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Zeitgeschichte:Baldham: Thorak-Bau könnte schon nächstes Jahr die Tore öffnen

Vor neun Jahren war das Gebäude zum bisher letzten Mal öffentlich zugänglich - mehr als 200 Vaterstettener wollten sich das nicht entgehen lassen.

(Foto: Christian Endt)

Die Pläne für eine Dauerausstellung im ehemaligen Atelier des NS-Bildhauers kommen voran.

Eine schlafende Prinzessin gibt es zwar nicht wachzuküssen, in dem palastgroßen Bau hinter dichtem Gestrüpp - einige Dinge dort dürften aber durchaus Interesse wecken. Denn mitten in der Großgemeinde, wenige Hundert Meter vom Baldhamer Bahnhof entfernt, findet sich ein Stück Zeitgeschichte: Das ehemalige Atelier des Bildhauers Josef Thorak, der dort seit Ende der 1930er-Jahre monumentale Plastiken im Auftrag und nach dem Geschmack der Nazis fertigte. Diese Zeit und der Rest der wechselvollen Geschichte des Gebäudes könnte schon bald der Öffentlichkeit in einer Dauerausstellung präsentiert werden.

Seit knapp zwei Jahren gibt es entsprechende Überlegungen, das 1938 nach Plänen von Albert Speer entstandene Atelier in irgendeiner Form der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bislang gab es nur sehr selten die Gelegenheit, das Gebäude zu besichtigen - dementsprechend groß war der Andrang, wenn einmal geöffnet war. Für einen größeren Besucherkreis war dies zuletzt vor fast genau neun Jahren möglich, Vaterstettens Bürgermeister Georg Reitsberger, damals noch Gemeinderat, hatte die Tour organisiert. Und eigentlich habe man mit ein paar Dutzend Besuchern gerechnet, sagt er - tatsächlich waren es dann mehr als 200 Personen, die sich den Rundgang nicht entgehen lassen wollten. "Alles was zugesperrt ist, ist interessant", so Reitsberger damals.

Eine Einschätzung, die heute wohl immer noch ihre Richtigkeit hat. Denn das Interesse an einer Besichtigung sei nach wie vor groß, "Vaterstetten ist sehr interessiert an dem Gebäude", sagt Reitsberger. Weshalb Ende 2017 die Idee aufkam, zumindest das Gelände und Teile des Gebäudes der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Inzwischen seien diese Überlegungen schon etwas konkreter, sagt der Bürgermeister, möglicherweise könnte bereits im kommenden Jahr die Dauerausstellung eröffnet werden. Darin "soll die ganze Geschichte des Hauses gezeigt werden".

Besonders eindrucksvoll die drei großen Tore auf der Südseite

Josef Thorak in seinem Atelier, 1936

Anfang der 1940er schuf Bildhauer Josef Thorak im Baldhamer Atelier Monumentalstatuen im Auftrag und nach dem Geschmack des Nazi-Regimes.

(Foto: SZ-Archiv)

Die hat es durchaus in sich, nicht nur in den frühen Jahren - auch wenn die Ereignisse jener Zeit weit über Vaterstetten hinausragten. Der Mann, mit dessen Name das Haus bis heute verbunden ist, lebte und arbeitete dort nur wenige Jahre. Der 1889 in Wien geborene Thorak hatte seine Karriere mit von der Kritik sehr gelobten Porträts begonnen, später verlegte er sich auf naturalistische Großplastiken. Diese gefielen den neuen Machthabern nach 1933 so sehr, dass Thoraks Werke nicht nur rund um die Austragungsstätten der Olympischen Spiele sondern auch auf dem Nürnberger Reichsparteitagsgelände aufgestellt wurden. Das Atelier in Baldham - ein Geschenk Adolf Hitlers an seinen erklärten Lieblingsbildhauer - trägt der Monumentalität von dessen Werken Rechnung. Auch von außen sind die gewaltigen Ausmaße des Gebäudes zu erkennen, besonders eindrucksvoll die drei großen Tore auf der Südseite. Jedes davon ist gut zwölf, der Raum dahinter sogar 18 Meter hoch, 900 Quadratmeter groß und komplett von einem Glasdach überspannt.

