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Ebersberger Bier:Na dann Prost

In der Kreisstadt wird es bald wieder ein eigenes Bier geben - das erste seit fast einem halben Jahrhundert. In einem Monat soll es offiziell vorgestellt werden, die Macher berufen sich auf eine seit 1400 bestehende Tradition

Den Bewohnern der beiden Städte des Landkreises sagt man ein gewisses Konkurrenzdenken nach: Ebersberger wie Grafinger wissen genügend Gründe, warum es bei ihnen schöner oder besser ist als jenseits von Gsprait. Vieles davon liegt im Auge des Betrachters - doch bei einer Sache konnten die Bärenstädter bislang immer punkten: In Grafing gibt es anders als in Ebersberg eine eigene Brauerei und somit eigenes Grafinger Bier. Doch das soll sich bald ändern, in gut einem Monat kann man in und um Ebersberg wieder ein örtliches Bier genießen.

Wer vor 1974 schon Biertrinker in Ebersberg war, wird den Anblick noch kennen: Kästen der Schloßbrauerei, die vor 45 Jahren den Betrieb einstellte.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Zumindest wenn es nach Sebastian Otter - Buchhändler und Biersommelier - geht, der am Montagnachmittag eine etwas kryptische Mail verschickte, in der vom Auftauchen grüner Getränkekästen die Rede ist. Dazu muss man wissen, dass in solchen Kästen bis vor 45 Jahren Bier der Schloßbrauerei verkauft worden war. Eine Brauerei, die es mindestens seit dem Jahr 1400 gegeben hatte, weiß ein Artikel in der SZ vom 26. Februar 1974. Unter dem Titel "Brauerei schließt nach 574 Jahren" wird berichtet, dass die Schloßbrauerei zum1. März die Produktion einstellt.

Als Grund werden "die allgemeinen Kostensteigerungen und der zunehmende Konkurrenzdruck durch die Brau-Großkonzerne" angegeben. Wie viele andere kleine Brauereien waren auch die Ebersberger den Konzernbrauereien nicht gewachsen, der SZ-Artikel von 1974 nennt eine Menge von 15 000 Hektoliter Bier und Limonade als Jahresausstoß der Schloßbrauerei. Gepachtet wurde sie von der Münchner Brauerei Hacker-Pschorr, die es, wie einige Wochen später im Wirtschaftsteil der SZ zu lesen ist, vor allem auf die Biertrinker abgesehen hatte. Die SZ zitiert den Vorstandssprecher von Hacker-Pschorr, Anton Klimm, mit den Worten, "gepachtet wurde die Kundschaft".

Vom 21. September an soll das Bier verkauft werden

Einen Teil davon hoffen die Macher rund um die Wiederauflage der Schloßbrauerei wieder zurückzugewinnen - auch wenn man laut Otter noch ein gutes Stück von einem Jahresausstoß von 15 000 Hektolitern entfernt ist. Wie viel Bier und welche Sorten dabei unter die Leute gebracht werden, stehe noch nicht fest, es sei aber auf jeden Fall "etwas Trinkbares dabei", versichert Otter. Man wolle erst einmal abwarten, was die Kundschaft nachfrage. Ohnehin soll die neue alte Brauerei keine kurzlebige Aktion werden, geplant sei ein längerfristiges Engagement: "Sonst lässt man keine Kästen bedrucken", sagt Otter.

Genau diese Kästen - das erste Zeichen dafür, dass es bald wieder ein Ebersberger Bier geben könnte - sind seit einigen Tagen dort zu sehen, wo die Geschichte vor 45 Jahren ein vielleicht nur vorläufiges Ende fand: an der alten Brauerei. Die ansonsten mit dem neuen Ebersberger Bier nichts zu tun hat. Gebraut werde es nämlich anderswo, wenn auch nicht zu weit entfernt. Gerüchten zufolge, die Otter weder bestätigen noch dementieren will, ist der Landkreis Traunstein Ursprung des Ebersberger Bieres - das dort, oder wo auch immer, aber nach eigenem Rezept gebraut wird. Denn das neue Schloßbräu sei wirklich eine eigene Sorte, so Otter, und nicht nur einfach ein Label.

Und vielleicht könnte auch die Ebersberger Brauerei selbst eines Tages wieder die Arbeit aufnehmen. Ein Umbau des Gebäudes wird zumindest nicht ausgeschlossen, vor einigen Jahren war schon einmal im Gespräch, in dem Haus ein Café oder eine Wirtschaft einzurichten. Dazu, ob vielleicht auch ein paar Braukessel aufgestellt werden, möchte Otter derzeit nichts sagen. Er verweist auf den 21. September. Dann ist es genau 619 Jahre her, dass die Ebersberger Brauerei das erste Mal urkundlich erwähnt wurde, und zu diesem Termin soll auch das neue Schloßbräu offiziell vorgestellt werden.

© SZ vom 20.08.2019
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