Baldham: Kinopläne vor dem Aus:Der Abspann läuft

Ein Kino in Baldham - dafür kämpft Vaterstettens Bürgermeister Niedergesäß seit Jahren. Doch nun stehen die Pläne ausgerechnet wegen eines Antrags seiner Partei vor dem Aus.

Lars Brunckhorst

Es ist eines der Lieblingsprojekte von Vaterstettens Bürgermeister Robert Niedergesäß (CSU) und seinem Wirtschaftsförderer Georg Kast: ein Kino in Baldham. Seit Jahren kämpfen die beiden dafür, dass in dem neuen Ortszentrum ein Lichtspielhaus entsteht. Erst sollte es im Untergeschoss des Marktplatzes verwirklicht werden, dann zusammen mit der Volkshochschule neben dem Haus für Kinder und zuletzt auf dem Parkplatz am S-Bahnhof. Doch jetzt sieht es so aus, als liefe der Abspann, ehe der erste Film gezeigt wurde.

Baldham: Kinopläne vor dem Aus: Ein Modell des Baldhamer Marktplatzes: Ob dort je ein Kino hinkommt, ist ungewisser denn je.

Ein Modell des Baldhamer Marktplatzes: Ob dort je ein Kino hinkommt, ist ungewisser denn je.

(Foto: Renate Schmidt)

Der Gemeinderat hat am späten Donnerstagabend einstimmig beschlossen, bis auf weiteres kein Geld für ein Kino bereitzustellen. Noch im Juni hatte der Finanzausschuss dagegen dem Gemeinderat empfohlen, im Finanzplan für die Jahre 2012 bis 2014 vorsorglich jährlich 350.000 Euro als Investitionskostenzuschuss vorzusehen. Das Geld sollte an das neue Kommunalunternehmen fließen, dessen Chef Wirtschaftsförderer Kast ist und das mit der Realisierung eines Kinos betraut ist. Ein Baubeginn war zu diesem Zeitpunkt noch für das Jahr 2012 anvisiert.

Die jetzige Wende ist umso überraschender, als der Vorstoß dazu von der CSU kam. Die Partei des Bürgermeisters war zuletzt die einzige, die an dem ehemals von einer breiten Mehrheit getragenen Kino-Vorhaben festhielt. Nach und nach waren SPD, Grüne, Freie Wähler und schließlich auch die FDP auf Distanz zu dem ungewissen Millionen-Projekt gegangen, die FBU von Manfred Schmidt war ohnehin immer gegen ein Filmtheater, das mit Steuergeldern gebaut wird.

Dass nun auch die CSU das Vorhaben auf Eis legt, begründet ihr Fraktionsvorsitzender Michael Niebler damit, dass bei der Schaffung eines modernen Ortszentrums in Vaterstetten auch die Option eines komplett privat finanzierten Kinos ausgelotet werden solle. Diese Alternative war erst Anfang Juli neu in die Debatte geworfen worden, im Zusammenhang mit Überlegungen, das Ortszentrum Vaterstetten von Investoren bauen zu lassen.

"Bis feststeht, ob sich in Vaterstetten ein rein privat finanziertes Kino realisieren lässt oder nicht, wird im Finanzplan kein Investitionskostenzuschuss an das Kommunalunternehmen vorgesehen", so Niebler. Der Vollzug der Finanzausschussempfehlung solle daher "vorübergehend" ausgesetzt werden.

Der CSU-Chef betonte am Donnerstagabend im Gemeinderat aber zugleich, dass seine Fraktion ein VHS-Gebäude mit Kino in Baldham "nach wie vor" für ein "sehr taugliches Konzept" halte. Ein Investorenmodell für das Vaterstettener Ortszentrum biete jedoch eine "neue Chance", die vorrangig untersucht werden müsse.

Die Opposition im Rathaus sparte sich angesichts des Meinungsumschwungs in der Mehrheitsfraktion jeglichen spitzen oder gehässigen Kommentars und trug den CSU-Antrag einstimmig mit. Die neue Linie der CSU wurde von den anderen Fraktionen aber mit erkennbarer Genugtuung aufgenommen. Die CSU tritt bereits seit Mitte der achtziger Jahre für ein Kino in der Gemeinde ein. Ein erster Antrag war damals von der CSU-Nachwuchsorganisation Junge Union gestellt worden, der auch der heutige Bürgermeister angehörte.

Dieser äußerte sich selbst in der Sitzung am Donnerstag nicht zu dem Thema. Wirtschaftsförderer Kast wiederum hatte an der Sitzung gar nicht erst teilgenommen. Niedergesäß, der seit seinem Amtsantritt für ein Kino in der Gemeinde kämpft, hatte allerdings vor drei Wochen im Gemeinderat die neue Idee eines rein privaten Kinos im Vaterstettener Ortszentrum ausdrücklich als "Option" bezeichnet und zugleich versichert: Sollte sich Vaterstetten als der bessere Standort herausstellen, dann müsse Baldham "in Kombination" mit der Volkshochschule die Bücherei bekommen. "Das soll für Baldham nicht der Abschied von weiteren öffentlichen Einrichtungen sein", sagte Niedergesäß damals.

© SZ vom 31.07.2010/ffu/hai
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