Entdeckung Kanalarbeiter finden die älteste Schweinshaxe Ebersbergs

Ramona Baumgartner und Harald Richter haben eine spannende Entdeckung gemacht: Bohlen eines Holzwegs, der wohl einmal über den Marktplatz zum Wirtshaus führte.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Am Marienplatz wird gerade ein Stück Stadtgeschichte ausgegraben: Im Boden liegen alte Straßenbeläge - und Essensreste.

Von Wieland Bögel

Wer auf einen Holzweg gerät, geht, zumindest metaphorisch, in die Irre. Ganz anders verhält es sich dagegen, wenn man einen echten Holzweg entdeckt, dann ist man genau richtig. So wie nun Archäologin Ramona Baumgartner in Ebersberg, sie hat in den vergangenen Tagen einige interessante Hinterlassenschaften der alten Ebersberger ausgegraben.

Die größte davon ist eben der Holz- beziehungsweise Bohlenweg, der unter dem heutigen Marienplatz verläuft. Auf langen, dicken Balken, die in Längsrichtung ungefähr dem Verlauf des Platzes folgen, sind Querhölzer, etwa in der Größe von Bahnschwellen, aufgebracht. Gemeinsam bilden sie eine Struktur, die an einen Bootssteg erinnert - nur, dass nicht Wasser sondern matschiger Boden damit überwunden werden sollte.

Laut Baumgartner wurde der Weg vermutlich im späten Mittelalter oder der frühen Neuzeit angelegt, und interessanterweise ist der Grund für seinen Bau offenbar auch jener für seine Erhaltung über die Jahrhunderte. Der feuchte, torfige Boden hat die Hölzer konserviert, lediglich die schwarze Farbe und die etwas ausgefransten Ränder lassen vermuten, dass die Balken schon einige Zeit im Erdreich liegen.

Wie alt sind die Funde?

Auch ein Pflaster aus unbearbeiteten Feldsteinen liegt unter dem modernen Asphalt.

(Foto: OH)

Wie lange genau, darauf will sich die Archäologin noch nicht festlegen, fast klingt sie wie die Pathologin in einschlägigen Krimis: Nur dass es statt Autopsie "Dendro-Chronologie" und "Dendro-Kartierung" heißt. Dabei werden die in den Bohlen erkennbaren Jahresringe mit denen von Hölzern verglichen, deren Wuchsort und -zeit bekannt sind.

Gefunden wurden darüber hinaus Knochen und Scherben.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Aus der Abfolge von dicken und dünnen Ringen, je nachdem wie die Wachstumsbedingungen im jeweiligen Sommer waren, lässt sich dann zumindest das Jahr bestimmen, in dem der Baum gefällt wurde. Jedenfalls wenn sich die Jahresringe ablesen lassen. Am besten gehe das bei Eichen, so Baumgartner, aber ganz generell seien Harthölzer, und um ein solches handele es sich höchstwahrscheinlich, meist gut zu datieren.

Ans Tageslicht gebracht hat den alten Weg die aktuell laufende Sanierung und Erneuerung des städtischen Leitungsnetzes. Seit vergangenem Jahr werden bereits in der Bahnhofstraße nach und nach die alten Wasser- und Kanalrohre erneuert und teilweise verschwenkt. Dabei stieß man nun auch auf den alten Holzweg - jedenfalls einen Abschnitt davon.

Denn laut Baumgartner sind die nun ausgegrabenen Balken nur ein Teil eines Weges, der vermutlich entlang einer Achse zwischen dem Finanzamt und dem Rathaus verläuft, also in etwa dem Verlauf des Marienplatzes folgt. An dessen östlichem Ende haben die Ausgräber ein weiteres Stück historischer Infrastruktur freigelegt: Ein Stück des alten Straßenpflasters aus unbearbeiteten Feldsteinen. Dieses dürfte irgendwann über dem alten Holzweg verlegt worden sein.

Auf einmal liegt da der abgefieselte Knochen eines Schweines

Wozu er diente, welche Gebäude er verband, lässt sich wohl erst mit Sicherheit sagen, wenn die Datierung abgeschlossen ist. Möglich wäre, dass er das alte Kloster, dessen Eingang sich einst am östlichen Ende des heutigen Marktplatzes befand, mit dem heutigen Rathaus verband - dem früheren Wirtshaus von Ebersberg.

Zwar ist das nur eine Vermutung, da noch unbekannt ist, ob das Wirtshaus bereits stand, als der Weg angelegt wurde. Aber ein weiterer Fund weist zumindest in eine kulinarische Richtung: In der selben zeitlichen Schicht, in der der Bohlenweg liegt, fanden die Ausgräber auch die wohl älteste Schweinshaxe Ebersbergs.

Neben dem sorgfältig abgefieselten Knochen eines Schweines lagen Reste eines Kalbsschädels sowie Tonscherben, wie sie für Vorratsgefäße benutzt wurden. Diese bestanden aus "grauer Irdenware", einer sehr robusten Keramik, die ebenfalls im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit benutzt wurde. Vielleicht lag neben dem Weg also eine Abfallgrube des Wirtshauses - vielleicht ist aber auch nur ein unvorsichtiger Zecher samt Schweinshaxe und Weinkrug vom Holzweg abgekommen.

Sicher ist allerdings, dass ein Teil des Weges, der vielleicht einmal zum Ebersberger Hofwirtshaus führte, künftig genau dort aufbewahrt wird. Denn die Leiterin des Stadtarchives, Antje Berberich, hat sich bereits ein paar Bohlen gesichert - bald wird also das Stadtarchiv im Rathaus um ein Exponat reicher sein, das nicht jeder hat: einen historischen Ebersberger Holzweg.

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