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Verkehr in Forstinning:Statt einer Antwort beleidigtes Schweigen

Forstinning defekte Geschwindigkeitsmeßanlage

Hinter dem Ortsschild des Forstinninger Gemeindeteils Schwaberwegen steht seit einigen Monaten eine Messanlage. Drei Wochen lang hat der Apparat allerdings nicht mehr angezeigt, ob man zu schnell fährt.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Nach drei Monaten reagiert der Gemeinderat auf Fragen von 90 Forstinningern, die sich um die Sicherheit auf den Straßen im Ort sorgen. In der Antwort aus dem Rathaus heißt es, man werde sich nicht weiter zur den Vorwürfen äußern

Wenn man aus dem Ebersberger Forst nach Forstinning rein fährt, kommt man an einer Messanlage vorbei, eine, wie man sie gefühlt in jedem zweiten bayerischen Dorf findet. Der Unterschied zum gewohnten Bild: die Anzeige in Forstinning zeigt seit drei Wochen nichts mehr an, weder rot noch grün blinkend, egal wie schnell man durch den Ort rauscht. Ein kleiner Defekt, den man schnell übersieht. Oder eine Parabel für etwas größeres?

Für den Forstinninger Benjamin Wirth passt die defekte Anlage ins Bild: Nämlich, dass sich die Gemeinde nicht ausreichend um die Sicherheit im Ort bemüht. So lautet der Vorwurf, den 90 Forstinninger im September in einem öffentlichen Schreiben gegen Gemeinderat und Bürgermeister erhoben haben.

Wirth ist einer der Unterzeichner, die seit drei Monaten auf eine Antwort vom Gemeinderat warten. Auf der jährlichen Bürgerversammlung vor drei Wochen hatte Bürgermeister Rupert Ostermair (CSU) die Frage abermals zurückgestellt, allerdings mit dem Hinweis, man werde sich im Dezember-Gemeindeblatt dazu äußern. Dies ist nun geschehen, zumindest formell.

"Haltlos, unsachlich, polemisierend" - so bezeichnet der Bürgermeister die Vorwürfe

Die Stellungnahme lautet wie folgt: "Nachdem die Vorwürfe gegenüber dem Gemeinderat haltlos, unsachlich und polemisierend sind und nicht einmal der Versuch einer sachlichen Auseinandersetzung mit der Thematik unternommen wurde, geht der Gemeinderat an dieser Stelle nicht weiter auf die Vorwürfe im Einzelnen ein." Sprich: Das 17-köpfige Gremium sagt zu den Vorwürfen nichts, alles wie bisher.

Wirth und viele derer, die unterzeichnet haben, hatten sich das anders vorgestellt. "Ich bin enttäuscht", sagt Wirth. "Es kann nicht sein, dass unsere Anliegen im Gemeinderat totgeschwiegen werden." Zumal die Bürgerversammlung gezeigt habe, wie sehr die Probleme in der Ortsmitte die Forstinninger beschäftigten - aus dem Publikum wurden fast ausschließlich Verbesserungsvorschläge für die Ortsdurchfahrt vorgetragen. "Die Beiträge waren alle sachlich und konkret", sagt Wirth.

Die frühere Harmonie in der Gemeinde ist dahin

Den Forstinningern sagte man lange ein auffällig harmonisches Dorfleben nach. Seit dem Beschluss für eine Ortsumfahrung durch den Forst, der an den Gemeindeteil Schwaberwegen angrenzt, scheint die Gemeinde aber zunehmend uneins: Den einen kann die Umfahrung nicht schnell genug kommen, andere befürchten, dass man ihnen jetzt das Verkehrschaos mit der Umgehung vor die Nase setzt.

In der aktuellen Debatte geht es vor allem um die Frage, wie der Ort zurechtkommen soll, solange die Umfahrung noch nicht gebaut ist. Betroffen sind davon vor allem die Anwohner, die direkt an der Ortsdurchfahrt wohnen, viele von ihnen haben die Unterschriftenliste unterzeichnet.

Forstinning ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, den praktisch alle Autofahrer nutzen, die zwischen München, der A 94 und Ebersberg pendeln. Zu den Stoßzeiten herrschen auf den Ortsdurchfahrten von Moos und Schwaberwegen, beides Gemeindeteile von Forstinning, Zustände wie auf einer Schnellstraße - nur dass Tempolimit 50 gilt und Schulkinder am Straßenrand auf den Bus warten. Die Anwohner klagen seit Jahren über den Lärm und über zu schnelle Auto- und Lastwagenfahrer. Vor zwei Jahren erfasste der Sog eines Lkw dort einen Radfahrer, der stürzte und später an den Folgen des Unfalls starb.

Klar ist: Forstinning ist längst nicht der einzige Ort, der mit solchen Problemen kämpft, man muss nur mal nach Ebersberg ins Zentrum der Kreisstadt schauen. Die Region wächst, und mit ihr das Verkehrsaufkommen. Forstinning ist insofern ein Sonderfall, dass sich die Bürger dort zuletzt verstärkt und öffentlich um konkrete Verbesserungen bemüht haben, um Blitzer, Fußgängerüberwege, strengere Tempolimits, Versetzung von Bushaltestellen. Wie hilfreich oder verzichtbar die einzelnen Vorschläge sind, dürfte umstritten sein - wie so vieles in diesen Tagen.

Offen ist die Frage, ob es sich ein kommunales Gremium erlauben kann, Fragen von 90 Bürgern sowie den Debattenkern einer Bürgerversammlung im Prinzip zu übergehen. Hochgerechnet auf die Landeshauptstadt wäre das so, als ob Oberbürgermeister Dieter Reiter eine Unterschriftenliste von 35 000 wahlberechtigten Münchnern ignorieren würde. Für Wirth ist die Sache eindeutig, er will sich damit nicht abfinden, deshalb, sagt er, werde sich seine Initiative zusammensetzen, um eine Reaktion vorzubereiten. Die Forstinninger Gemeindeverwaltung teilte inzwischen mit, dass die kaputte Batterie der Messanlage am Donnerstag noch ausgetauscht wurde.