Ettenhuber aus Glonn und die Spedition Reischl aus Ebersberg werden bald einen Teil ihrer Flotte auf Wasserstoffantrieb umstellen.

Ein wichtiger Aspekt dabei ist: Der Wasserstoff soll nicht etwa vom Kohlekraftwerk kommen. "Der Strom muss grün sein", sagt Strick. Nach Abschluss des Projektes sollen in den Landkreisen Ebersberg, München und Landshut jährlich insgesamt 430 Tonnen grüner Wasserstoff produziert werden. Dass es sich um CO₂-freien Wasserstoff aus erneuerbaren Energien handelt, war auch den Projektplanern wichtig. Dieser soll mittels Wasserkraft oder Fotovoltaikanlagen gewonnen werden. Per Elektrolyse wird die Energie zu grünem Wasserstoff umgewandelt.

Strick hat allerdings nach eigenen Angaben noch Zweifel, ob man schnell eine geeignete Infrastruktur aufbauen kann: Für die Tankstellen müsse es schließlich genügend Erzeuger und Abnehmer geben. Zudem müsse es genügend Werkstätten geben, die Fahrzeuge mit Wasserstoffantrieb reparieren können. Produziert werden soll der Wasserstoff hauptsächlich in einer Groß-Elektrolyse mit Verteilzentrum in direkter Nachbarschaft eines Isar-Wasserkraftwerks im nördlichen Teil der Wasserstoffregion, lassen die Landkreise verlauten.

"Es sollten in Zukunft alle in diese Richtung gehen."

Hinzu kommen mehrere kleine Elektrolyseure, die dezentral aus Fotovoltaikanlagen gespeist werden und so sommerlichen Überschussstrom aus Dachfotovoltaikanlagen in Wasserstoff umsetzen. Dieser wird dann an drei neuen Pkw-Lkw-Bus-Tankstellen zu den Abnehmern transportiert. So sollen jährlich mindestens 4500 Tonnen Kohlendioxid im Verkehr eingespart werden.

Für das Projekt will sich die Spedition Hörndl neue Lkw anschaffen, die dann umgebaut und mit Brennstoffzellen ausgestattet werden. Allerdings werde bei der Produktion und Umrüstung der Fahrzeuge CO₂ produziert, merkt Strick an. Dennoch sei es "ein Schritt in die richtige Richtung". Mit dem Projekt übernehmen die Landkreise eine Vorreiterrolle in Bayern. Strick sagt, er sei stolz, ein Teil davon zu sein: "Es sollten in Zukunft alle in diese Richtung gehen."

Auch Georg Reischl von der gleichnamigen Spedition in Ebersberg sieht das Projekt als gute Möglichkeit, neue Erfahrungen zu sammeln: "Wenn es Neuerungen gibt, bin ich dabei. Ich denke immer nach vorne", sagt der 75-Jährige. Er sei ein Freund der Umwelt, deswegen sei ihm das Projekt besonders wichtig: In seinem Fuhrpark stünden bereits jetzt nur Dieselfahrzeuge, die den geringsten Schadstoffausstoß haben. Und jetzt sollen es auch Lkw mit Wasserstoffantrieb sein. Dabei würde Reischl mit zwei bis drei Lkw beginnen, "gerne mehr, wenn es gut läuft". Reischl hofft dabei, dass das Wasserstoffprojekt auch gut bei der Bevölkerung ankommt.

Einem, dem der Umweltgedanke am Herzen liegt, ist auch Josef Ettenhuber, Geschäftsführer des Reiseunternehmens in Glonn. 2008 waren sie die ersten im Landkreis mit Hybridomnibussen, mittlerweile haben sie auch drei Elektrobusse in der Flotte. Besonders im ländlichen Raum sieht er viel Potenzial bei Wasserstoffantrieben. Dieser habe den Vorteil, dass man viel davon mitnehmen könne und so eine hohe Reichweite habe. Er wird jetzt sein Personal extra auf den neuen Antrieb umschulen. Auf ein Problem macht Ettenhuber dabei aufmerksam: den Fachkräftemangel. In seiner Werkstatt habe er dieses Problem nicht, da sei genügend Fachpersonal vorhanden. Aber es mangle an Busfahrern. "Da hilft das beste Antriebskonzept nichts. Wenn es keinen Fahrer gibt, muss der Bus stehen bleiben", unterstreicht er.

© SZ vom 23.12.2019
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