Die Zeiten, in denen dort wuchtige Marmorblöcke zu nicht minder wuchtigen Germanen und Germaninnen wurden, währten indes nicht lange. Thorak hatte das Atelier bereits vor Ende des Krieges verlassen, in dessen letzten Monaten wurden in dem Haus zahlreiche Kunstgegenstände aus Münchner Museen gelagert um sie vor den Bombardierungen in Sicherheit zu bringen. Thorak starb sieben Jahre nach Kriegsende in Salzburg, seine Arbeit für die Nazis hatte keine Folgen für ihn, er konnte seine Künstlerkarriere weitgehend fortsetzen. Fast schon ironisch ist, dass der Ort, wo quasi das Dekor des Dritten Reiches entstand, auch bei dessen Ende zumindest eine kleine Rolle spielte: Am 5. Mai übergab dort der Befehlshaber der Wehrmachtsverbände in der Region, General Hermann Foertsch, dem amerikanischen General Jacob L. Devers seine Kapitulation.

Die Kapitulation der Wehrmachtsverbände in der Region erfolgte am 5. Mai 1945 im ehemaligen Atelier des Staatsbildhauers.

(Foto: Renate Schmidt)

Danach wurde es in Thoraks altem Atelier deutlich ziviler: Zwei Jahre lang war es Notunterkunft für Flüchtlinge, danach zogen die Kinder ein. Der Vorläufer der heutigen Schule an der Brunnenstraße, die "Waldschule" nutzte das Gebäude bis 1953. Mehr Action gab es dann im folgenden Jahrzehnt, die große Halle war ideal für Filmaufnahmen - für Tonaufnahmen indes eher weniger. Angeblich hätte die Akustik, besonders die bei Temperaturschwankungen laut knackenden Metalltüren, die Tonspuren beeinträchtigt, sodass aus der Filmkulisse Mitte der 1960er ein Kulissendepot der Staatsoper wurde.

Vor 35 Jahren schien für das Gebäude dann schon fast das Ende gekommen: Nach dem schweren Hagel 1984 war das Glasdach über der großen Halle komplett zerstört, ein Abriss des Ateliers schien zumindest möglich. Dazu kam es dann indes nicht, das Gebäude wurde instandgesetzt und vor 30 Jahren in ein Lagerhaus der Archäologischen Staatssammlung umgewandelt - was es bis heute ist. Das ist auch einer der Gründe, warum Besichtigungen dort so äußerst selten sind. Denn die dort gelagerten Gegenstände sind sehr empfindlich, etwa gegen Schwankungen der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit - was sich nicht unbedingt mit einem regulären Museumsbetrieb verträgt.

Der aber auch personell nicht zu leisten sei, sagt Harald Schulze von der Archäologische Staatssammlung, der das Projekt Thorak-Ausstellung betreut. Dass es eine solche geben werde, sei zwar so gut wie sicher - bei deren Eröffnungstermin ist Schulze indes etwas vorsichtiger als der Bürgermeister. Ob die Ausstellung wirklich schon im kommenden Jahr zu besichtigen sein wird, könne man noch nicht sagen. Denn neben der gebotenen Rücksicht auf die Lagerbestände sei auch das Gebäude selbst nicht ganz einfach. So müssten für einen Besucherraum etwa Brandschutzvorgaben erfüllt werden - und gleichzeitig jene des Denkmalschutzes. Wie dies zusammengeht, daran arbeite man noch. Schon weiter ist man bei der Frage, wie die Ausstellung einmal aussehen soll, sagt Schulze. Das Konzept sieht vor, dass es einen Raum geben wird, in dem die Geschichte des Gebäudes von 1938 bis heute dargestellt ist. Geplant ist, dass man diese Ausstellung nach vorheriger Anmeldung besichtigen kann, ein Angebot, das sich vor allem an Besuchergruppen wie etwa Schulklassen richtet. Eine Art Museum mit festen, gar täglichen, Öffnungszeiten ist indes nicht vorgesehen.

Was zum einen daran liegt, dass man seitens der Staatssammlung keinesfalls dauerhaft Mitarbeiter für Museumsführungen abstellen kann - aber auch noch einen weiteren Grund hat, wie Reitsberger sagt: Es brauche auch eine gewisse Aufsicht. "Ansonsten ist zu befürchten, dass sich Leute mit entsprechender Geisteshaltung dann an dem Gebäude verewigen." Manche Dinge möchte man dann eben doch nicht wecken.

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